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Polizeiticker Leipzig Angriff am Leipziger Hauptbahnhof: Mann attackiert Polizistin, Hund beißt zu
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Angriff am Leipziger Hauptbahnhof: Mann attackiert Polizistin, Hund beißt zu
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19:10 15.09.2017
Häufiger Treff der Trinker-Szene: die Westhalle am Leipziger Hauptbahnhof. Quelle: André Kempner
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Leipzig.

Krach in der Trinker-Szene am Leipziger Hauptbahnhof: Als die Bundespolizei am 29. Januar 2017 wegen Gewaltexzessen zwischen Betrunkenen erneut an einen ihrer Brennpunkte an der Westhalle ausrücken musste, wurden die Beamten selbst attackiert. Zunächst griff ein 23-Jähriger einer Polizistin an den Hals, dann biss sein Hund der Frau auch noch in die Wade. Als sich ihre Kollegen einschalteten, schlug und trat der Mann wie wild um sich. Wegen vorsätzlichen Vollrausches – Dominic M. hatte an jenem Abend rund 3,7 Promille intus – verurteilte das Amtsgericht Leipzig den Hartz-IV-Empfänger nun zu 1300 Euro Geldstrafe.

„Mein Mandant kann das alles nur bedauern und möchte sich entschuldigen. Aufgrund von 3,7 Promille zur Tatzeit kann er sich jedoch nicht mehr erinnern“, sagt Verteidiger Ingo Stolzenburg gleich zu Beginn des Strafprozesses. Dominic M., der den Beruf des Kfz-Mechatronikers gelernt hat, danach jedoch zunehmend dem Alkohol verfallen ist, hielt sich Stolzenburg zufolge „regelmäßig im Milieu“ auf. Immer an der Seite des 23-Jährigen: sein Australien-Shepherd-Mischling, der zur Tatzeit angeleint gewesen sein soll. „Seit 2012 trinke ich öfter viel. Ein Filmriss kommt da schon mal vor“, berichtet der Angeklagte.

Am Abend des 29. Januar war die Situation völlig eskaliert. Er habe sie zunächst gefragt, ob sie rechtsradikal sei, schildert die betroffene 39 Jahre alte Beamtin vor Gericht. Als sie sich gegen seinen plötzlichen Griff an ihren Hals wehrte, hing der Hund an ihrer Wade. „Weil es kalt war, hatte ich relativ viel an. Der Hund hat nicht durch die Sachen hindurchgebissen.“ Die Folge waren aber Hämatome. Ein Kollege brachte den „sehr aggressiven“ Hundehalter daraufhin zu Boden.

Die Bundespolizei hatte zuvor „den Treffpunkt für Leute, die Alkohol und Drogen nehmen, über Kamera beobachtet“, wie ein 45-jähriger Beamter vor Gericht schildert. Weil sich Dominic M. damals weigerte, in die Diensträume zu folgen, wurde ein Fahrzeug angefordert, in dem er randalierte. Als er sich schließlich auszog und Suizidgedanken äußerte, entschied ein Arzt: Der 23-Jährige kann nicht wie beabsichtigt in Polizeigewahrsam genommen werden, sondern muss in eine Klinik.

„Warum der Bruch 2012?“, will Richter Marcus Pirk vom Angeklagten wissen. „Probleme mit den Eltern“, entgegnet dieser. Acht Straftaten – zuletzt eine Trunkenheitsfahrt – listet das Sündenregister auf.

Richter Pirk hält wegen des immensen Alkoholpegels die Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit für fraglich. Damit folgt er der Ansicht sowohl von Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung. Das Gericht verurteilt den 23-Jährigen deshalb nicht – wie ursprünglich angeklagt – wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, fahrlässiger Körperverletzung und versuchter Körperverletzung in vier Fällen, sondern wegen vorsätzlichen Vollrausches. „Er musste damit rechnen, dass er im Rausch Straftaten begeht“, so der Richter. Die Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 13 Euro (wie von der Staatsanwaltschaft beantragt) kann Dominic M. in Raten zahlen.

Der kündigte an: „Ich möchte wieder in meinen Job einsteigen, eine Therapie machen.“

Von Sabine Kreuz

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