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Benutzte der Killer eine Teleskopstange?

Fahrstuhl-Mord Benutzte der Killer eine Teleskopstange?

Im spektakulären Prozess um den "Fahrstuhl-Mord" vom September 2013 gibt es eine neue Spur. Möglicherweise hat der mutmaßliche Täter eine Teleskopstange benutzt, um die Türen zum Schacht offen zu halten.

Der Angeklagte (links) zum Prozessauftakt.

Quelle: dpa

Leipzig. Löst eine Teleskopstange das Rätsel um dem Fahrstuhl-Mord am 16. September 2013 in einem 16-Geschosser in der Stuttgarter Allee? Am dritten Prozesstag gegen den mutmaßlichen Täter Sebastian T. (30) widmete sich die Schwurgerichtskammer intensiv der in dem Wohnblock installierten Aufzugstechnik und einem möglichen Modus operandi. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte unter dem Vorwand, in dem Fahrstuhlschacht seien weitere Drogen zu finden, seinen berauschten Kumpel Adriano H. (22) dorthin lockte und von der 14. Etage hinunterstieß.

Gestern wurde bekannt: Erst am 30. Januar dieses Jahres untersuchte die Mordkommission in dem Hochhaus, wie sich das Verbrechen womöglich abgespielt hat. Demnach könnte der Täter die Tür zum Aufzugsschacht in der 14. Etage geöffnet haben, als sich die Kabine im Erdgeschoss befand. Möglich ist dies ausschließlich mit einem speziellen Dreikant-Schlüssel, erklärte gestern ein Wartungsmonteur vor Gericht. "Aber so etwas bekommt man in jedem Baumarkt." Ein Problem musste der Killer jedoch lösen: Die Türen zum Schacht schließen sofort wieder. Denn eine Lichtleiste, die man unterbrechen muss, um den Schließmechanismus zu blockieren, existiert nur direkt an der Kabine des Aufzugs. Die Mordermittler versuchten deshalb, mit einer Teleskopstange die Tür zu blockieren. "Das hat funktioniert", so der Aufzugsmonteur, der bei der Tatortbegehung im Januar dabei war. Das System meldet in solchen Fällen "Verriegelungsprobleme", legt den Aufzug still, die Kabine bewegt sich keinen Meter.

Die Leiche von Adriano H. war auf der Kabine gefunden worden. Dort befindet sich auch ein Knopf für "Nothalt". Dieser diene zur Sicherheit der Monteure, so der Fachmann. Zeugenaussagen zufolge befand sich der Tote direkt auf diesem Not-Knopf. Beim Aufprall wurde der Schalter wohl ausgelöst, wodurch das System die entsprechende Information erhielt. Eine vorherige Fehlermeldung zu der nicht verriegelten Tür wurde auf diese Weise überschrieben. Zwar verfügt der Fehlerspeicher des Aufzugs auch über ein Verlaufsprotokoll, so der Wartungstechniker. Doch dies sei längst gelöscht. Das Gericht kann somit anhand des Fehlerspeichers im Fahrstuhl nicht mehr feststellen, ob der Täter tatsächlich die Tür blockiert hat. Als die Leiche entdeckt wurde, waren nach Angaben des Technikers alle Türen zum Schacht geschlossen.

Somit bleiben auch andere Möglichkeiten, wie Adriano H. in den Schacht gelangt sein könnte. Schon zuvor seien immer wieder Unbefugte hier herumgeklettert, so der Monteur. Viele Aufzugsschächte in Grünauer Hochhäusern seien voller Graffiti. "Das ist wohl eine Art Mutprobe, so wie S-Bahn-Surfen", erklärte der Techniker.

Der Indizienprozess gegen Sebastian T. ist noch bis Anfang 2016 geplant. Bislang bestreitet er die Tatvorwürfe. Neben dem Fahrstuhl-Mord wird ihm vorgeworfen, einen weiteren Bekannten in der Nacht zum 11. September 2013 auf Bahngleise gelegt haben. Der 20-Jährige wurde von einem Zug erfasst, überlebte aber (die LVZ berichtete).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.08.2015

Leipzig, Landgericht 51.333586 12.371381
Leipzig, Landgericht
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