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Das Phänomen Lisa P. - warum ging die 12-jährige Leipzigerin mit ihrem Entführer?

Das Phänomen Lisa P. - warum ging die 12-jährige Leipzigerin mit ihrem Entführer?

Warum geht Lisa P., ein elf Jahre altes Mädchen, freiwillig mit ihrem Entführer mit? Eine erschütternde Antwort darauf gab gestern am Landgericht Leipzig, beim Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Mario F.

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Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. (30), Psychologe Steffen Dauer.

"Sie ist in abnormen Verhältnissen aufgewachsen und von der Mutter emotional vernachlässigt worden." Als Lisa P. neun war, wurde sie in die Obhut des Vaters gegeben. Doch er war mit der Erziehung des Mädchens und ihrem behinderten Bruder überfordert. Der Psychologe: "Die Beziehungsmuster in der Familie funktionierten nicht. Lisa war deshalb wie ein Schwamm, der alles aufgesogen hat, was ihr angeboten wurde." Mit Mario F., einem Bekannten der Mutter, tauchte sie zum Jahreswechsel 2011/12 unter.

Der Fall des über Wochen vermissten Kindes sorgte bundesweit für Schlagzeilen, die Polizei suchte mit einem Großaufgebot. Mario F., so hieß es damals, habe eine Liebesbeziehung zu Lisa P., die wie eine 13- bis 15-Jährige wirkte, aufbauen wollen. Nach der Öffentlichkeitsfahndung gab es einen entscheidenden Hinweis - in einer Laube in Berlin-Marienfelde konnten der damals 28-Jährige und Lisa P. aufgespürt werden. Daraufhin folgte die Anklage: Denn auch wenn das Mädchen freiwillig mitging, ist der Tatbestand der Kindesentziehung erfüllt. Schwer wiegt zudem der Vorwurf, dass sich Mario F. an der Elfjährigen vergangen haben soll. Er bestritt den Geschlechtsverkehr. Lisa P. beschuldigte ihn allerdings während des Ermittlungsverfahrens des schweren sexuellen Missbrauchs, zog später diese Aussage jedoch wieder zurück. Am Landgericht wurde sie unter Ausschluss des Angeklagten sowie der Öffentlichkeit angehört. Beim ersten Mal äußerte sich die inzwischen 13-Jährige nicht, weinte nur. Beim zweiten Mal machte sie wenige Angaben, sagte: "Der Täter soll sich einfach verantworten." Und: "Ich bin froh, wenn er weg ist."

Nach den Worten des Psychologen handelt es sich bei Lisa P. um ein überdurchschnittlich intelligentes Mädchen (mit einem IQ von 108). "Sie ist klug, wählt aus, wann und was sie sagt", meinte der Gutachter. Er sprach von einer ungewöhnlichen Situation, einem Phänomen. "Sie wirkt nicht nur etwas frühreif, sie ist es auch." Lisa P. lebt jetzt in einem Kinderheim. In erster Instanz vor dem Amtsgericht wurde Mario F. wegen Entführung und schweren sexuellen Missbrauch zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt (die LVZ berichtete). Dagegen legte er Berufung ein. Das Landgericht entscheidet am 21. Januar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.01.2014

Sabine Kreuz

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