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Bewährungsstrafen nach Feuer in Leipziger Asylunterkunft

Prozess am Amtsgericht Bewährungsstrafen nach Feuer in Leipziger Asylunterkunft

Sie waren unzufrieden mit der Unterkunft und dem Essen: Zwei Asylbewerber aus Tunesien sollen im Sommer dieses Jahres in der Erstaufnahmeeinrichtung am Graf-Zeppelin-Ring in Mockau einen Brand gelegt und mindestens 50 000 Euro Schaden angerichtet haben. Am Montag wurden sie am Amtsgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Am Ende verhängte das Amtsgericht Bewährungsstrafen.
 

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig.  Sie waren unzufrieden mit der Unterkunft und dem Essen: Zwei Asylbewerber aus Tunesien sollen im Sommer dieses Jahres in der Erstaufnahmeeinrichtung am Graf-Zeppelin-Ring in Mockau einen Brand gelegt und mindestens 50 000 Euro Schaden angerichtet haben. Am Montag wurden sie am Amtsgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Laut Anklage haben Lassaad D. (28) und Mohamed O. (21) massiv den Umzug in eine andere Einrichtung gefordert. Am 30. August drohten sie den Mitarbeitern der Johanniter Unfallhilfe, welche die Asylunterkunft betreuten: Sollten ihre Namen nicht auf den Transferlisten auftauchen – dort sind jene Flüchtlinge erfasst, welche die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen – würden sie in der Unterkunft Feuer legen. Wie Staatsanwältin Tanja Lötschert sagte, wollten die Angeklagten erreichen, dass die Angestellten aus Angst ihrer Forderung nachkommen.

Doch dies war nicht der Fall. Als gegen 15.45 Uhr die Transferlisten ausgehangen wurden, fehlten beide Namen. Eine Viertelstunde später quoll dichter Qualm aus Haus 16 des Camps.

Die Erstaufnahmeeinrichtung bestand zu diesem Zeitpunkt aus zwölf Leichtbauhallen mit 600 Plätzen. Die einzelnen Wohnbereiche waren durch Raumteiler abgetrennt und nach oben offen. Wenn hier ein Feuer ausbricht, ist die gesamte Halle betroffen. So war es auch am 30. August. Die beiden Angeklagten sollen in Zimmer 16.07. zwei Schaumstoffmatratzen angezündet haben, wodurch die Betten komplett zerstört wurden. Durch Ruß- und Brandspuren wurde die Halle unbewohnbar. Der Rauch, der durch den verbrennenden Kunststoff entstand, soll auch Blausäure enthalten haben. Eine Angestellte erlitt eine Rauchgasvergiftung, drei weitere klagten über Kopfschmerzen und haben teilweise bis heute Atembeschwerden.

Beide Angeklagten, die seit einem Vierteljahr in Untersuchungshaft sitzen, gestanden die Brandstiftung. Lassaad D. sei enttäuscht gewesen, dass er nicht auf der Transferliste stand, sagte seine Anwältin Kerstin Linnemann. „Es tut ihm sehr leid und er ist über die Folgen sehr erschrocken.“ Mitangeklagter Mohamed O. sei in Leipzig ebenfalls unglücklich gewesen, so sein Verteidiger Stefan Wirth, da seine Angehörigen in Erfurt und Paderborn lebten. „Er wollte niemanden verletzen, das Ganze war ein Riesenfehler.“ Nicht mehr erinnern konnte sich der junge Tunesier, dass er an jenem Tag einem Dolmetscher der Unterkunft gedroht haben soll: „Wenn wir dich kriegen, kannst du zugucken, wie wir dich töten.“ Der Übersetzer wechselte aus Angst noch am selben Tag die Arbeitsstelle, wollte im Prozess kaum etwas sagen.

Richterin Irmgard Seitz verurteilte beide Tunesier wegen schwerer Brandstiftung, versuchter Nötigung und gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen. Lassaad D. bekam dafür eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Mohamed O., der im Sinne des Gesetzes noch als Heranwachsender galt, wurde zudem wegen Bedrohung bestraft – unterm Strich ein Jahr und acht Monate Haft. In beiden Fällen wurden die Strafen zur Bewährung ausgesetzt.

Von Frank Döring

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