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Polizeiticker Leipzig Detlev G. muss lebenslang hinter Gitter
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Detlev G. muss lebenslang hinter Gitter
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16:30 22.02.2018
Dem Angeklagten Detlev G. (vorn) werden im Landgericht vor dem Neubeginn seines Prozesses die Handschellen abgenommen Quelle: dpa
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Leipzig

Mit überaus grausigen Details begann am Mittwoch das Revisionsverfahren am Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig – angefangen vom Fesseln und Strangulieren des Opfers über das Abtrennen des Kopfes und der Entnahme von Organen bis hin zum Vergraben der Leichenteile hinter der Pension von Detlev G. im erzgebirgischen Gimmlitztal. Das Gericht ging noch einmal im Detail dem nach, was sich am 4. November 2013 im Keller der Pension des Täters ereignete. Schilderte, wie und warum der ehemalige Kriminalbeamte sein Opfer, den aus Hannover stammenden 59-jährigen Geschäftsmann Wojciech S., tötete, der auf einer Kannibalismus-Seite im Internet auf den Polizisten aus Sachsen gestoßen war.

Revisionsanträge von beiden Seiten

Aus Sicht des BGH wichtige Details. Denn die obersten Richter hatten am Mittwoch darüber zu befinden, ob das Verfahren gegen den Verurteilten erneut – und damit zum dritten Mal – aufgerollt werden soll oder die Revisionsanträge abzulehnen sind. Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft waren in Widerspruch gegangen. Die Staatsanwaltschaft, weil sie das Ende 2016 vom Landgericht Dresden gegen den heute 60-Jährigen verhängte Urteil von acht Jahren und sieben Monaten Freiheitsentzug für nicht ausreichend befindet.

Die Dresdner Richter hatten wie schon im ersten Prozess den Kriminalbeamten zwar wegen Mordes und Störung der Totenruhe für schuldig befunden, ihn aber erneut nicht zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidigung ging in Revision, weil sie das Urteil für zu hart hält. Im Pensionskeller im Erzgebirge sei nichts geschehen, was der Unternehmer Wojciech S. nicht gewollt habe. Sein Mandant habe stets betont, nur die Wünsche des Geschäftsmannes erfüllt zu haben, sagte Verteidiger Endrik Wilhelm.

Mord bleibt Mord?

Der BGH blieb seiner Linie treu. Wie schon im ersten Revisionsverfahren kritisierten die Bundesrichter, dass der Beweisführung ein härteres Urteil hätte folgen müssen. Die Dresdner Strafkammer war davon ausgegangen, dass die Tat zur Befriedigung des Geschlechtstriebs und zur Ermöglichung einer Straftat (Störung der Totenruhe) begangen wurde. Allerdings bezogen sich die Dresdner in ihrem Urteil auf die sogenannte Rechtsfolgenlösung. Diese lässt bei Mord ein geringeres Strafmaß als lebenslange Haft zu. Angewandt wird eine solche Regelung beispielsweise, wenn ein Ehepartner den anderen nach jahrelangem Martyrium getötet hat.

Nach Meinung der Dresdner greift sie auch hier, da der Geschäftsmann aus Hannover mit der Tötung durch Detlev G. nicht nur einverstanden, sondern dies auch sein unbedingter Wille war. Wenn jemand wirklich getötet, geschlachtet und gegessen werden wolle, so hieß es, dann könne für den Täter keine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden.

Revision der Verteidigung abgewiesen

Der BGH folgte dem nun auch im zweiten Revisionsverfahren nicht. Es wies die Revision der Verteidigung ab, griff hingegen den Strafantrag der Staatsanwaltschaft auf. „Das Landgericht hat das Einverständnis des Getöteten zu Unrecht als einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der von der Rechtssprechung entwickelten Rechtsfolgenlösung angesehen“, sagte der Vorsitzende Richter am 5. Strafsenat, Norbert Mutzbauer. „Entlastende Umstände wie eine Notlage des Täters, große Verzweiflung oder schwere Kränkung durch das Opfer haben nicht vorgelegen.“ Der Polizist habe zur Befriedigung eigener Lust getötet und das Opfer zerstückelt.

Soll heißen: Mord muss auch wie Mord bestraft werden, also mit lebenslanger Haft. Selbst wenn der Ermordete gern ermordet werden wollte.

Verteidiger zweifelt Gutachten an

Zuvor hatte die Verteidigung vergeblich darauf abgestellt, dass dem Sachsen der Mord nicht zweifelsfrei nachzuweisen ist. So zweifelte Verteidiger Endrik Wilhelm bisherige Gutachten über den Tathergang im Keller an. Er forderte, dass die Strangulation im Detail nachzustellen sei. Denn der Täter hat zwar Videoaufnahmen am besagten 4. November 2013 im Keller gemacht, allerdings nur vom Opfer vor der Strangulation und später vom Zerlegen der Leiche und seiner Selbstbefriedigung dabei. Laut Staatsanwalt sprechen die Indizien aber gegen den Täter. Er habe in einer ersten Vernehmung die Tat eingeräumt. Detlev G. hatte gesagt, er habe Wojciech S. mit einem Kehlschnitt getötet, dies später aber widerrufen und zuletzt behauptet, der Mann habe sich selbst erhängt. Die Anklage bezweifelte das. Im Chat zwischen Opfer und Täter sei ausschließlich davon die Rede gewesen, dass S. sich schlachten lassen wolle. Dass der Kriminalbeamte letztlich zur Tatzeit das Aufnahmegerät ausgeschaltet hat, liegt laut den Richtern nur daran, dass er sich bewusst war, welche Beweiskraft das vor Gericht haben könnte. In Summe sei erwiesen, dass Detlev G. den Niedersachsen getötet habe.

Schon 2010 hatte der BHG im Fall des „Kannibalen von Rotenburg“ ein Urteil der Vorinstanz (Totschlag) kassiert und in lebenslange Haft umgewandelt. Auch hier hatte der Täter einen Mann auf Verlangen getötet (und ihn später verzehrt).

Andreas Dunte

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