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Polizeiticker Leipzig Crystal-Junkies gestehen Überfall auf Dealer
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Crystal-Junkies gestehen Überfall auf Dealer
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17:46 20.03.2018
Deutsche-Tschechische Kontrolloperation gegen Rauschgiftschmuggel. Ein Zollbeamter hält am Donnerstag (12.01.2012) im Hauptzollamt in Nürnberg (Mittelfranken) Kristalle der Droge Crystal Speed die sichergestellt wurden in der Hand. Deutsche und tschechische Drogenfahnder haben bei einer gemeinsamen Kontrolle im Grenzgebiet 1,6 Kilogramm der gefährlichen Droge Crystal Speed sowie vier Kilogramm Marihuana aus dem Verkehr gezogen. Wegen des Erfolges der rund zwei Monate andauernden Aktion sollten die Beamten beider Nationen deshalb auch in Zukunft gemeinsam ermitteln. Foto: Daniel Karmann dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: picture alliance / dpa
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Leipzig

Mit 14 Jahren nahmen sie das erste Mal harte Drogen. Sie berichteten von Hardcore-Crystal-Konsum, zerrütteten Familien, Therapien, Rückfällen. „Ich habe bis zu drei Gramm täglich konsumiert“, schilderte Paul K. (19). Seit Dienstag steht der Leipziger mit seinem Kumpel Christopher B. (25) vor Gericht. Die Tatvorwürfe: versuchte schwere räuberische Erpressung, schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung.

Mehrere Taten sind angeklagt

Es geht in dem Verfahren um eine Vielzahl von Taten. Christopher B. soll am 30. Juni 2016 im Lene-Voigt-Park mit einem unbekannten Komplizen einen Mann angegriffen und beraubt haben. Paul K. wird beschuldigt, am 7. Januar 2017 das 1100 Euro teure iPhone eines Taxifahrers gestohlen zu haben. Am 8. Mai 2017 ließ er laut Anklage die Geldkassette eines Imbisswagens am Karl-Heine-Platz mitgehen – die Beute: 150 Euro. Angeklagt ist er ferner wegen des Beschmierens einer Fassade in der Lützner Straße am 4. August 2017.

Idee zu Überfall nach Drogennacht

Die schwerwiegendste Tat ereignete sich am 12. September vorigen Jahres. Wie die Angeklagten zum Prozessauftakt berichteten, trafen sie sich einen Tag zuvor, tranken ein paar Bier, kifften und legten dann mit dem harten Zeug los, Crystal und Speed. „Ich bin am nächsten Morgen gegen 7 Uhr aufgewacht, da stand Christopher vor mir und ich habe sofort gesehen, dass er die ganze Nacht durchgemacht hat“, so Paul K. Aus Angst, allzu rasch von ihrem Trip herunterzukommen, seien sie zum Supermarkt gegangen, um Alkohol zu kaufen. Bier, Kirschlikör, Saurer Apfel – doch das Verlangen nach Drogen wurde wohl übermächtig.

Drohungen mit Flasche und Schere

Paul K. schlug deshalb nach eigener Aussage vor, zu seinem Dealer in der Weißenfelser Straße zu gehen. Dieser verkaufe Crystal und Marihuana, man könne ihn leicht abziehen. Gegen 8.30 Uhr klingelten die beiden Junkies laut Anklage an der Wohnungstür des Drogenhändlers und stürmten schließlich hinein. Sie verlangten von ihm Rauschgift und Geld, was dieser ablehnte. Paul K. habe gedroht, mit einer Bierflasche zuzuschlagen, so Staatsanwältin Susann Lenz. Christopher B. schlug demnach einmal zu, nahm dann eine Schere vom Tisch und stieß ebenfalls Drohungen aus.

Beide Opfer schwer verletzt

Neben dem Dealer war dessen Bekannter in der Wohnung. Mit beiden Männern gerieten die Angeklagten in Rangeleien mit schlimmen Folgen. Wie Lenz schilderte, soll Christopher B. bei der Auseinandersetzung mit der geschlossenen Schere zugestochen haben. Der Bekannte des Dealers erlitt eine tiefe Fleischwunde im Rippenbereich sowie mehrere bis zu 40 Zentimeter lange Kratzer. Aufgrund der Schwere der Verletzungen war bei einer Operation im Universitätsklinikum Leipzig auch eine Rekonstruktion der betroffenen Muskulatur notwendig. Einer Knie-Operation musste sich der überfallene Crystal-Händler unterziehen. Ob das bei dem Angriff verletzte Bein dauerhaft geschädigt bleibt, ist noch ungewiss.

Geständnisse am ersten Verhandlungstag

Beide Beschuldigten ließen zum Prozessauftakt über ihre Verteidiger Dorothea Stöckchen und Ingo Stolzenburg Erklärungen abgeben. Paul K. räumte den Überfall in der Weißenfelser Straße und die Graffiti-Schmiererei ein. Zum Diebstahl im Taxi machte er abweichende Angaben, zum Imbisswagen-Fall gar keine. Christopher B. räumte die zwei ihm zur Last gelegten Delikte ein, auch die Stiche mit der Schere. „Mein Kumpel hat um Hilfe gerufen, ich war in Panik“, sagte er. Kurz nach der Tat wurde er, ebenso wie Paul K., festgenommen. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Für Christopher B. keine neue Erfahrung: Er war erst Ende Mai 2017 aus dem Knast entlassen worden, hatte hier seinen Hauptschulabschluss nachgeholt, verfügte über Wohnung und Arbeit. Doch dann geriet er wieder in seine alte Szene – und an das alles verschlingende Crystal Meth.

Von Frank Döring

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