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Brutaler Gang-Mord in Leipzig: Zehn Jahre Haft

Bandenkrieg in Grünau Brutaler Gang-Mord in Leipzig: Zehn Jahre Haft

Sieben Stiche mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge töteten den Tunesier Hamza G. (24) am 21. Oktober 2016 kurz nach 5.30 Uhr vor einem Hochhaus in der Leipziger Breisgaustraße. Einer der mutmaßlichen Täter ist gestern verurteilt worden.

Der Tatort in Grünau.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Sieben Stiche mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge trafen den Tunesier Hamza G. (24) am 21. Oktober 2016 kurz nach 5.30 Uhr vor einem Hochhaus in der Breisgaustraße. Das Messer traf einen Lungenflügel und öffnete die linke Herzkammer, kurz darauf war der Nordafrikaner tot. Einer der mutmaßlichen Täter ist gestern am Landgericht zu einer Jugendstrafe von zehn Jahren verurteilt worden.

Die Bluttat war offenbar Höhepunkt eines seit Sommer 2016 tobenden Bandenkriegs in dem Plattenbaugebiet. „Es ging um die Vorherrschaft auf der Straße“, so der Vorsitzende Richter Michael Dahms. Die Macht beanspruchen eine von Albanern dominierte Migranten-Clique, zu der auch der aus dem Kosovo stammende Angeklagte Argjent K. (20) gehört. Und eine Gruppierung von neuen Asylbewerbern, überwiegend aus Nordafrika, der sich Hamza G. angeschlossen hatte. Nach einer Prügelattacke der Albaner um Argjent K. am 4. Oktober hatte sich Hamza G. eine Machete besorgt, um sich besser wehren zu können. Am 10. Oktober ging er damit auf den Bruder von Argjent K los. Obwohl er ihn lediglich mit dem Griff der Machete schlug und nicht ernsthaft verletzte, war das offenbar sein Todesurteil.

Wegen massiver Drohungen, unter anderem bei WhatsApp, verließ der Tunesier kaum noch die Wohnung. Doch das Netzwerk der Albaner-Gang funktionierte offenbar. Am 21. Oktober gegen 5.30 Uhr bekam Argjent K. eine Nachricht auf sein Smartphone: „Hamza geht zur Straßenbahn.“ Sofort sprang er auf, schnappte sich ein Küchenmesser und verfolgte zusammen mit seinem Komplizen Mehmet C. (21) den Tunesier, so Dahms, „um ihn aus Vergeltung niederzustechen“. Hamza G. rannte weg, doch seine Widersacher konnten ihn stellen und gingen nach Erkenntnissen des Gerichts sofort auf ihn los. Ein ernsthafter Kampf habe nicht stattgefunden, so der Richter. Am Körper des Opfers wurden Abwehrverletzungen gefunden, aber er hatte gegen die Angreifer keine Chance. „Es war eine Tat mit unbedingtem Vernichtungswillen“, sagte Dahms.

Die Ermittler fanden am linken Daumen des Leichnams auch eine DNA-Spur des Angeklagten. Zudem lagen dem Gericht diverse Zeugenaussagen sowie Auszüge aus Chats vor, in denen die Bluttat angekündigt worden war. Damit ist aus Sicht der 2. Strafkammer bewiesen, dass Argjent K. und Mehmet C. die Täter waren.

Der zweite Beschuldigte war erst im Zuge der Ermittlungen unter dringenden Tatverdacht geraten, da aber bereits untergetaucht. Seit März suchte die Polizei per Öffentlichkeitsfahndung nach Mehmet C., am 6. Juli konnte er in Berlin verhaftet werden. Gegen ihn wurde ein gesondertes Verfahren eingeleitet.

Argjent K. wurde wegen Mordes verurteilt. „Es war Selbstjustiz“, so Dahms. Da er zur Tatzeit Heranwachsender war, wurde er zur höchstmöglichen Jugendstrafe verurteilt. Eine besondere Schwere der Schuld – da liegt die Strafe bei bis zu 15 Jahren – erkannte das Gericht nicht.

Zur Urteilsverkündung waren große Teile der Albaner-Gang ins Landgericht gekommen, weshalb der Prozess auch unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfand.

Von Frank Döring

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