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Polizeiticker Leipzig Bluttat im Wahn – Rentner aus Leipzig tötet Ehefrau und muss in Psychiatrie
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Bluttat im Wahn – Rentner aus Leipzig tötet Ehefrau und muss in Psychiatrie
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23:59 27.01.2014
17. Juli 2013, Arthur-Hausmann-Straße: Heinz S. kommt nach der Tragödie in ein Krankenhaus. Quelle: Holger Baumgaertner

"Es gab mit Sicherheit keine kriminellen Hintergründe, sondern es war ein tragischer Unfall aufgrund der Erkrankung des Angeklagten", begründete der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf gestern den Beschluss der 1. Strafkammer.

Wie berichtet, schnitt der frühere Malermeister am 17. Juli vorigen Jahres in der Wohnung in der Eutritzscher Arthur-Hausmann-Straße seiner Frau Irmgard (78) nach 60 Ehejahren mit einem Messer die Kehle durch. Er glaubte, dass sie ihn vergiften wollte und das gemeinsame Konto bereits leergeräumt hatte. "Deshalb kaufte er sich nur noch Kekse, aß nichts anderes mehr", berichtete gestern der forensische Psychiater Christof Hieronymus, der mehrfach mit dem Angeklagten gesprochen hatte. Bereits Ende 2012 habe Heinz S. ein ausgesprochenes Misstrauen gegenüber ihm nahestehenden Personen gehegt. "Er fühlte sich verfolgt", so der Gutachter, "die Straftat geschah aufgrund einer wahnhaften Verkennung der Situation." Bereits vor der Tat habe ein Nervenarzt bei dem Senior eine Demenz mit Paranoia diagnostiziert.

"Es ist eine menschliche Tragödie, die in der Krankheit des Angeklagten ihren Ursprung hat", befand Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller in seinem Plädoyer. Vor Gericht ging es in einem sogenannten Sicherungsverfahren ohnehin nur darum, ob der Mann dauerhaft in der Psychiatrie, im Maßregelvollzug, unterzubringen ist.

Das Strafgesetzbuch sieht dies bei einem Angeklagten vor, wenn "von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist". Diese konkrete Gefahr bejahte Psychiater Hieronymus im Fall von Heinz S. ausdrücklich. Als der Rentner nach der Tat im Juli vorigen Jahres in den Maßregelvollzug im Krankenhaus Altscherbitz eingewiesen worden war, hatte er die Scheibe eines Feuermelders eingeschlagen und mit einer Scherbe Klinik-Personal bedroht. "Der Zustand ist kaum behandelbar", erklärte der Gutachter. "Erst wenn die körperlichen Kräfte erlahmen und er bettlägerig ist, wäre eine Verlegung in ein Pflegeheim vertretbar."

Verteidiger Andreas Meschkat beantragte, den Zustand seines Mandanten bereits nach sechs Monaten zu prüfen und nicht die gesetzliche Frist von einem Jahr abzuwarten, um vielleicht schon eher die Verlegung in ein Heim zu ermöglichen. Richter Jagenlauf versicherte daraufhin, die Strafkammer werde die Fristen zur Prüfung gerade auch angesichts des hohen Alters des Angeklagten "sehr genau im Blick haben".

Heinz S. wirkte gestern ebenso verloren wie an den Prozesstagen zuvor. Mit regungsloser Miene folgte er der Verhandlung, ohne wirklich zu verstehen, worum es ging. "Ich mache manchmal Dinge", so sagte er am Ende ganz leise, "dass ich gar nicht weiß, was das ist."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.01.2014

Frank Döring

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