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Polizeiticker Leipzig Autonome nennen Motive und drohen mit weiteren Krawallen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Autonome nennen Motive und drohen mit weiteren Krawallen
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13:53 17.06.2015
Am 5. Juni zogen Randalierer vom Johannapark in Richtung City. Jetzt nannten sie im Internet ihre Motive und drohten mit weiteren Krawallen in Leipzig. Quelle: Indymedia
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Leipzig

Es geht um Kritik an Hartz IV und Polizeigewalt, um die Abschiebung von Asylbewerbern und Mietpreiserhöhungen: Mehr als zwei Seiten lang ist der anonyme Bekennerbrief, der am Montag auf der Internetplattform linksunten.indymedia.org eingestellt wurde. Darin äußern sich die mutmaßlichen Randalierer zehn Tage nach den Ausschreitungen „zum Krawall am 5. Juni“, wie ihr Eintrag überschrieben ist, und kündigen zugleich weitere Taten an.

In ihrem offenen Brief wenden sich die Krawallmacher direkt „an Leipzigs OB Jung, Bullenchefchen Merbitz, den Stadtrat, die Bullen, den Verfassungsschutz, all die Möchtegernexpert_innen, die Staatsanwaltschaft, die Gerichte, die Parteien von rechts bis links“. Sie stellen zunächst klar, dass nicht das Stadtfest ihr Ziel war, wie zunächst vermutet wurde: „Wir hatten nie vor, das Stadtfest zu besuchen“, heißt es. „Unser Ziel wart ihr. Und nur ihr.“

„Gewalt beginnt mit eurer Politik“

In dem Online-Forum legen die mutmaßlichen Linksextremisten erstmals detailliert ihre Beweggründe dafür dar, warum sie vom Johannapark aus randalierend Richtung City zogen, Steine und Molotowcocktails warfen und dabei auch Polizisten verletzten. „Ihr wisst selbst um jede Schweinerei, für die ihr die Verantwortung tragt, ihr wisst um jede Entscheidung, die ihr getroffen habt, ihr wisst, warum ihr sie getroffen habt, und ihr wisst, warum wir sie scheiße finden“, schreiben die anonymen Verfasser. „Die Gewalt beginnt nicht mit uns, sie beginnt bei euch und eurer Politik“, behaupten sie.

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100 vermummte Randalierer haben am Freitagabend das Bundesverwaltungsgericht und weitere Einrichtungen in der Leipziger Innenstadt angegriffen. Noch am Samstagmorgen waren die Experten der Polizei mit der Spurensicherung befasst.

Sie machen ihre Gesellschaftskritik auch an konkreten Beispielen fest: „Eure Gewalt ist so leise, wie das Einwerfen eines Briefes, der an einen Hartz4 Bezieher geschickt wird, in dem ihm wieder einmal seine Leistungen gekürzt oder ganz verweigert werden“, heißt es zum Beispiel. Und weiter: „Eure Gewalt ist so heimlich, wie die Bullen, die früh morgens kommen, um jemanden, der aus welchem Grund auch immer nach hier geflohen ist, abzuholen und abzuschieben.“

Auch die Gentrifizierungs-Debatte muss als Grund für die Zerstörungswut herhalten. „Eure Gewalt ist so alltäglich, wie das Steigen der Mieten, die es immer schwieriger machen, bezahlbaren und guten Wohnraum zu finden“, kritisieren die Steinewerfer. „Ihr unterstützt den Umbau der ‚schicken’ Stadtviertel, unterstützt die sogenannte Aufwertung, die nichts anderes ist als die Verdrängung der ärmeren Menschen in Gegenden, in denen weder ihr noch sonst jemand leben will.“

Soko Johannapark wertet Schreiben aus

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Die Polizei ordnet den Text eindeutig als Bekennerschreiben ein, wie Sprecher Andreas Loepki am Dienstag auf Anfrage von LVZ.de sagte. Das lasse bereits die „Formulierungsform“ erkennen. „Wir haben das Schreiben zur Kenntnis genommen und lassen es in die Arbeit der Soko ‚Johannapark’ einfließen“, kündigte Loepki an. Die Polizei sieht den Brief in einer Reihe mit anderen Veröffentlichungen, die bereits in den letzten Wochen auf dem Portal erschienen sind. Unter anderem waren auch Fotos von den Krawallen bei Indymedia aufgetaucht, die die Randalierer offenbar selbst ins Netz gestellt hatten.

„Unsere Gewalt ist grob, sie ist laut, sie kommt mit Feuer und Rauch, mit Krawall und Zerstörung“, schreiben die Randalierer und drohen einen „Aufstand“ sowie weitere Krawallakte an. „Wir jedenfalls können euch versichern: Wir waren nicht alle. Und wir hoffen, dass wir beim nächsten Mal mehr sein werden.“ Die Polizei nimmt die Aussagen ernst, sieht jedoch keinen Grund, die öffentliche Präsenz zu erhöhen. „Die Aufmerksamkeit ist ohnehin erhöht“, so Loepki, „dafür hat es nicht diesen Brief gebraucht.“

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