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Polizeiticker Leipzig Bombenbauer verliert bei Explosion linke Hand – Schweigen im Gerichtssaal
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Bombenbauer verliert bei Explosion linke Hand – Schweigen im Gerichtssaal
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16:55 04.06.2018
Hier ging der selbstgebaute Sprengkörper hoch. Experten der Polizei untersuchen den Tatort und das Auto der Verdächtigen Quelle: dpa
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Leipzig

Was hatten die mutmaßlichen Bombenbastler mit ihrem teuflischen Sprengkörper bloß vor? Zwei Leipziger müssen sich seit Montag vor dem Landgericht wegen einer schweren Explosion an der Bundesstraße 2 bei Zwenkau verantworten. Ein Angeklagter verlor damals seine Hand und um ein Haar auch sein Leben.

Explosion an Feldweg

Es war am 27. November 2015 gegen 11 Uhr, als Mario F. (48) und Ronny S. (38) nach Erkenntnissen der Ermittler mit einem Skoda Oktavia von der Plagwitzer Gießerstraße in Richtung Zwenkauer See fuhren. Mit im Wagen: ein zusammengeschweißtes Metallrohr voller Sprengstoff. Allein bei diesem Transport über etwa 16 Kilometer durch Leipzigs Süden bestand laut Anklage eine „allgemeine Gefahr für Leib und Leben“. Gegen 11.15 Uhr soll Mario F. das Auto an einem Feldweg gestoppt haben. Ronny S. hielt den Sprengkörper in seiner linken Hand, da kam es plötzlich aus ungeklärter Ursache zur Explosion, heißt es in der Anklageschrift.

Hand vollkommen zerfetzt

Die Folgen für den gelernten Gerüstbauer waren verheerend: „Ein desaströses Verletzungsbild“, schilderte Rechtsmediziner Benjamin Ondruschka vor Gericht. „Alles bis zum Handgelenk wurde vollkommen zerfetzt und zertrümmert“, die Hand musste amputiert werden. Ohne sofortige medizinische Hilfe, so der Experte, wäre der lebensbedrohlich Verletzte verblutet. Zudem drang aufgrund der Detonation eine zehn Zentimeter große Metallplatte in sein linkes Bein ein. „Die normale Gehfähigkeit wird nie wieder hergestellt“, so Ondruschka.

Sprengstoff in Konfitüreglas

Mario F. verletzte sich nur leicht. Er kam wie sein Bekannter in ein Krankenhaus, floh aber laut Polizei nach der Untersuchung. Allerdings war er zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht vorläufig festgenommen. In seiner Wohnung in der Gießerstraße stellten Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft diverse explosionsgefährdende Substanzen sowie eine sogenannte Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung (USBV) sicher. Dabei soll es sich um ein Konfitüreglas mit 93 Gramm Sprengstoff und einer Lunte gehandelt haben.

Bomben-Labor in Plagwitz

Wozu er das Bomben-Labor betrieben haben soll, ist bislang unklar. Sowohl Mario F. als auch sein Mitangeklagter schwiegen zum Prozessauftakt. Beide sind nach Behördenangaben aber unter anderem wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz bereits polizeibekannt gewesen. Gegen den Deathcore-Fan Ronny S. lag zum Zeitpunkt des Unfalls zudem ein Haftbefehl wegen eines Drogendelikts vor. Er sitzt hinter Gittern. Mario F. kam nach der Explosion in Untersuchungshaft, aufgrund seiner Beschwerde hob das Oberlandesgericht den Haftbefehl im April 2016 wieder auf.

Fußfessel als Dauer-Alibi

Dabei gerät der gelernte Maschinen- und Anlagenmonteur seit Jahren immer wieder in den Fokus von Polizei und Justiz. Aus seiner Sicht zu Unrecht. Weil er sich als Opfer der Ermittlungsbehörden wähnte, forderte er 2014 als vermutlich erster Tatverdächtiger Sachsens eine elektronische Fußfessel – für eine Art Dauer-Alibi (die LVZ berichtete). Und er machte im Internet Stimmung gegen die Polizei. Nachdem in der Stadt ein Polizeifahrzeug in Flammen aufgegangen war, kommentierte er: „Ist solch ein Vorgang nicht die logische Konsequenz des polizeilichen Handelns. Ich finde das gut und ich bin der Auffassung das derartige Vorgänge viel häufiger passieren sollten.“ Ein solcher Anschlag sei sogar „gesetzeskonform“, da die Leipziger Polizei demokratische Normen unterwandere.

Brandstiftung aus Rache

Und Mario F. belässt es nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nicht nur bei Worten. So ist er auch wegen schwerer Brandstiftung angeklagt, weil er in der Nacht zum 7. Dezember 2014 den Bungalow von Norbert T. in der Küchenholzallee abgefackelt und 65 000 Euro Schaden angerichtet haben soll – aus Rache wegen einer Diebstahlsanzeige.

Der Prozess wird am 13. Juni fortgesetzt.

Von Frank Döring

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