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Behörden verteidigen Freilassung von Leipziger Hells-Angels-Chef

Fahndung nach Marcus Matz Behörden verteidigen Freilassung von Leipziger Hells-Angels-Chef

Mit europaweitem Haftbefehl sucht die Polizei nach dem ehemaligen Chef der Leipziger Hells Angels, Marcus Matz. Die Behörden verteidigen die Freilassung des 34-Jährigen nach der Schießerei auf der Eisenbahnstraße im Sommer – und weisen Pannen-Vorwürfe zurück.

Der frühere Chef der Leipziger Hells Angels, Marcus Matz (r.), wird durch die Behörden im Zusammenhang mit einer Schießerei im Leipziger Osten gesucht.

Quelle: dpa/LKA Sachsen

Leipzig. Er saß im vergangenen Sommer für zwei Wochen in Haft, kam wieder auf freien Fuß und wird nun mit europaweitem Haftbefehl gesucht. Ist die Fahndung nach Marcus Matz, dem ehemaligen Chef der Leipziger Hells Angels, eine Verkettung von Pannen? Am Montag konnten weder die Staatsanwaltschaft Leipzig noch das sächsische Landeskriminalamt (LKA) eine plausible Begründung dafür präsentieren, wie der Rocker-Boss vom Radar verschwand. Zwei von vielen Fragen: Warum kam der 34-Jährige auf freien Fuß und konnte danach untertauchen, obwohl seit der tödlichen Schießerei auf der Eisenbahnstraße im Juni weiterhin wegen gemeinschaftlichen Mordes gegen ihn ermittelt wurde?

Die Behörden weisen Vorwürfe vehement zurück, dass den Kriminalisten der gemeinsamen Ermittlungsgruppe von LKA und Leipziger Polizei Fehler unterliefen. Die Ermittlungen in dem Fall seien mühsame Puzzlearbeit – und die Rocker-Szene verschwiegen. „Im Ergebnis der zwischenzeitlich durchgeführten weiteren Ermittlungen konnten nunmehr neue Erkenntnisse gewonnen werden, welche einen dringenden Tatverdacht gegen den Gesuchten begründen“, erklärte Staatsanwältin Jana Friedrich den im November erlassenen Haftbefehl. Zu Details wollte sie sich mit Verweis auf „ermittlungstaktische Gründe“ nicht äußern.

Insider: „Matz könnte Druck von oben bekommen“

Ein LKA-Sprecher räumte zumindest ein: „Es ist nicht so, dass so etwas einen Kriminalisten nicht ärgert.“ Die Ermittler seien jedoch an Recht und Gesetz gebunden. „Hätten wir zum damaligen Zeitpunkt die jetzigen Erkenntnisse gehabt, hätten wir ihn sicher nicht freigelassen.“ Auch bei der Öffentlichkeitsfahndung nach Matz lief jedoch nicht alles glatt. Bereits zwischen Weihnachten und Silvester veröffentlichte das LKA den Suchaufruf mit drei Fotos auf seiner Internetseite – aber ohne die Medien und damit eine breite Öffentlichkeit zu informieren. Somit verstrich wertvolle Zeit.

Das Landeskriminalamt (LKA) sucht per Öffentlichkeitsfahndung nach dem ehemaligen "Hells-Angels"-Chef Marcus Matz.

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Insider gehen davon aus, dass die Fahndung nach Matz Bewegung in die Szene bringt. Höhere Führungsgremien der Hells Angels könnten Druck auf den Leipziger ausüben, wird spekuliert. „Es kann gut sein, dass er von oben die Order bekommt, sich zu stellen“, sagte ein Kenner des Milieus gegenüber LVZ.de. „Wenn er schlau ist, wird er das dann auch machen.“ Andernfalls könnten ihm intern Konsequenzen drohen, gegenüber denen eine mögliche Haftstrafe das „kleinere Übel“ wäre.

Behörden machten Banden-Boss keine Meldeauflagen

Wo sich der möglicherweise bewaffnete 34-Jährige inzwischen aufhält, ist unklar. Das LKA vermutet, dass er sich ins Ausland abgesetzt haben könnte. Nach der Freilassung im vergangenen Jahr hatte es jedenfalls keinerlei Meldeauflagen für Matz gegeben. Dies sei nach der Aufhebung eines Haftbefehls nicht vorgesehen, erklärte Staatsanwältin Friedrich. Wo und wann zuletzt Kontakt zu Matz oder seinem Anwalt bestand, teilte sie auch auf Nachfrage nicht mit.

Die Vorwürfe gegen den Boss des inzwischen aufgelösten Leipziger Hells-Angels-Chapters wiegen schwer. Matz soll am 25. Juni 2016 auf der Leipziger Eisenbahnstraße an den tödlichen Schüssen auf den 27-jährigen United-Tribuns-Anwärter Veysel A. direkt beteiligt gewesen sein. Ob er selber schoss oder den Auftrag dazu gab, ist jedoch unklar.

Zwei Tage nach der Tat hatte sich Matz den Behörden gestellt. Diese hatten Haftbefehl erlassen, ihn später jedoch wegen nicht mehr ausreichenden Tatverdachts fallengelassen. Nach wie vor in Untersuchungshaft sitzt der 30-jährige Hells Angel Stefan S., dem ebenfalls gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen wird. Der Kreis der Tatverdächtigen ist jedoch weitaus größer. Im Fadenkreuz stehen insgesamt 16 Beschuldigte – 14 Hells Angels und zwei United Tribuns, informierte Staatsanwältin Friedrich. Gegen sie werde unter anderem wegen gemeinschaftlichem Landfriedensbruch ermittelt. Eine Anklage steht in allen Fällen noch aus.

nöß

Hinweise auf den Aufenthaltsort von Macus Matz nimmt das Landeskriminalamt Sachsen, Regionalstelle Leipzig, Schongauerstraße 13, Telefon 0800 855 2055, E-Mail lka@polizei.sachsen.de oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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