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Der Tag in Leutzsch: Ausnahmezustand im Wohnviertel

Zusammenfassung vom Derby Der Tag in Leutzsch: Ausnahmezustand im Wohnviertel

Die befürchteten Krawalle blieben beim Derby zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lok am Sonntag aus. Die Zusammenfassung des Tages.

Lok-Fans kommen am Straßenbahnhof Leutzsch an.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.. Das Derby im Sachsenpokal zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lok Leipzig ist am Sonntag aus Polizeisicht ohne Vorkommnisse abgelaufen. „Es ist alles ruhig geblieben“, sagte Polizeisprecher Andreas Loepki. Für die Absicherung der Partie zwischen einem Viert- und einem Fünftligisten waren allerdings mehrere Hundertschaften der Beamten, schwere Technik, eine Reiterstaffel und ein Hubschrauber notwendig.

Beide Fanlager rasselten schon seit Wochen ordentlich mit dem Säbel und schickten immer wieder Botschaften und Provokationen an die andere Seite. Höhepunkt waren in der zurückliegenden Woche, an Leipziger Brücken aufgehängte grüne Puppen, die offenbar Chemie-Spieler zeigen sollten.

Mit mehreren Hundertschaften war die Polizei zum Sachsenpokalspiel zwischen Chemie und Lok Leipzig unterwegs.

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Die Polizei trennte beide Lager streng und verhinderte mit ihrer Taktik ein Aufeinandertreffen rund um den Alfred-Kunze-Sportpark. Fans des 1. FC Lok reisten aus Probstheida mit sieben Shuttlebussen an. Einsteigen durfte am Bruno-Plache-Stadion nur, wer eine gültige Eintrittskarte vorweisen konnte. Im kompletten Stadtteil Leutzsch galt für 150 als „Gewalttäter Sport“ bekannte Personen zudem ein Aufenthaltsverbot. Darauf pochte die Polizei am Sonntag auch noch einmal bei der Abfahrt der Busse per Lautsprecherdurchsage. Die Beamten wiesen auf Kontrollen bei der Ankunft hin und drohten bei Verstößen einen Nachmittag im Polizeigewahrsam an. Einige Fans verließen danach die Busse wieder.

In Leutzsch stoppten die LVB-Fahrzeuge in der Rathenaustraße im beschaulichen Villenviertel. Die größtenteils schwarz gekleideten und mit Sonnenbrillen ausgestatteten Anhänger der Blau-Gelben wurden zu einer Schleuse am Straßenbahnhof Leutzsch geleitet. Dort hatten die Beamte sogenannte Hamburger Gitter aufgebaut, um den Fanstrom zu kanalisieren. Immer in Gruppen zu 40 Mann ging es dann durch einen Fußgängertunnel auf die andere Seite der Bahngleise und anschließend in Richtung Gästeblock des Alfred-Kunze-Sportparks.

Rund 1000 Anhänger der BSG trafen sich ebenfalls am Vormittag in Connewitz am Herder-Platz und reisten gemeinsam von der S-Bahnstation „MDR“ bis nach Leutzsch. Auch sie wurden ebenfalls von Beamten bis zum Norddamm eskortiert.

Der Stadtteil im Leipziger Westen befand sich im Ausnahmezustand. Vor Ort machte sich Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz ein Bild von der Lage. Wasserwerfer und Räumpanzer fuhren auf, die Reiterstaffel patroullierte und in der Luft kreiste ein Hubschrauber. Die Zufahrtsstraßen zur Rathenaustraße wurden zeitweise von Polizeifahrzeugen blockiert. Zwischen dem Leutzscher Bahnhof und dem Haus Auensee, das betraf die Gustav-Esche-Straße und die Straße Am Ritterschlößchen, durfte nur der Linienbus 80 fahren. Allerdings wurde die Haltestelle Sportpark in der Zeit von 11 bis 16.30 Uhr nicht bedient.

Im Vorfeld waren Krawalle befürchtet worden, weil die rivalisierenden Fanlager nach mehreren Jahren Pause wieder aufeinandertrafen. In den sozialen Netzwerken hatten sich befreundete Anhänger als Unterstützer angesagt. Bei Chemie waren das vor allem Fans von Eintracht Frankfurt, bei Lok die Ultras des Halleschen FC, des BFC Dynamo und von Rot-Weiß Erfurt.

BSG-Vorsitzender Frank Kühne gab sich kurz vor dem Anpfiff entspannt. "Ich bin draußen herumgegangen, habe mit Leuten gesprochen. Alle sind bisher zufrieden. Alles läuft reibungslos." Ein Vorfall beschäftigte die Beamten dann doch noch am Rande. Ein Geländer im Lok-Block hatten Unbekannte mit Schmierfett eingerieben, berichtete Polizeisprecher Loepki. Verantwortliche der BSG und die Feuerwehr hätten es noch vor dem Anpfiff wieder gereinigt. Die Gäste wurden auf die Verunreinigung hingewiesen.

Die Sicherheit für das Hochsicherheitsspiel gab es allerdings nicht umsonst. 25.000 bis 30.000 Euro mussten die Leutzscher laut Kühne dafür locker machen. Die Summe wird von den Einnahmen abgezogen. Die Restsumme teilen sich, wie bei Pokalspielen üblich, beide Vereine.

Die Lok-Fans wurden wie bei der Hinfahrt wieder zurück nach Probstheida transportiert. Dort trafen sie weitere Anhänger beim Public Viewing und später auch die Mannschaft zur Siegerfeier.

Am Abend zeigte sich die Polizei mit ihrem Einsatz zufrieden und sprach nur von kleineren Straftaten am Rande. "Angesichts der befürchteten Szenarien fallen diese kaum ins Gewicht", so die Ordnungshüter. Die Beamten notierten zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz, eine Sachbeschädigung, eine Körperverletzung, einen Diebstahl und einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz durch je drei Täter beider Fanlager.

Matthias Roth/Andreas Tappert/Matthias Klöppel

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