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Polizeiticker Leipzig Baby fast getötet – Staatsanwalt will sechs Jahre Haft
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Baby fast getötet – Staatsanwalt will sechs Jahre Haft
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19:33 26.04.2018
Der Angeklagte Sascha S., der nicht erkannt werden will, mit seinem Verteidiger Christian Avenarius am Landgericht Leipzig. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Im Prozess um schwerste Misshandlungen eines drei Monate alten Babys in Leipzig-Grünau hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag sechs Jahre Haft für den Vater gefordert. Ex-Soldat Sascha S. (28) habe seinem kleinen Sohn am 8. August 2016 in der Familienwohnung in der Ringstraße massiv Gewalt angetan, sagte Staatsanwalt Michael Höhle am Landgericht.

„Fünf Sekunden reichten, um ein Leben zu zerstören.“ In dieser Zeit habe der Angeklagte das Kind heftig geschüttelt und Gewalt gegen dessen Kopf ausgeübt, den Kopf womöglich gegen einen harten Gegenstand wie etwa einen Türrahmen geschlagen. „Was der Auslöser dafür war, konnte in der Hauptverhandlung aber nicht geklärt werden“, so Höhle.

Keine Besserung in Sicht

Der Säugling befand sich in Todesgefahr. Er erlitt schwerste irreparable Hirnverletzungen, eine Schädelfraktur und Rippenbrüche. Die Folgen sind dramatisch: Der nun knapp Zweijährige befindet sich in einem wachkomaähnlichen Zustand, wird künstlich ernährt, teils auch künstlich beatmet, ist blind. „Eine mögliche Besserung ist überhaupt nicht in Aussicht“, sagte der Staatsanwalt.

Der Angeklagte hatte zum Auftakt des Prozesses am 14. März Misshandlungen eingeräumt. Ihm fehle aber die Erinnerung. Aufgrund der Gesamtkonstellation könne jedoch nur er es gewesen sein, hieß es in der von Verteidiger Christian Avenarius vorgetragenen Erklärung. Die Mutter war damals zu Terminen unterwegs.

Avenarius plädierte am Donnerstag für nicht mehr als vier Jahre Freiheitsentzug. Eine gefühllose Gesinnung sei nicht symptomatisch für seinen Mandanten, der eher „ein zurückgezogener, verschlossener Mensch“ sei. Das Handeln gegenüber dem Sohn entspreche nicht der Persönlichkeit des Angeklagten, der zur Tatzeit von Hartz IV lebte und von der Mutter des Jungen getrennt ist. Sascha S. erkenne an, für den Schaden haften zu müssen, „auch wenn er jetzt kein Geld hat“.

Landgericht urteilt am 4. Mai

Die Intensivbetreuung des schwerbehinderten Kindes kostet jeden Monat 14 500 Euro. Anwalt Robert Oeltz, der die Interessen des knapp Zweijährigen vor Gericht vertritt, hatte zuvor Anträge auf Schadenersatz sowie 150 000 Euro Schmerzensgeld gestellt.

Dem Leipziger Jugendamt zufolge hat die Mutter letztmals vor einem Jahr ihren Sohn besucht. „Seither kam keine Anfrage, wie es dem Jungen geht – weder vom Vater noch von der Mutter“, sagte eine Mitarbeiterin am Donnerstag im Landgericht. Die 5. Strafkammer will am 4. Mai ihr Urteil verkünden.

Von Sabine Kreuz

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