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Polizeiticker Leipzig „Der Angeklagte hat zwei Leben vernichtet“
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig „Der Angeklagte hat zwei Leben vernichtet“
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15:59 04.05.2018
Angeklagter Sascha S. im Gerichtssaal. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Im Prozess um schwerste Misshandlungen eines drei Monate alten Babys in Leipzig-Grünau hat das Landgericht am Freitagmorgen sein Urteil verkündet. Der angeklagte Vater Sascha S. (28) muss wegen schwerer Körperverletzung für vier Jahre hinter Gitter. Außerdem soll er an seinen Sohn, der infolge der Tat schwerstbehindert ist, 200 000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Keine Erinnerung, aber ein Geständnis

Die 5. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Berthold Pfuhl sah es als erwiesen an, dass der Ex-Soldat am 8. August 2016 in der Familienwohnung in der Ringstraße schlichtweg genervt war, weil das Baby schrie. „Er schüttelte es fünf Sekunden sehr heftig“, so Pfuhl. „Mit seiner Tat hat der Angeklagte zwei Leben vernichtet – sein eigenes und das seines Kindes.“

Infolge der massiven Gewalt geriet der Säugling in einen lebensbedrohlichen Zustand, erlitt schwerste irreparable Hirnverletzungen, eine Schädelfraktur und Rippenbrüche. Der inzwischen knapp zwei Jahre alte Junge befindet sich in einer Art Wachkoma, ist blind und wird künstlich ernährt. „Als Erwachsener wird er weder kommunizieren, noch laufen, sitzen oder greifen können“, schilderte Pfuhl. Ein Leben im Pflegeheim.

Zum Prozessauftakt am 14. März hatte Sascha S. ein Geständnis abgelegt. Aufgrund der gesamten Umstände – die Mutter des Kindes war zur Tatzeit zu Terminen unterwegs und er mit seinem Sohn allein – könne nur er es gewesen sein. Allerdings fehle ihm die Erinnerung daran. Für das Gericht mutete diese Erklärung merkwürdig an, wie Pfuhl sagte. Ausschließen könne man dies jedoch nicht.

Staatsanwaltschaft wollte längere Haftstrafe

Im Gegensatz zur Anklage der Staatsanwaltschaft wertete das Gericht den massiven Übergriff nicht als Misshandlung von Schutzbefohlenen, denn dies würde eine Tat aus gefühlloser Gesinnung unterstellen. Bei dem Angeklagten sei das aber nicht mit Sicherheit feststellbar, so der Vorsitzende Richter. Vielmehr gehe man von einem „Augenblicksversagen“ aus.

Mit seinem Urteil entsprach das Gericht der Forderung der Verteidigung, die für nicht mehr als vier Jahre Freiheitsentzug plädiert hatte. Die Staatsanwaltschaft hielt eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren für angezeigt.

Mutter hat ihren Sohn seit einem Jahr nicht besucht

Während des Strafprozesses spielten auch die zivilrechtlichen Ansprüche des Opfers eine Rolle, dessen Intensivbetreuung monatlich 14 500 Euro kostet. Sascha S. hatte bereits über seinen Verteidiger erklären lassen, dass er momentan zwar mittellos sei, aber anerkenne, für den Schaden haften zu müssen. 200 000 Euro Schmerzensgeld hielt das Gericht angesichts der lebenslangen Folgen, unter denen das Opfer leiden muss, für angemessen. Nach seiner Haftzeit will sich der verurteilte Vater um sein ans Bett gefesseltes Kind kümmern. Die Mutter des Schwerstbehinderten hat ihren Sohn nach Angaben des Jugendamtes vor einem Jahr zum letzten Mal besucht. Anfragen, wie es dem Kleinen geht, gab es seither nicht.

Von Frank Döring

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