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Angst vor Polizei: Leipziger Gewalt-Opfer will nicht vor Gericht aussagen

Angst vor Polizei: Leipziger Gewalt-Opfer will nicht vor Gericht aussagen

Mehrere Frakturen im Gesicht waren die Folgen der üblen Misshandlung eines Betrunkenen unweit des Leutzscher Rathauses im August 2012. Das Opfer Patrick N. (19) sollte gestern im Prozess gegen seinen mutmaßlichen Peiniger aussagen.

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Das Leipziger Amtsgericht in Bernhard-Goering-Straße.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Doch der Geschädigte mied das Amtsgericht.

Weil er unentschuldigt fehlte, muss er nun zur Strafe auch noch 100 Euro Ordnungsgeld bezahlen oder aber ersatzweise zwei Tage Ordnungshaft verbüßen, ordnete der Vorsitzende Richter Peter Weber an. Möglicher Hintergrund des Fernbleibens: Das Opfer und der Angeklagte Philipp H. (24) kennen sich. Beide übernachteten seinerzeit im Obdachlosenheim an der Rückmarsdorfer Straße. Nach einem Trinkgelage beider mit etlichen weiteren Personen in der Parkanlage "Am Wasserschloß" soll Philipp H. ausgerastet sein.

Staatsanwältin Sybill Petersen lastete H. deshalb gestern Raub und gefährliche Körperverletzung an. Er soll dem Opfer einen derart massiven Fußtritt versetzt haben, so dass es von einer Bank benommen zu Boden fiel. "Aus Angst vor weiteren körperlichen Repressalien", so die Staatsanwältin, habe der Geschädigte sich auch nicht zur Wehr gesetzt, als ihm Handy, 17 Euro und Geldkarte abgenommen worden seien. "Von der Beute kaufte der Angeklagte gleich wieder Alkohol ein." Das Opfer hatte mehrere Kiefer- und Augenhöhlenbrüche erlitten, wurde erst im Diakonissenkrankenhaus, dann im Uni-Klinikum behandelt.

Einem Zeugen zufolge soll der Geschädigte nicht nur getreten, sondern auch zusammengeschlagen worden sein. "Aber ich war nicht dabei, kenne das nur vom Hörensagen", sagte Peter L. (37) vor Gericht. Er habe dem Opfer damals zur Anzeige geraten: "Aber Patrick wollte das nicht." Wahrscheinlich aus Angst vor der Polizei. Jedenfalls sei der brutale Übergriff vom 23. August immer wieder Gesprächsthema im Männer-Übernachtungshaus gewesen, berichtete der damalige Klient Holger K. (53). Philipp H. habe sich da auch als Täter geoutet. Vor Gericht aber schwieg er. Verteidiger Ingo Stolzenburg erklärte: "Mein Mandant ist seit mehr als elf Jahren schwerstabhängig von Alkohol, hat keine Erinnerung an den Tattag."

Weil außer dem Opfer gestern noch weitere Zeugen nicht erschienen, vertagte das Gericht den Prozess auf Anfang 2014.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.10.2013

Sabine Kreuz

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