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Anschläge auf Bahnanlagen: Offenbar noch kein konkreter Tatverdacht

Bundesanwaltschaft ermittelt Anschläge auf Bahnanlagen: Offenbar noch kein konkreter Tatverdacht

Gut zwei Monate nach den massiven Brandanschlägen von mutmaßlichen Linksextremisten auf Bahnanlagen, die vor allem in Leipzig für Chaos sorgten, dauern die Ermittlungen bei der Bundesanwaltschaft an – einen konkreten Tatverdacht gibt es nicht.

Reparaturen nach den Anschlägen in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

leipzig. Gut zwei Monate nach den massiven Brandanschlägen von mutmaßlichen Linksextremisten auf Bahnanlagen, die vor allem in Leipzig für Chaos sorgten, dauern die Ermittlungen an. Mittlerweile hat das auf extremistische Straftaten spezialisierte Operative Abwehrzentrum in Leipzig den Fall allerdings abgeben müssen: Die Ermittlungen zu den Leipziger Anschlägen werden, wie auch die Brandstiftungen im übrigen Bundesgebiet, nunmehr von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geführt.

Rückblick: In der Nacht zum 19. Juni verüben Unbekannte insgesamt 13 Anschläge auf Kabelschächte an Bahnanlagen. Allein in Leipzig sind vier Signalanlagen von den Zerstörungen betroffen, an Streckenabschnitten in Möckern, Leutzsch, Wiederitzsch und Paunsdorf. Rings um Leipzig geht in den Morgenstunden unter anderem auf den S-Bahn-Linien S 3, S 4, S 5, S 5X sowie im Regionalverkehr von Leipzig nach Dresden und im Fernverkehr nach Frankfurt, Köln und Emden nichts mehr. Auf dem Hauptbahnhof bilden sich lange Schlangen an den Informationsschaltern. Zudem sind Ausfälle an Datenübertragungsleitungen zu beklagen. Gestört sind etwa das Vodafone- und das Primacom-Netz. Im Festnetz und beim Mobilfunk sind Einschränkungen in Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen festzustellen. Etwa 14 000 Haushalte und einige Ge­schäftskunden können weder telefonieren noch das Internet nutzen.

Vor allem diese massiven Auswirkungen auf den Bahn- und Telekommunikationsverkehr bewogen die Bundesanwaltschaft den Fall an sich zu ziehen. Zumal, wie berichtet, nicht nur die Region Leipzig im Fokus der Täter stand. „Betroffen waren Ballungsräume im Norden, Westen und Osten des Bundesgebietes“, so die Ermittlungsbehörde, neben Leipzig vor allem Dresden, Chemnitz sowie Köln, Hamburg und Berlin. „Bundesweit fielen durch die Anschläge 374 Züge vollständig und weitere 520 Züge teilweise aus„, so die Bundesanwaltschaft. „Es kam zu Verspätungen von insgesamt fast 40 000 Minuten, von denen mehrere Millionen Reisende betroffen waren.“ Der Gesamtschaden liege im sechsstelligen Bereich.

In Leipzig waren damals an den Tatorten Spuren gesichert und Zeugen befragt worden. Alle bereits vorhandenen Erkenntnisse liegen nun den Ermittlern in Karsruhe vor. Dort läuft ein Verfahren wegen des Verdachts der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der Brandstiftung, der Störung öffentlicher Betriebe und der Störung von Telekommunikationsanlagen. Dass Linksextremisten hinter der Anschlagserie kurz vor dem G20-Gipfel stecken, legt ein Bekennerschreiben nahe, welches auf dem linken Szeneportal Indymedia gepostet wurde: „Wir unterbrechen die alles umfassende wirtschaftliche Verwertung“, so die anonymen Autoren. „Wir greifen ein in eines der zentralen Nervensysteme des Kapitalismus: mehrere Zehntausend Kilometer Bahnstrecke. Hier fließen Waren, Arbeitskräfte, insbesondere Daten.“

Doch einen konkreten Tatverdacht haben die Behörden bislang offenbar nicht. „Es gibt noch keinen neuen Stand, den wir mitteilen können“, so ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf LVZ-Anfrage, „das Ermittlungsverfahren dauert an."

Von Frank Döring

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