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Angst vor Gift: Darum tötete der Leipziger Heinz S. seine Frau

Angst vor Gift: Darum tötete der Leipziger Heinz S. seine Frau

Vor einer Woche tötete Heinz S. (81) seine drei Jahre jüngere Ehefrau Irmgard. Der Auslöser für dieses unfassbare Verbrechen war bisher rätselhaft. Gegenüber Ermittlern sprach der Täter ausführlich über seine Motive.

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Gefährlicher Verfolgungswahn: Rentner Heinz S. tötete seine Ehefrau, weil er sich einbildete, Opfer eines Komplotts zu sein.

Quelle: Holger Baumgaertner

Die LVZ erlangte jetzt Einblick in Details. Es ist die Geschichte eines Rentners, von dessen gefährlicher Alterskrankheit niemand etwas ahnte - bis sie auf grauenvolle Weise ausbrach.

Der frühere Malermeister und seine Frau - sie galten in ihrem Viertel als freundliches, respektables und stets korrektes Rentnerehepaar. 60 Jahre waren sie verheiratet, drei Söhne und eine Tochter zogen sie groß, Streitereien oder gar Gewalttätigkeiten gab es nie. Was niemand wusste: Der vital wirkende Heinz S. litt unter Wahnvorstellungen, wähnte sich als Opfer eines Komplotts.

Seinen Aussagen zufolge glaubte er, dass seine Frau ihn langfristig vergiften wollte. Das Essen habe sehr merkwürdig geschmeckt, weshalb er den starken Verdacht hatte, dass Irmgard S. Tabletten oder Gift reingemischt hat. Zudem war er der festen Überzeugung, dass sie versucht hat, ihn systematisch in den Wahnsinn zu treiben. So bildete er sich ein, dass sie immer wieder die Schlüssel für sein Auto versteckt hat, ebenso wie Kugelschreiber oder Notizbuch. Und: Mehrfach sei er gegen seinen Willen vom Notarzt in die Klinik eingewiesen worden.

Tatsächlich gab es mehrere Einweisungen, weil er umgefallen und hilflos aufgefunden worden war. Doch Heinz S. sah Indizien für eine Verschwörung. Darin waren nach seiner Überzeugung auch weitere Familienangehörige verstrickt. So hörte er spätabends, wenn er im Bett lag, Geräusche an der Wohnungstür - angeblich von seinem Schwiegersohn.

Der Auslöser für die Bluttat: ein simpler Kontoauszug. Es war am 17. Juli frühmorgens, als Heinz S. zur Bank ging, um ihn zu holen. Als er darauf eine Null las, sah er sich wohl in seinen düsteren Ahnungen bestätigt: Seine Frau musste das Konto leergeräumt haben. Die Ermittler sollten später feststellen, dass das Guthaben des Ehepaares nicht angetastet war. Heinz S. stellte seine Frau zur Rede, es kam zum Streit - und dann griff er zu einem Messer. Als Irmgard S. mit massiven Schnittverletzungen im Halsbereich auf dem Boden des Badezimmers lag, soll Heinz S. noch versucht haben, ihren Puls zu fühlen. Aber da war nichts mehr. Er setzte sich hin und schrieb eine Art Abschiedsbrief. Da war es 6.30 Uhr. Später wollte er sich selbst das Leben nehmen, ritzte sich die Pulsader des linken Armes auf. Gegen 9.30 Uhr rief er bei seinem jüngsten Sohn an, der von der Arbeit kam und geschockt die Polizei rief.

Auf Anordnung des Ermittlungsrichters befindet sich Heinz S. in der geschlossenen Psychiatrie. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Totschlags, geht aber davon aus, dass der Rentner die Tat zumindest im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit begangen hat. Rechtsanwalt Andreas Meschkat hält seinen Mandanten für schuldunfähig. "Dieser Zustand beruht wahrscheinlich auf einer Mischung aus Paranoia und einer beginnenden Altersdemenz", so der Strafverteidiger. "Er empfindet geringe Reue, hat die Vorstellung, dass sein Wahn Realität ist, und glaubt, dass er in Notwehr gehandelt hat." Inzwischen wurde ein psychiatrischer Gutachter beauftragt, den Geisteszustand von Heinz S. zu untersuchen. Anwalt Meschkat: "Ich habe meinem Mandanten geraten, sich der Untersuchung zu stellen. Es muss ja auch geklärt werden, ob er zukünftig für andere gefährlich werden könnte."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2013

Frank Döring

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