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Brandanschläge auf Bahnstrecken – Zugverkehr in der Region Leipzig noch gestört

Attacken in Sachsen und vier anderen Bundesländern Brandanschläge auf Bahnstrecken – Zugverkehr in der Region Leipzig noch gestört

In mehreren Bundesländern haben Unbekannte in der Nacht zum Montag Anschläge auf Bahnanlagen verübt. Die Behinderungen im Zugverkehr werden eventuell noch bis Dienstag anhalten.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn konnten den Schaden am Montag reparieren. Seit den Mittagsstunden rollt der Verkehr wieder an.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Auf zahlreiche Signalanlagen und Kabelschächte der Deutschen Bahn im Bundesgebiet sind in der Nacht zum Montag Brandanschläge verübt worden – darunter auch in Leipzig. Rings um die Messestadt waren vier Lichtzeichen von den Zerstörungen betroffen, an Streckenabschnitten in Möckern, Leutzsch, Wiederitzsch und Paunsdorf. Weitere Anschläge gab es auf Bahnstrecken in Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund und Bad Bevensen (Niedersachsen), teilte die Bundespolizei mit. Insgesamt sollen an mindestens zwölf Schienensträngen Schäden aufgetreten sein.

Auf mehrere Signalanlagen der Deutschen Bahn rings um Leipzig und in vier anderen Bundesländern sind in der Nacht zum Montag Brandanschläge verübt worden. Es kommt zu Zugausfällen. 

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Aufgrund der offenbar koordinierten Aktion in mehreren Bundesländern gehen die Behörden von einer politischen Motivation der Täter aus. Das spezialisierte Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei wurde deshalb ebenso eingeschaltet wie in anderen Landesteilen der Staatsschutz und ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Laut eines am Montagvormittag im Netz veröffentlichten Bekennerschreibens beziehen sich die Attacken auf das für Anfang Juli in Hamburg geplante G20-Gipfeltreffen.

Störungen ziehen sich eventuell bis Dienstag hin

Wie ein Bahnsprecher am späten Montagabend zu LVZ.de sagte, könnten sich die Störungen im Zugverkehr noch bis Dienstag hinziehen. Am Montagabend waren immer noch Teile des Regional- und Fernverkehrs in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen von Ausfällen und Verspätungen betroffen. Es werde weiter mit Hochdruck an der Behebung der Schäden gearbeitet, so der Bahn-Sprecher. Noch sei unklar, ob zum Berufsverkehr am Dienstagmorgen wieder ein normaler Bahnverkehr möglich ist. Mit genaueren Informationen wird erst in den frühen Dienstagmorgenstunden gerechnet. Fahrgäste sollten sich möglichst über das Internetportal Bahn.de über einzelne Zugverbindungen informieren.

Regionalverkehr betroffen – Bahnübergänge geschlossen

Folge der Zerstörungen waren am Montag vor allem erheblichen Verspätungen und Behinderungen im Bahnverkehr. Rings um Leipzig ging in den Morgenstunden unter anderem auf den S-Bahn-Linien S3, S4, S5, S5X sowie im Regionalverkehr zwischen Leipzig nach Dresden und Geithain und im Fernverkehr nach Frankfurt, Köln und Emden nichts. Die S-Bahnen konnten zum Teil über Delitzsch umgeleitet werden, teilte die Bahn mit. Reisende waren aufgerufen, bestenfalls andere Verkehrsmittel zu nutzen. Auf dem Hauptbahnhof in Leipzig bildeten sich lange Schlangen an den Informationsschaltern.

Im Leipziger Umland hatten neben den Bahnreisenden auch Autofahrer mit Einschränkungen zu kämpfen. Besonders gravierend war es in Naunhof, wo alle Bahnübergänge gesperrt waren. Die Polizei musste bei den wartenden Motorisierten harte Überzeugungsarbeit für Ausweichrouten leisten, vor den Bahnübergängen staute sich währenddessen der Verkehr.

Gesperrter Bahnübergang in Naunhof.

Gesperrter Bahnübergang in Naunhof.

