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Dieb droht Detektiv mit Aids-Spritze – Prozess am Leipziger Landgericht

Drogenabhängiger gesteht Dieb droht Detektiv mit Aids-Spritze – Prozess am Leipziger Landgericht

Er drohte mit einer Aids-Spritze, um seine Flucht zu erzwingen. Doch der Ladendetektiv, der den Wodka-Dieb in einem Leipziger Supermarkt erwischt hat, ließ sich auch von der benutzten Nadel nicht einschüchtern. In diesem Fall um besonders schweren räuberischen Diebstahl will das Landgericht Leipzig am 24. März urteilen.

Eine schmutzige Spritze als Drohmittel.

Quelle: dpa

Leipzig. Er drohte mit einer Aids-Spritze, um seine Flucht zu erzwingen. Doch der Ladendetektiv, der den Wodka-Dieb vor einem Jahr in einem Grünauer Supermarkt erwischt hat, ließ sich auch von der benutzten Nadel nicht einschüchtern. In diesem Fall um besonders schweren räuberischen Diebstahl, der derzeit am Landgericht Leipzig verhandelt wird, ist das Urteil für den 24. März geplant. Dieb Matthias L. (40) hat bereits gestanden.

„Erst im Nachhinein wurde mir klar, wie leichtsinnig ich war“, meinte der betroffene Detektiv, der als Zeuge vor Gericht angehört wurde. „Der Täter wollte flitzen. Da habe ich ihn gepackt, gegen eine Glastür gedrückt und seinen Arm fixiert“, berichtete der 54-Jährige. Dass ihm leicht etwas hätte passieren können, sei ihm erst so richtig klar geworden, nachdem der Dieb letztlich aufgegeben hatte und der Inhalt seines Rucksackes zutage befördert wurde: „Da sah ich viele Spritzen, gebrauchte und ungebrauchte.“

Dem Geständnis des Angeklagten zufolge ist er schwer drogenabhängig, spritzte sich zuletzt Heroin. In dem Real-Markt an der Ludwigsburger Straße hatte er am 22. Februar 2016 fünf Flaschen Wodka gestohlen. „Die wollte ich zu Geld machen, um mir wieder Drogen kaufen zu können“, so der gebürtige Torgauer.

Als Sicherheitsmitarbeiter Matthias G. den Mann trotz der Spritze in dessen Hand festhielt, „war ich aufgeputscht und voller Adrenalin, dass ich die Gefahr gar nicht so realisiert habe“, sagte er und fügte hinzu: „Den Fall vergesse ich nie.“ So etwas habe er zum ersten Mal erlebt.

Staatsanwältin Sybill Petersen warf dem Angeklagten vor, die Spritze als „gefährliches Werkzeug“ eingesetzt zu haben. Wegen der damit verbundenen höheren Strafandrohung wird am Landgericht verhandelt. Tatsächlich an Aids erkrankt war der Mann nicht.

Ein ähnlicher Spritzen-Fall hatte 2016 in Leipzig mit viereinhalb Jahren Haft geendet. Dabei musste sich ein Italiener (37) für zwei Raubüberfälle auf Tankstellen verantworten. Er hatte jeweils eine mit seinem Blut gefüllte Spritze als Waffe benutzt, Kassiererinnen bedroht – zugestochen letztlich nicht. Weil er mit Hepatitis C infiziert war, bestand für die Opfer eine hohe Gefährdung. Und zu immerhin sieben Jahren Haft wurde ein Kaffee-Dieb verurteilt, der 2015 in einem Supermarkt in Bonn erwischt worden war. Er hatte einem Kunden, der ihn stoppen wollte, tatsächlich mit einer vermeintlich verseuchten Hepatitis-Spritze in die Wange gestochen.

Im aktuellen Leipziger Fall werde das frühzeitige Geständnis strafmildernd berücksichtigt, kündigte der Vorsitzende Richter Rüdiger Harr bereits an. Zudem komme die Unterbringung im Maßregelvollzug in Betracht. Der Angeklagte selbst möchte gern eine Therapie. Er hatte Mitte 2016 erkannt: „Ich bin ganz tief unten. Die Drogen haben mich im Griff. Entweder werde ich gefasst oder ich spritze mich zu Tode.“ Um der Spirale in Leipzig zu entkommen, sei er fortgegangen – nach Köln, um ein neues Leben zu beginnen. Dort holte ihn sein altes ein, er wurde am 30. November gefasst und kam in Untersuchungshaft. Auf sein Konto gehen noch weitere Ladendiebstähle.

Von Sabine Kreuz

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