Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Anschlag auf Leipziger Wohnung von Justizminister Gemkow

Steine und Buttersäure Anschlag auf Leipziger Wohnung von Justizminister Gemkow

Auf die Wohnung des Sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow (CDU) ist in der Nacht zum Dienstag ein Anschlag verübt worden. Unbekannte warfen gegen 2.15 Uhr Pflastersteine in die Wohnung, zudem sei Buttersäure vergossen worden.

Leipzig. Auf die Wohnung des Sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow (CDU) in der Leipziger Südvorstadt ist in der Nacht zum Dienstag ein Anschlag verübt worden. Das sagte ein Sprecher der Polizei gegenüber LVZ.de. Die unbekannten Täter warfen um 2.15 Uhr mehrere Pflastersteine gegen zwei Fenster der Wohnung an der August-Bebel-Straße. Scheiben gingen zu Bruch. Die Angreifer versuchten nun, Buttersäure in das Innere zu werfen. „Dies gelang nicht vollständig, so dass die Buttersäure an den Fensterscheiben und an der Fassade herunterlief“, so die Ermittler.

Der 37-jährige Politiker und seine Familie schliefen laut Polizei zum Zeitpunkt der Attacke in der Wohnung, wurden aber nicht verletzt. Mehrere Zeugen, die Geräusche gehört hatten, alarmierten die Beamten, hieß es weiter.

Auf die Wohnung des Sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow (CDU) ist in der Nacht zum Dienstag ein Anschlag verübt worden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei warfen Unbekannte gegen 2.15 Uhr Pflastersteine in die Wohnung, zudem sei Buttersäure vergossen worden.

Zur Bildergalerie

Experten der Polizei haben ihre Ermittlungen noch in der Nacht aufgenommen. Inzwischen wurde auch das auf politisch motivierte Straftaten spezialisierte Operative Abwehrzentrum (OAZ) hinzugezogen, hieß es am Dienstag aus dem Innenministerium. Details zu den Hintergründen der Tat sind bisher noch unklar. Auch ein Bekennerschreiben existiert derzeit nicht.

Sebastian Gemkow selbst gab am Morgen eine kurze schriftliche Stellungnahme ab: „Das ist ein Angriff auf den Rechtsstaat als Ganzes. Der Rechtsstaat wird aber längeren Atem haben als diejenigen, die ihn bekämpfen“, erklärte Sachsens Justizminister am Vormittag in Richtung der Angreifer.

Leipzig Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verurteilte die Tat nicht nur als einen Anschlag auf den Rechtsstaat, sondern auch als Attacke auf die Privatsphäre des Ministers und auf seine Familie. „Zu Herrn Gemkow und seiner Familie stehe ich in ungeteilter Solidarität. Der Weg von Hetze, Hass und Gewaltaufrufen in der öffentlichen Debatte und den sozialen Netzen hin zur Tat ist ein sehr kurzer, das wird hier deutlich. Dieser Angriff ist auch Ergebnis einer vergifteten, verrohten politischen Kultur und öffentlichen Auseinandersetzung“, sagte Jung.

Ulbig: Werden alle Möglichkeiten zur Aufklärung ausschöpfen

Innenminister Markus Ulbig (CDU) kündigte am Rande einer gemeinsamen Kabinettssitzung der Regierungen Sachsens und Sachsen-Anhalts in Merseburg an: „Wir werden all unsere rechtsstaatlichen Möglichkeiten entschlossen ausschöpfen, um diesen Gewaltakt zügig aufzuklären.“ Dass solche Anfeindungen nun sogar bis zu den Familien der Verantwortungsträger vordringen, zeige die gesunkene Hemmschwelle der Kriminellen, so Ulbig am Dienstag. Christian Hartmann, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, nannte die Tat „ekelerregend, abstoßend und an krimineller Energie kaum mehr zu überbieten“. Obwohl die rote Linie mit zahlreichen Angriffen auf Abgeordnetenbüros längst überschritten sei, habe der Anschlag auf die Privatwohnung der Familie des Ministers eine neue Qualität.

Auch die anderen Fraktionen im Sächsichen Landtag äußerten sich geschockt: Für Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt verdient der Anschlag nur eine Antwort: „Verachtung, Verfolgung und Verurteilung“. Wer Verletzungen von Familienangehörigen politisch Verantwortlicher in Kauf nehme, „ist so durchgeknallt, dass er mit allen rechtsstaatlichen Mitteln schnellstmöglich entschärft werden muss“. SPD-Fraktionschef Dirk Panter nannte den Anschlag „zutiefst menschenverachtend“. Seine Fraktion sei nicht nur bestürzt und entsetzt. „Wir sind auch entschlossen: Wir werden uns als Demokraten durch solche Angriffe nicht einschüchtern lassen.“

Gemkow seit 2009 im Landtag – Engagement für Flüchtlinge

Sebastian Gemkow wurde 1978 in Leipzig geboren, hat unter anderem in der Messestadt Jura studiert. Seit 2006 betreibt er eine Anwaltskanzlei in Leipzig. 2009 wurde der damals 31-Jährige erstmals als CDU-Direktkandidat in den sächsischen Landtag gewählt, arbeitete dort fünf Jahre lang unter anderem im Ausschuss für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien.

Seit 2014 gehört Gemkow als Justizminsiter der Landesregierung von Stanislaw Tillich (CDU) an. Nach den sich häufenden Anschlägen auf Asylbewerberheime in Sachsen trat der Leipziger Anfang Oktober 2015 einer Task Force gegen politisch motivierte Gewalttäter im Rahmen der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (Ines) bei. Zuletzt hatte sich Gemkow auch persönlich für die Flüchtlingshilfe auf der griechischen Insel Lesbos engagiert.

Matthias Puppe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr