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Bluttat am Leipziger Bahnhof: Messerstecher sagt vor Gericht aus

Prozess um Totschlagsversuch Bluttat am Leipziger Bahnhof: Messerstecher sagt vor Gericht aus

Nach einer fast tödlichen Auseinandersetzung am Leipziger Hauptbahnhof steht seit Mittwoch ein Tunesier vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Hassen K. (29) versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

In dieser Parkanlage ereignete sich die Bluttat.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Er soll auf seine Kontrahenten eingestochen und sie beinahe umgebracht haben: Nach einer fast tödlichen Auseinandersetzung am Hauptbahnhof steht seit Mittwoch ein Tunesier vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Hassen K. (29) versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Laut Anklage ging er am 10. Dezember 2015 gegen 15.15 Uhr im Bürgermeister-Müller-Park mit einem Messer zunächst auf Mohammed S. (31) los. Zweimal habe er dem Nordafrikaner die 20 Zentimeter lange Klinge wuchtig in den Brustkorb gerammt. „Dem Angeklagten war klar, dass ein derartiger Angriff todbringende Verletzungen hervorrufen kann und nahm das zumindest billigend in Kauf“, sagte Staatsanwältin Diana Süß. Danach soll der Angeklagte seinem Landsmann Hamza M. (26) einen Messerstich zugefügt haben, dieser erlitt ein Thoraxtrauma. Hassen K. wurde zunächst zur Polizeidienststelle gebracht, kam nach einer Stunde wieder auf freien Fuß – und verschwand ins Ausland. „Freunde warnten mich, dass Hamza M. und andere hinter mir her sind“, sagte der Asylbewerber vor Gericht. Sie sollen ihm auch ein Bahnticket nach Wien gekauft haben. In Österreich, wo er unter falscher Identität erneut Asyl beantragte, sowie in Frankreich und Italien tauchte er monatelang unter. Erst am 5. April dieses Jahres wurde er mit internationalem Haftbefehl in Lyon gefasst, seit 20. April sitzt er in Leipzig in Untersuchungshaft.

Die Hintergründe der blutigen Aus-einandersetzung blieben weitgehend unklar. Da das Umfeld des Hauptbahnhofes mit Schwanenteich und Bürgermeister-Müller-Park fest in der Hand vorwiegend nordafrikanischer Drogendealer ist (die LVZ berichtete), gehen die Ermittler von einem Streit um Rauschgiftgeschäfte aus.

Der Angeklagte gab sich ahnungslos. Er sei wie jeden Tag gegen 10 Uhr aufgestanden, so der Asylbewerber, der damals in der Unterkunft in der Zschortauer Straße wohnte. Anschließend habe er sich am Hauptbahnhof vier, fünf Bier gekauft und sei wie immer zum Park am Schwanenteich gegangen. Von dort allerdings hätten ihn Mohammed S. und seine Clique vertreiben wollen. „Sie schlugen auf mich ein, haben mir das Portemonnaie mit 100 Euro und das Telefon weggenommen“, so Hassen K., der bei dem Übergriff nach eigenen Angaben blutende Wunden erlitt. Danach sei er den Angreifern zum Bürgermeister-Müller-Park gefolgt. „Ich wollte meine Sachen zurückhaben.“ Doch seine Kontrahenten hätten aus einem Versteck im Gebüsch Schlagstöcke geholt und seien auf ihn zugekommen. „Als ich mein Portemonnaie und mein Telefon verlangte, beleidigten sie mich.“ Mohammed S. sei dann auf ihn losgegangen, da habe er sich mit dem Messer gewehrt. So genau könne er sich nicht mehr erinnern. „Ich wollte ihnen aber nur Angst machen“.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Tunesier mit dem Gesetz in Konflikt geriet. 2011 verließ er nach eigenen Angaben im Zuge des arabischen Frühlings sein Heimatland. Sein Bruder habe in einem Sondereinsatzkommando gearbeitet, deshalb hätten es Demonstranten auf seine Familie abgesehen. Er kam zuerst nach Italien, doch als hier sein Asylantrag abgelehnt wurde, zog er 2014 weiter nach Deutschland. Aktenkundig ist nach Behördenangaben eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung in Chemnitz.

Für den Prozess hat die 1. Strafkammer des Landgerichts noch fünf Verhandlungstage geplant, ein Urteil könnte demnach Anfang November fallen. Bis dahin wird auch ein psychiatrisches Gutachten zu dem Angeklagten erwartet.

Von Frank Döring

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