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Betrug mit Autokrediten – Leipziger Bande kassiert halbe Million Euro

Prozess am Landgericht Betrug mit Autokrediten – Leipziger Bande kassiert halbe Million Euro

Sie fälschten Einkommensnachweise und drehten an Tachometern: Betrüger haben im großen Stil Banken abgezockt und sich Kfz-Darlehen erschlichen. Der mutmaßliche Drahtzieher des Firmengeflechts steht seit Donnerstag in Leipzig vor Gericht.

Der Angeklagte David T. (rechts) mit seinem Verteidiger Andreas Meschkat.

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Manipulierte Tachometer, gefälschte Einkommensnachweise, geklaute Autos: Mit betrügerischen Geschäften im Gebrauchtwagenhandel hat eine Leipziger Bande fast eine halbe Million Euro Schaden angerichtet. Am Donnerstag begann am Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher.

Nahezu eine Stunde lang dauerte das Verlesen der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft wirft David T. (37) unter anderem gewerbsmäßigen Bandenbetrug in 21 Fällen vor. Er soll über die Gesamtorganisation jenes Geflechts von Firmen geboten haben, das im Zeitraum zwischen 19. Mai 2011 und 9. Juli 2013 bei Banken Geld ergaunert hat.

Dabei ließen die Täter nach Erkenntnissen der Anklagebehörde kaum einen Trick aus. Sie manipulierten die Fahrzeugidentifikationsnummer, dass diese zu einem typgleichen, aber fahndungsfreien Auto passte. Im Januar 2013 gelang es den Tätern beispielsweise, ein Darlehen für einen zuvor gestohlenen Mercedes zu besorgen. Das Geld der Bank floss laut Staatsanwaltschaft auf das Konto eines vom Angeklagten beherrschten Gebrauchtwagenhandels in der Riesaer Straße. Auch ein Polizeibeamter soll mitgemischt haben, ließ der Anklage zufolge Infos aus internen Auskunftssystemen der Behörde durchsickern.

Es ging sogar so weit, dass nicht nur für geklaute Autos Bankdarlehen beschafft wurden, sondern auch für Wagen, die es de facto gar nicht mehr gab. So sind Fälle aktenkundig, bei denen Banken derart getäuscht wurden, dass sie auch für den Erwerb von Pkw, die komplett ausgebrannt waren, Darlehen gewährten. „Eine tatsächliche Existenz des finanzierten Fahrzeugs konnte nicht ermittelt werden“, heißt es in der Anklage nicht nur einmal.

David. T. soll zudem einen Spezialisten beauftragt haben, Tachometer zurückzudrehen, um die tatsächliche Motorleistung zu verschleiern. Aus einem altgedienten VW Passat mit über 200 000 Kilometern auf dem Tacho wurde so ein guter Gebrauchter mit knapp 70 000 Kilometern Laufleistung.

Als vermeintliche Darlehensnehmer für die Finanzierung des Autokaufs fungierten Mittäter des Angeklagten. Für sie wurden Lohnbescheinigungen gefälscht. Angestellt waren sie angeblich bei dubiosen Gesellschaften innerhalb des mutmaßlich betrügerischen Firmengeflechts. Spielten Bürgen eine Rolle, wurden auch schon mal deren Geburtsdaten gefälscht, damit eine Abfrage bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa keine bösen Überraschungen bringt.

In allen 21 Betrugsfällen sei eine Rückzahlung der Darlehen von vornherein nicht beabsichtigt gewesen, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Das Geld habe der Angeklagte für sich vereinnahmt. Durch die massiven Betrügereien entstand innerhalb von mehr als zwei Jahren ein Gesamtschaden von exakt 472 918, 23 Euro.

David T. hat sich bisher nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Am ersten Prozesstag vor dem Landgericht stand zunächst lediglich die Verlesung der Anklageschrift auf dem Programm. Die 11. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Karsten Nickel hat für die Hauptverhandlung vorerst elf Termine bis Anfang November geplant.

 

Von Frank Döring

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