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Polizeiticker Leipzig Darum riegelte die Polizei den Hauptbahnhof ab
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Darum riegelte die Polizei den Hauptbahnhof ab
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23:03 11.01.2019
Polizeieinsatz in der Silvesternacht im Umfeld des Hauptbahnhofes. Das Gebiet gilt als Kriminalitätsschwerpunkt. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Diese Zahl sorgte in den vergangenen Tagen für Aufsehen: 900 Platzverweise musste die Bundespolizei, wie berichtet, in der Silvesternacht im Hauptbahnhof aussprechen. Das waren immerhin 700 mehr als vor einem Jahr. Doch was steckte dahinter? Wie die LVZ jetzt auf Nachfrage erfuhr, ging es bei der Einsatzplanung vor allem darum, befürchtete Horrorszenarien möglichst schon im Keim zu ersticken.

„In der polizeilichen Lagebeurteilung spielten natürlich auch Vorfälle aus der Vergangenheit eine Rolle, wie beispielsweise die Ereignisse in Köln“, so Yvonne Manger von der Bundespolizeiinspektion Leipzig. In der Silvesternacht 2015/2016 war es am dortigen Hauptbahnhof und am Kölner Dom zu etlichen sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Gruppen junger Männer hauptsächlich aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum gekommen. Zudem wollte die Bundespolizei verhindern, dass hunderte alkoholisierte Menschen für schwere Auseinandersetzungen sorgen oder mit Böllern und Raketen den Bahnhof mit seiner sensiblen Infrastruktur unsicher machen. „Aus diesem Grund bestand die Einsatztaktik in diesem Jahr darin, alle potenziellen Gefahrenquellen vom Bahnhof fernzuhalten“, erläuterte die Behördensprecherin. Zwei Einsatzzüge der Bundespolizeidirektion Pirna unterstützen die Leipziger Beamten in jener Nacht.

Hohe Gefahr von Auseinandersetzungen

Der Großeinsatz lief unter dem Arbeitstitel „Teilverschlusskonzept“. Als am Silvesterabend ab 17 Uhr bis auf ein Fastfood-Lokal und ein Supermarkt alle Geschäfte schlossen, wurden auch verschiedene Auf- und Abgänge im Hauptbahnhof gesperrt. Bis zum nächsten Morgen gegen 6 Uhr waren die Seitenzugänge dicht, ein Zugang war nur noch über West- und Osthalle über Polizeikontrollen möglich. Und das auch nur für Leute mit nachweisbaren Reiseabsichten. „Für Reisegäste war der Zugang rund um die Uhr gewährleistet“, schilderte Manger. „Alle anderen, insbesondere die Personen, die alkoholisiert und in Gruppen unterwegs waren und bei denen das Potenzial da war, dass es zu Ausschreitungen kommen kann, dass im Bahnhof Böller oder Raketen gezündet werden, die durften den Bahnhof nicht besuchen.“ Und das waren offenbar eine ganze Menge. Schon in einer ersten Pressemitteilung hatte die Polizei davon berichtet, dass sich innerhalb des Bahnhofes „ständig alkoholisierte Personengruppen versammelten. Die Gefahr, dass es zu tätlichen Auseinandersetzungen kommt, war damit sehr hoch.“

So erkläre sich auch die enorme Anzahl von 900 Platzverweisen. Zum letzten Jahreswechsel 2017/18 waren es am Hauptbahnhof laut Bundespolizei gerade 200. Auch der Vergleich zu anderen Regionen verdeutlicht Leipzigs Sonderstatus: Für den Bereich des Kölner Hauptbahnhofes wurden in der Silvesternacht 26 Platzverweise ausgesprochen und vier Personen in Gewahrsam genommen, in der Kölner Innenstadt waren es 86 Platzverweise. Und in ganz Nordrhein-Westfalen sprach die Polizei nach Medienberichten 1257 Platzverweise aus. Am Leipziger Hauptbahnhof wurden allein bis Mitternacht schon 350 Leute weggeschickt.

Migrationshintergrund nicht entscheidend

Entschieden trat die Bundespolizei vereinzelten Vorwürfen entgegen, gezielt Migranten kontrolliert und zurückgewiesen zu haben. Das sei keineswegs der Fall gewesen. Allerdings hatten nach Einschätzung der Einsatzkräfte mindestens 75 Prozent der Personen, die sich in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof bewegten, einen Migrationshintergrund, darunter eben auch Leute, die verreisen wollten. „Für uns war bei den Kontrollen nicht das Kriterium Migrationshintergrund wichtig, sondern ausschließlich, ob eine Reiseabsicht bestand oder nicht“, stellte die Behördensprecherin klar.

Gleichwohl sei bei dem Einsatz auch die Gefahr zu berücksichtigen gewesen, dass sich zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen Auseinandersetzungen ergeben könnten. Erst im Dezember hatte das sächsische Innenministerium auf eine Landtagsanfrage für das Bahnhofsumfeld festgestellt: „Aufgrund sich ablehnend gegenüberstehender Nationalitäten bzw. Ethnien sind Ausein­andersetzungen, die überwiegend anlasslos erfolgen, jederzeit wahrscheinlich.“ Hintergrund der Warnung waren massive Konflikte in der jüngeren Vergangenheit am Hauptbahnhof „zwischen afghanischen und anderen arabischen Personen, die teilweise mit Messern und anderen Schnittwerkzeugen geführt wurden“.

In der Silvesternacht kam es, wie berichtet, zu drei gewaltsamen Übergriffen: An der Hauptbahnhof-Westseite trat eine Gruppe auf ein am Boden liegendes Opfer ein, 50 Meter entfernt wurde ein weiterer Mann zusammengetreten. Als ein Rettungswagen die Erstversorgung der Verletzten übernehmen wollte, griffen die Schläger auch sie an. Ein Tunesier (19) wurde deshalb festgenommen.

Angesichts dieser vergleichsweise wenigen Zwischenfälle bewertet die Bundespolizei ihren Silvestereinsatz als erfolgreich. Mit welcher Strategie der nächste Jahreswechsel in Leipzig abgesichert werden soll, hänge von der aktuellen Lagebeurteilung ab.

Von Frank Döring

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