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Auto-Diebstahl: Soko Kfz ermittelt 361 Tatverdächtige in Sachsen

Auto-Diebstahl: Soko Kfz ermittelt 361 Tatverdächtige in Sachsen

Jeden Tag verschwinden in Sachsen mehr als neun Autos, die meisten auf Nimmerwiedersehen. Etwa 80 Prozent werden ins Ausland verschoben - komplett oder zerlegt. Seit 1. November 2013 jagt die Soko Kfz des Landeskriminalamtes (LKA) die internationalen Diebesbanden.

Leipzig. Der Leipziger Volkszeitung liegt jetzt die erste Bilanz dieser neuen Sonderermittler vor.

So konnte die Soko, die mit 54 Spezialisten startete, bis Ende Juni 2014 bereits 777 Strafverfahren abschließen, 261 sind nach LKA-Angaben aktuell in Bearbeitung. Zu 306 Verfahren konnten bisher 361 Tatverdächtige ermittelt werden. Die Fahnder stellten 109 gestohlene Autos sicher, nahmen 69 Pkw-Diebe fest. Gegen weitere 43 Täter wurden Haftbefehle erlassen. Und: Seit Gründung der Soko wurden sechs Autoschieber zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Bandenstrukturen im Visier

Weil es sich bei dem Kriminalitätsphänomen der Kfz-Verschiebung um organisierte Banden handelt, die sich nicht auf bestimmte Regionen konzentrieren, sondern sachsenweit und auch deutschlandweit agieren, hat sich auch die Soko aufgeteilt. Neben der Zentrale beim Landeskriminalamt gibt es aus diesem Grund sogenannte Regionale Ermittlungsabschnitte (REA) in allen fünf Polizeidirektionen. Im REA Leipzig arbeiten nach Angaben des LKA gegenwärtig acht Kriminalisten, die auf dem Gebiet der Ermittlungen bei Kfz-Diebstählen spezialisiert sind.

"Durch eine Konzentration der Ermittlungen und eine landesweite Koordinierung der Fahndung konnten positive Effekte erzielt werden", stellt das LKA nun fest. "Eine wirksame und dauerhafte Bekämpfung der internationalen Kfz-Verschiebung ist nur durch die Ermittlung von Bandenstrukturen erreichbar." Dafür sei ein langer Atem nötig. "Die Arbeit der Soko Kfz ist darauf ausgerichtet, nachhaltige Erfolge zu erzielen", erklärte Behördensprecherin Kathlen Zink. Große Bedeutung habe somit auch die polizeiliche Zusammenarbeit im In- und Ausland.

Denn den überwiegenden Teil der in Sachsen geklauten Fahrzeuge verschieben professionell organisierte Banden über die Landesgrenzen, insbesondere nach Polen und Tschechien. Ermittler gehen davon aus, dass gerade hochwertige Fahrzeuge, die nach etwa einer Woche nicht wiedergefunden werden, auf Schwarzmärkten im Ausland angeboten werden. Speziell in Leipzig ist es nach Erkenntnissen des LKA jedoch auch so, dass einige Fahrzeuge im Zusammenhang mit anderen kriminellen Umtrieben entwendet werden - etwa von Jugendlichen, die ohne Führerschein eine Spritztour machen wollen.

Für betroffene Autobesitzer besteht somit eine winzige Hoffnung, dass sie ihre Wagen wiedersehen. Denn in der Messestadt, einer Hochburg des Autoklaus, werden mehr Pkw wiedergefunden, als sonst irgendwo im Freistaat. Von den gut 50 gestohlenen Fahrzeugen, die seit Jahresbeginn in Sachsen sichergestellt wurden, fanden sich 40 allein in Leipzig und den angrenzenden Gemeinden.

2014 schon 1500 Autos gestohlen

Verglichen mit der Zahl der gestohlenen Pkw ist das allerdings verschwindend gering: Reichlich 1500 Kraftwagen kamen von Januar bis August 2014 im Freistaat abhanden, in Leipzig waren es über 300. Aktuell bevorzugen Diebe in der Pleißestadt übrigens Modelle von VW, Skoda, BMW sowie Audi. Erste Aussagen zur Aufklärungsquote seien jedoch erst mit der nächsten polizeilichen Kriminalstatistik Anfang nächsten Jahres möglich, so LKA-Sprecherin Zink. Dafür würden die von der Staatsanwaltschaft abschließend bearbeiteten Fälle gewertet.

Einen hundertprozentigen Schutz gegen die hochspezialisierten Diebesbanden gibt es nicht. Sie knacken Schlösser mit einem Kfz-Kraftschlüssel, der umgangssprachlich als "Polenschlüssel" bekannt ist. Sie deaktivieren elektronische Wegfahrsperren mit Laptop oder einem Spezialgerät namens Drive Box. Sie blockieren per Störsignal das Verschließen des Autos per Fernbedienung, ohne dass der Besitzer etwas merkt. Und sie stehlen bei Wohnungseinbrüchen oder in Gaststätten die Originalschlüssel ihrer Opfer. Allerdings ist dieses sogenannte Homejacking nach Angaben des LKA in Sachsen noch nicht so verbreitet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.09.2014

Frank Döring

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