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Blutige Schweineköpfe auf Leipziger Moschee-Areal: OBM entsetzt, Ahmadiyya unbeeindruckt

Blutige Schweineköpfe auf Leipziger Moschee-Areal: OBM entsetzt, Ahmadiyya unbeeindruckt

Nach dem Anschlag auf dem Gelände für den Leipziger Moschee-Neubau mit Schweineköpfen zeigte sich die Ahmadiyya-Gemeinde am Freitag unbeeindruckt. „Das bringt uns nicht außer Fassung“, sagte Ahmadiyya-Bundesvorsitzender Abdullah Uwe Wagishauser gegenüber LVZ-Online.

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Ahmadiyya-Bundesvorsitzender Abdullah Uwe Wagishauser.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Er finde es nur sehr traurig, dass sich Menschen auf eine solche Ebene begeben.

Provokationen kenne er bereits von Projekten aus Westdeutschland. „Da wurden auch schon Kreuze aufgestellt, das war noch hanebüchener“, so Wagishauser. An seiner Einstellung zu Leipzig ändere der Vorfall nichts. Der Ahmadiyya-Vertreter hat mehrfach das offene Diskussionsklima in der Stadt gelobt.

Mit Abscheu reagierte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) auf den Übergriff. "Die Stadt Leipzig ist geschockt von diesem widerwärtigen Anschlag. Ein solcher Frevel, der jenseits meiner Vorstellung liegt und der die Grundlagen des interreligiösen Zusammenlebens erschüttert, ist nicht hinnehmbar. Ich verurteile diese feige Tat auf das Schärfste und werde mich dafür einsetzen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde bitte ich im Namen der Stadt um Entschuldigung", teilte der Oberbürgermeister mit.

Die Leipziger CDU ergänzte: "Hetze und Beleidigung haben im Diskurs um den Standort der Moschee nichts zu suchen. Wer den Boden des Grundgesetzes verlässt, muss hart bestraft werden. Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut und es ist Aufgabe aller, sie zu schützen und zu verteidigen, unabhängig, ob und welchen Glauben man lebt", erklärte Robert Clemen, Vorsitzender der Leipziger Union.

Skadi Jennicke, Stadträtin der Linken in Gohlis, erklärte: "Die Schändung des Baugrundstücks zeugt von intoleranter Respektlosigkeit und verletzt aufs Tiefste den Grundsatz der Toleranz gegenüber jedweder Form von Religion. Mich erschüttert diese Tat. Ich hätte nicht geglaubt, dass diese Form von Gewalt in Leipzig möglich ist."

Entsetzen in Gohlis - das sagen die Anwohner:

Auch in Gohlis waren die Anwohner am Freitag entsetzt. „Die aufgespießten Schweineköpfe sind primitiv“, meinte Anwohnerin Christina Berthold (74). Auch andere Passanten reagierten bei einer Umfrage von LVZ-Online angewidert, unabhängig davon, welche Ansicht sie zum Thema Moschee vertreten.

Die Auseinandersetzungen um den Neubau hatten am Donnerstagabend einen ekligen Höhepunkt gefunden. Auf dem Gelände der Ahmadiyya-Gemeinde an der Georg-Schumann-Straße spießten Unbekannte gegen 22.15 Uhr fünf Schweineköpfe auf Holzpflöcke auf. Darunter breitete sich eine Blutlache aus.

Staatsschutz ermittelt

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Auf der Brachfläche an der Georg Schumann Strasse / Ecke Bleichertstrasse will die Ahmadiyya-Gemeinde eine kleine Moschee errichten.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Die Polizei bestätigte am Morgen den Vorfall. Die Pfähle seien neben einem Trampelpfad in die Erde gerammt worden, sagte Polizeisprecherin Birgit Höhn. Die Täter hätten zudem eine Mülltonne und das Baugelände angezündet. Die Feuerwehr löschte die Flammen wenig später. Bei der Leipziger Polizeidirektion hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen. Eine heiße Spur haben die Beamten noch nicht. Auch die Herkunft der Schweineköpfe ist unklar. Die Täter, so ein Ermittler, haben die markierten Ohren abgeschnitten. Damit lasse sich nicht mehr nachverfolgen, aus welchem Stall die Tierteile stammen. Die Stadtreinigung haben die Köpfe nach der Spurensicherung in der Nacht entsorgt.

Über den Bau der ersten mitteldeutschen Moschee mit Minarett wird seit Wochen diskutiert. Einer Demonstration von Gegnern und Befürwortern folgte vergangene Woche ein Bürgerforum mit mehr als 500 Teilnehmern in der Michaeliskirche.

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Matthias Roth

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