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„Die Situation war lebensbedrohlich“: Beamte rechtfertigen Schüsse auf Messerstecher

Vor Gericht „Die Situation war lebensbedrohlich“: Beamte rechtfertigen Schüsse auf Messerstecher

Im Prozess gegen einen Messerstecher rechtfertigten am Freitag zwei Polizisten, die am 8. Juni 2014 gegen 3.30 Uhr in Lindenau auf einen Mann geschossen hatten, ihren Einsatz der Pistole.

Ermittler rekonstruieren nach den Polizei-Schüssen mit großem Aufwand die Tatnacht vom Juni 2014 in Lindenau.

Quelle: Holger Baumgärtner

Leipzig. Im Prozess gegen einen Messerstecher rechtfertigten am Freitag zwei Polizisten, die am 8. Juni 2014 gegen 3.30 Uhr in Lindenau auf einen Mann geschossen hatten, ihren Einsatz der Pistole. „Ich schätzte die Situation als akut lebensbedrohlich ein“, berichtete David S., ein 26 Jahre alter Beamter, am Landgericht. Die Distanz zwischen seinem Kollegen und dem bewaffneten Unbekannten sei nur noch „extrem kurz“ gewesen. Hätte er nicht geschossen, wäre sein Kollege womöglich nicht mehr unter uns, meinte der Polizist.

Wie berichtet, waren in jener Nacht mehrere Notrufe abgesetzt worden, nachdem ein Party-Gast vom Westwerk in der Karl-Heine-Straße zunächst drei Besucherinnen angegriffen, zudem einen Türsteher mit dem Messer verletzt und danach die Flucht ergriffen hatte.

Bei der beabsichtigten Festnahme des Flüchtenden im Bereich Merseburger Straße/Endersstraße eskalierte jedoch die Situation. Nach Angaben des zweiten Beamten, der zur Waffe gegriffen hatte, reagierte der Messer-Mann auf gar nichts. „Er kommunizierte auch nicht mit uns“, so Polizeihauptkommissar Markus H. (34). Er habe dem Täter den Einsatz von Pfefferspray angedroht, es schließlich auch eingesetzt. „Es gab keine Reaktion, er wischte es lediglich mit der linken Hand ab.“

In jener Nacht zu Pfingsten 2014 sei es relativ warm gewesen, erinnerte er sich. „Alle Kneipen waren noch geöffnet.“ Der Täter hätte Unbeteiligte attackieren können, habe gestoppt werden müssen. „Zumal mehrere Straftaten vorausgegangen waren.“ Wie der Beamte Markus H. gestern weiter berichtete, habe er dem Beschuldigten dann „einen Sprung-Tritt in den Rücken versetzt“. Doch auch das habe keine Wirkung gezeigt. „Plötzlich drehte er sich um, lief mit dem Messer vor der Brust in meine Richtung. Ich drohte ihm an zu schießen.“

Doch der Täter sei weiter auf ihn zugekommen. „Ich denke, er hätte auf mich eingestochen.“ Zeitgleich gaben beide Beamte mehrere Schüsse auf den Täter ab. Er brach zusammen, erlitt schwere Verletzungen am rechten Oberarm, dessen Funktion auch heute noch erheblich eingeschränkt ist.

Die Staatsanwaltschaft bewertete sowohl den Angriff auf den Polizeibeamten H. als auch den betroffenen Türsteher Maxim K. (22) vom Westwerk als versuchten Totschlag. Nach Vorliegen des psychiatrischen Gutachtens ist der Beschuldigte Jörg T. (44) aufgrund seiner Erkrankung jedoch schuldunfähig. In dem voraussichtlich bis 13. Juli laufenden Sicherungsverfahren geht es darum, ob der Mann weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und dauerhaft in die Psychiatrie muss.

Beide Beamte waren nach dem Einsatz der Waffe mehrere Wochen krank, nahmen teils auch psychologische Hilfe in Anspruch. Die gegen beide eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt stellte die Staatsanwaltschaft inzwischen wieder ein. Die Ermittlungsbehörden hatten im Oktober 2014 eine aufwendige Rekonstruktion des Tatablaufes veranlasst, auch um zu untersuchen, ob der Schusswaffengebrauch gerechtfertigt war.

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