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Bewährungsstrafe für Serienzündler von Leipzig-Holzhausen

Entscheidung am Amtsgericht Bewährungsstrafe für Serienzündler von Leipzig-Holzhausen

Fünf Monate saß er in Untersuchungshaft, doch am Ende kam er mit einer Bewährungsstrafe davon: Feuerwehrmann Marco S. (18), der in Holzhausen eine Serie von Bränden legte, ist gestern am Amtsgericht zu einer Jugendstrafe verurteilt worden.

Der Prozess am Amtsgericht gegen den Zündler von Holzhausen endete mit einer Bewährungsstrafe.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Fünf Monate saß er in Untersuchungshaft, doch am Ende kam er mit einer Bewährungsstrafe davon: Feuerwehrmann Marco S. (18), der in Holzhausen eine Serie von Bränden legte, ist gestern am Amtsgericht zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Amtsrichterin Irmgard Seitz setzte die Haftstrafe zur Bewährung aus. „Das ist eine Chance, die Ihnen gegeben wird“, mahnte sie den Angeklagten, „eine zweite gibt es nicht.“

Ursprünglich hatten Ermittler dem Tatkomplex 35 Brandstiftungen zugerechnet. Nur vier kamen mangels Beweisen zur Anklage, drei Fälle räumte der Angeklagte gestern im Prozess ein: Am 9. März kurz nach Mitternacht legte er ein Feuer in einer Baumschule in der Liebertwolkwitzer Straße – Schaden: 16 275 Euro. Am 9. Juni gegen 23.30 Uhr zündelte er in einem Eselgehege in der Stötteritzer Landstraße – Schaden: etwa 5000 Euro. Am 17. Juni gegen 0.15 Uhr ließ er einen Holzschuppen am Walter-Markov-Ring in Flammen aufgehen, durch die Hitze zersprangen in einem zehn Meter entfernten Wohnhaus neun Fenster – Gesamtschaden: knapp 8000 Euro. Eine Brandstiftung am 24. März in der Arthur-Polenz-Straße mit einem Schaden von 1800 Euro leugnete Marco S. „Für die anderen Taten schämt er sich zutiefst“, sagte Verteidiger Matthias Luderer, „aber das war er nicht.“ Weil dieser Fall für das spätere Strafmaß ohnehin nur wenig Relevanz besaß, stellte das Gericht das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein.

Bemerkenswert ist: Alle Taten ereigneten sich unmittelbar nach den wöchentlichen Schulungsabenden der Freiwilligen Feuerwehr. Ganz so, als ob Marco S., dessen zerstrittene Eltern sich scheiden ließen, die gemeinsame Zeit mit seiner Ersatzfamilie, den Kameraden der Wehr, verlängern wollte. Denn nach der Anwesenheitsliste, die Wehrleiter Uwe Mühl (35) gestern vor Gericht ausbreitete, war der Angeklagte bei allen nächtlichen Einsätzen dabei. „Er war unauffällig, freundlich und hilfsbereit“, so Mühl.

Außerhalb der Feuerwehr vermochte der Teenager wenig mit seinem Leben anzufangen. Zwei Berufsausbildungen brach er ab. Einmal musste ihn sogar sein leiblicher Vater aus seiner Firma feuern. „Mangelnde Anstrengungsbereitschaft“ attestierte der forensische Psychiater Matthias Lammel dem Angeklagten. Als Motive für die Taten nannte er Langeweile, Frust, und Selbstwertdefizite. Pyromanie komme nach Angaben der Jugendgerichtshilfe nicht im Betracht.

Ohne Geständnis hätte sie eine Haftstrafe ohne Bewährung gefordert, stellte Staatsanwältin Karin Schultrich klar. „Brandstiftung ist etwas, wogegen man sich nicht wehren kann“, sagte sie. „Die Sachen sind unwiderruflich verloren.“ Besonders hart traf es etwa Rentnerin Gerda M. (71), deren Gartenschuppen dem Feuerteufel zum Opfer fiel. „Es war das Grundstück meines Vaters“, berichtete sie im Prozess unter Tränen. „Vieles, was an ihn erinnerte, ist jetzt nicht mehr da.“ Außerdem musste sie nach dem Brand das Grundstück beräumen und allein für die Entsorgung von Asbestplatten 2600 Euro bezahlen. „Das ist bei meiner niedrigen Rente viel Geld“, so Gerda M. Verteidiger Luderer kündigte an, dass sein Mandant der älteren Dame vor Ort helfen wolle. Auch dieses Angebot hielt die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zugute. Ein Jahr und zehn Monate Jugendstrafe forderte Schultrich. Nach Erwachsenenstrafrecht hätte Marco S. für jede einzelne Tat mindestens ein Jahr bekommen. Verteidiger Luderer plädierte ebenfalls für Bewährung, stellte die Höhe der Strafe jedoch in das Ermessen des Gerichts.

Amtsrichterin Seitz verurteilte den Serienzündler neben der Bewährungsstrafe auch zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die Marco S. innerhalb von sechs Monaten abzuleisten hat. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Für die Feuerwehr Holzhausen ist damit der Weg frei, die Mitgliedschaft des Brandstifters zu beenden. Marco S. hat ohnehin seine Zelte in dem Ortsteil abgebrochen. Seine erst im März bezogene Wohnung wurde im Zuge der Untersuchungshaft gekündigt.

Von Frank Döring

Leipzig Amtsgericht 51.3396955 12.3730747
Leipzig Amtsgericht
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