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Anklage wirft Rumänen Menschenhandel und Zwangsprostitution vor

Prozessauftakt in Leipzig Anklage wirft Rumänen Menschenhandel und Zwangsprostitution vor

Für drei rumänische Frauen endete der Wunsch auf ein besseres Leben in Deutschland in der Zwangsprostitution. Zwei Landsleute hatten sie mit scheinbar seriösen Jobs nach Leipzig gelockt um später ihre Hilflosigkeit auszunutzen.

Dumitru-Dan I. versteckt sich hinter der Anklageschrift.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Schon während dem Verlesen der Anklageschrift wird klar: Es geht weit hinunter in die menschlichen Niederungen. Dem Rumänen Dumitru-Dan I. (30) werden zum Prozessauftakt am Leipziger Landgericht insgesamt zwölf Anklagepunkte vorgeworfen, die er allein oder gemeinschaftlich mit Rebeca-Laura Z. (30) begangen haben soll. Darunter: Körperverletzung Vergewaltigung, Menschenhandel und Erpressung.

Mit seriösen Jobs in landwirtschaftlichen Betrieben sollen die Angeklagten zwischen 2014 und Anfang 2017 drei junge Frauen aus Rumänien nach Leipzig, Halle und Frankfurt am Main gelockt haben. Weil alle der deutschen Sprache nicht mächtig waren und keine eigenen finanziellen Mittel besaßen, seien die Angeklagten für die Reisekosten aufgekommen. Untergebracht wurden die Frauen dann unter anderem in Ferienwohnungen in der Neudorfgasse in Connewitz und auf der Eisenbahnstraße in Volkmarsdorf. Später sollen Rebeca-Laura Z. und Dumitru-Dan I. das Geld zurückgefordert haben – mittels Zwangsprostitution.

Als die Frauen dem Angeklagten mitteilten, dass sie nicht mehr als Prostituierte für ihn arbeiten wollen, schlug dieser sie ins Gesicht und in den Magen, stach ihnen mit einem Messer in den Oberschenkel oder drohte den Frauen an, sie aus dem Fenster zu werfen, so die Anklage. In einem Fall habe er eine Geschädigte tatsächlich aus dem ersten Stock gestoßen. Die Geschädigte habe Verletzungen an den Händen, Handgelenken und Armen erlitten, schilderte die Staatsanwaltschaft. Zudem soll der Angeklagte die Frauen auch zum Geschlechtsverkehr mit ihm gezwungen haben. Aus Angst vor weiteren Repressalien fügten sie sich Dumitru-Dan I. schließlich. Die Angeklagte soll die Frauen überwacht und an die Freier vermittelt haben, so die Staatsanwaltschaft.

Rebeca-Laura Z

Rebeca-Laura Z. soll die Freier vermittelt haben.

Quelle: André Kempner

Maximal 100 Euro sollen die Geschädigten pro Monat erhalten haben, ihre Personaldokumente mussten sie abgeben. Ein selbstständiges Leben oder eine Rückkehr nach Rumänien sei für die Frauen nicht möglich gewesen. Rebeca-Laura Z. und Dumitru-Dan I. haben die Hilflosigkeit der Frauen ausgenutzt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Beide Angeklagten lassen sich die Anklageschrift von Dolmetschern übersetzen, zeigen dabei kaum eine Regung. Auf Zeugen wird zum Prozessauftakt verzichtet, um den Angeklagten Raum für Erklärungen zu geben. Doch beide machen keine Angaben. Der Frankfurter Rechtsanwalt Sebastian Schales betont, Dumitru-Dan I. wolle sich durch Schweigen verteidigen. Insgesamt sechs weitere Verhandlungstage sind nun angesetzt. Der nächste am 19. Oktober, der letzte am 12. Dezember.

Von Mathias Schönknecht

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