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Polizeiticker Leipzig Vergewaltigte Eritreer eine Asylbewerberin?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Vergewaltigte Eritreer eine Asylbewerberin?
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06:01 28.09.2018
Der Angeklagte Andemariam T. am Donnerstag im Gerichtssaal. Er wurde wegen Vergewaltigung und Körperverletzung verurteilt. Quelle: André Kempner
Leipzig

Surea A. war vermutlich ganz froh darüber, in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Leipziger Max-Liebermann-Straße, 4800 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, auf jemanden zu treffen, der ihre Sprache spricht. Im Sommer 2017 kam sie von Eritrea nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen. Ein Landsmann bot der ängstlichen Frau an, ihr die Stadt zu zeigen. Doch dann fiel er mit brutaler Gewalt über sie her. Am Donnerstagmorgen sah Surea A. ihren Peiniger am Landgericht wieder. Die Staatsanwaltschaft wirft Andemariam T. (48) Vergewaltigung und vorsätzliche Körperverletzung vor.

Übergriff nach dem Essen

Es war am 8. September vorigen Jahres, als sich die beiden Eritreer bei einem Abendessen mit anderen Bewohnern der 700 Personen fassenden Erstaufnahme in Leipzig-Möckern kennenlernten. Er sprach sie an, lud sie zu einer Stadtbesichtigung mit Restaurantbesuch ein. Am nächsten Tag trafen sie sich. Surea A. war noch immer zögerlich und zurückhaltend, ließ sich dann aber überreden, mit ihm zu einem Bistro in der Max-Liebermann-Straße zu gehen. Schon da soll Andemariam T. laut Aktenlage übergriffig geworden sein, habe seine Landsmännin am Oberschenkel gestreichelt. Surea A. widerstrebte das sehr, er sollte sie deshalb wieder zurück in die Asylunterkunft bringen. Andemariam T. zahlte und ging mit ihr – allerdings nicht zum Heim. Als es langsam dunkel wurde, erreichten sie einen großen Park. Hier soll der Angeklagte die völlig hilflose Frau gegen ihren Willen ausgezogen, sie begrapscht und heftig zu Boden gestoßen haben. Um ihren Willen zu brechen, habe er sie zunächst ins Gesicht und auf den Kopf, später dann am gesamten Körper geschlagen. Schließlich soll er sie vergewaltigt haben.

Fast vier Jahre Haft

Davon war jedenfalls das Amtsgericht überzeugt, welches Andemariam T. Ende Januar dieses Jahres zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilte. Demnach habe der Angeklagte die zahlreichen Verletzungen seines Opfers billigend in Kauf genommen. Surea A. erlitt unter anderem unzählige Hautabschürfungen und Einblutungen. „Der Angeklagte wandte eine nicht unerhebliche Gewalt an“, heißt es im erstinstanzlichen Urteil. Die Eritreerin habe auch mehrfach aufgrund heftiger Schmerzen geschrien. Als Opfer einer rituellen Genitalverstümmelung – laut der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes sind 83 Prozent der Mädchen und Frauen in Eritrea davon betroffen – soll sie besonders unter den unmittelbaren Folgen der Vergewaltigung gelitten haben. Und sie offenbarte sich auch erst Stunden später, nachdem sie mit ihrem Lebensgefährten in Nordrhein-Westfalen telefoniert hatte, dem Sicherheitsdienst der Asylunterkunft. Immerhin soll Andemariam T. sie nach Erkenntnissen der Behörden mit einer Handyaufnahme ihres Genitalbereiches erpresst haben: Wenn sie rede, werde er die Datei im Internet veröffentlichen. Der Beschuldigte löschte die Aufnahme laut Anklage jedoch, als die Frau beteuerte, über das Geschehene zu schweigen.

Angeklagter gesteht Schläge

Vor Gericht gab Verteidiger Mario Thomas eine Erklärung ab. Demnach bestreitet sein Mandant, dass es zu einer Vergewaltigung kam, räumt lediglich den Versuch sowie die Schläge ein. Der Angeklagte habe Zärtlichkeiten austauschen wollen und auf die Zurückweisung mit körperlicher Gewalt reagiert. Deshalb hatte der Beschuldigte auch Berufung gegen das Amtsgerichtsurteil eingelegt.

Der Prozess bei der 10. Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Gabriela Walburg wird am Freitag fortgesetzt.

Von Frank Döring

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