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Brandserie in Holzhausen: Polizeichef Merbitz pfeift Bürgerpatrouille zurück

Brandserie in Holzhausen: Polizeichef Merbitz pfeift Bürgerpatrouille zurück

Angst und Müdigkeit stehen ihnen ins Gesicht geschrieben, die Nerven liegen blank. Bedroht fühlen sie sich, die Holzhausener. Von einem Unbekannten, der seit dem 26. Februar acht Brandanschläge verübte.

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Polizeipräsident Bernd Merbitz (in Uniform) beim Ortschaftsrat Holzhausen, beobachtet von einem Kamera-Team des MDR.

Quelle: Dominic Welters

Leipzig. Schuppen, Stallungen, Stapel aus Holz - seit Wochen brennt es nachts in dem Ortsteil am Rande der Stadt. Federvieh in Größenordnung verlor sein Leben. Zum Glück noch kein Mensch. "Wir schlafen nicht mehr, achten auf jedes Geräusch", erzählt eine ältere Dame. Eine junge Frau berichtet von Rauchmeldern, die sie gerade bestellt habe. Der Nachbar setzt auf Bewegungsmelder, die das Grundstück ausleuchten, sobald ein Unbefugter naht. "Der Mistkerl" solle sich nicht wagen, sagt er.

Auch der CDU-Ortsverband hat reagiert. Vor reichlich zwei Wochen rief er die Initiative "Bürger für Holzhausen" ins Leben (die LVZ berichtete). Seither gehen knapp zwei Dutzend Dorfbewohner Nacht für Nacht auf Streife, sind zu Fuß, per Rad oder Auto unterwegs, um den Brandstifter aufzugreifen. "Wir kennen uns hier aus und wir wissen, was wir dürfen und was nicht", sagt Achim Haas, der Chef der örtlichen Christdemokraten. Er und die übrigen Freiwilligen wollten den Ordnungshütern nur helfen. Man kooperiere mit der Polizei, betont Haas. "Die kann ja nun wirklich nicht überall sein."

Bernd Merbitz wäre schon gern überall. Doch dieses Kunststück kriegt nicht einmal der leutselige Leipziger Polizeipräsident hin. Von der (Bürger-)Hilfe, die ihm sein Parteifreund Haas anbietet, hält er nicht viel. Am Dienstagabend bei der Sitzung des Ortschaftsrates im überfüllten ehemaligen Gemeindeamt nimmt sich der Mann in der blauen Uniform die "Bürgerwehr", wie er sie nennt, zur Brust. Die behindere die Ermittlungsgruppe der Kripo, die sich mit den Vorkommnissen in Holzhausen und im benachbarten Liebertwolkwitz befasse - in beiden Ortslagen gab es seit 2011 zusammen mehr als 70 Anschläge. "Wir schicken extra einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera los, um Bewegungen am Boden auszumachen, und haben dann lauter helle Punkte auf dem Monitor. Alles Bürgerwehr-Leute. So kriegen wir den Täter nie", echauffiert sich Merbitz, um dann besänftigend fortzufahren:

"Bitte überlassen Sie das Geschäft uns. Glauben Sie mir, wir ziehen alle Register, die uns die Strafprozessordnung einräumt, um zum Erfolg zu kommen." Laut Merbitz, und damit lässt er die besorgten Holzhausener aufhorchen, liegt gegen eine Person ein Anfangsverdacht vor. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. "Wir werden nicht eher Ruhe geben, bis wir ihn haben." Von einem Einzeltäter gingen die Spezialisten der K 12, Profis bei Brandstiftungsdelikten, fest aus. Für sachdienliche Hinweise seien die Kollegen immer dankbar. Kontaktaufnahme am besten übers Revier Südost, Telefon 0341 30300, oder die Außenstelle Markkleeberg, Telefon 0341 35310. "Die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit ist Sache der Polizei", lautet Merbitz' letzte unmissverständliche Botschaft an diesem Abend.

Die, die da zurückgepfiffen werden, verhalten sich nach dem Auftritt des Polizeipräsidenten auffallend ruhig. Eine Debatte bleibt aus. Die Dienstag-Patrouille wird ausgesetzt. Wenig später brennt es wieder. Für heute hat CDU-Ortschef Haas ein Treffen anberaumt. Thema: Wie weiter mit den "Bürgern für Holzhausen"?

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.03.2015

Dominic Welters

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