Quelle: Frank Schmidt

In Oschatz wartete unterdessen eine Klasse des Thomas-Mann-Gymnasiums am Bahnhof vergeblich auf einen Zug, der sie nach Leipzig bringen sollte. Von dort aus wollten die Schüler später gen Hamburg aufbrechen und am Abend das Muscial "Aladin" in der Hansestadt sehen. Als um 10.30 Uhr immer noch kein Zug in Sicht war, langte es der Klassenlehrerin. "Ich habe die Fahrt abgeblasen", sagte Ines Garbe. Am Dienstag soll ein erneuter Reiseversuch folgen.

In der sächsischen Landeshauptstadt wurde der Zugverkehr am Montagmorgen temporär sogar komplett eingestellt. Dort gab es zwar keine Anschläge, aber aufgrund der Schäden kam es zu Störungen in den elektronischen Stellwerken am Bahnhof Neustadt und am Dresdner Hauptbahnhof. Zum Teil staute sich deshalb sogar der internationale, aus Richtung Tschechien kommende Bahnverkehr vor den Toren der Landeshauptstadt. 

Mitarbeiter der Bahn versuchten die Schäden in Leipzig im Laufe des Vormittags zu beheben, ab den Mittagstunden normalisierte sich allmählich auch der Verkehr. Zuerst konnten die Züge in Richtung Wurzen wieder ohne Behinderungen fahren. Trotzdem muss weiterhin mit Verspätungen gerechnet werden. Trotz der Störungen blieb das große Chaos am Leipziger Hauptbahnhof aus.

Polizei sucht Zeugen

Wie OAZ-Sprecherin Kathleen Doetsch am Montag gegenüber LVZ.de erklärte, sollen die Unbekannten an den vier Streckenabschnitten rings um Leipzig zwischen 1 Uhr und 4.30 Uhr Feuer gelegt haben. Laut Bundespolizei konnte zum Teil verhindert werden, dass sich die Flammen ausbreiteten. Die Behörden bitten Zeugen, denen in den Nachtstunden Personen an den Bahnanlagen aufgefallen sind, sich telefonisch bei der Kripo unter 0341/966 466 6 oder in jeder anderen Dienststelle zu melden.

Die Ermittler des Operativen Abwehrzentrums gehen von einer koordinierten Aktion aus, halten dabei einen Bezug zum anstehenden G20-Gipfel in Hamburg auch für denkbar. "Eine politische Motivation beziehungsweise ein Bezug zum G20 Gipfel in Hamburg kann nicht ausgeschlossen werden und ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen", so OAZ-Sprecherin Doetsch am Montag. 

Bekennerschreiben mit G20-Bezug

Diese Vermutungen der Behörden wurden am Montagvormittag von einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben untermauert. Darin schreibt eine sich selbst „Shutdown G20 – Hamburg vom Netz nehmen!“ nennende Gruppe unter anderem: „Heute Morgen haben wir die Kabelstränge entlang mehrerer Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt. Die Bahn nutzt die Kabelkanäle neben den Gleisen nicht nur für die interne Signalübermittlung sondern vermietet die Schächte auch an andere Datennetz-Betreiber. Wir unterbrechen die alles umfassende wirtschaftliche Verwertung. […] Wir werden die Maschinisten nicht aufhalten, noch nicht. Aber wir zeigen auf, wie es möglich ist, die Maschine zum Stottern zubringen, obwohl wir selbst Teil der Maschine sind und immer tiefer in sie eingepasst werden sollen.“

Am 7. und 8. Juli treffen sich die Führungskräfte der 20 mächtigsten Industrieländer zum G20-Treffen in Hamburg. Mehrere Initiativen und Gruppen haben bereits vor Monaten Proteste angekündigt, es wird mit Zehntausenden Gegendemonstranten in der Hansestadt gerechnet.

Sachsen Innenminister Ulbig verurteilte die Brandanschlähe scharf und forderte "eine harte Bestrafung". Er appellierte an alle G20-Kritiker, "sich nicht an derartigen kriminellen Aktionen zu beteiligen oder diese auch nur ansatzweise zu unterstützen".

Matthias Puppe / Frank Schmidt / Frank Hörügel / luc

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