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Diebische Umarmer in Leipzig - Kriminelle machen Nachtleben unsicher

Diebische Umarmer in Leipzig - Kriminelle machen Nachtleben unsicher

Es war mitten in der Nacht in der Peterstraße, als die Täter ihr Opfer umarmten. Sie drückten den Mann, sie herzten ihn - und sie klauten sein Mobiltelefon. Immer häufiger werden vor allem Nachtschwärmer von solchen Umarmern oder auch Tänzern ausgenommen.

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Brodelndes Nachtleben: Wer hier wildfremde Menschen umarmt, ist nicht unbedingt freundlich gesinnt.

Quelle: Martin Schutt

Auf Anfrage der LVZ bestätigte jetzt die Polizei: Die Zahl der Fälle hat in den vergangenen Monaten massiv zugenommen.

So registrierte die Polizei im ersten Halbjahr 2013 gerade mal zwei derartige Vorkommnisse, im Mai und im Juni. Nach dem Sommer ging es dann richtig los: Im September und Oktober wurden jeweils vier Fälle bekannt, im Januar gar acht, im Februar waren es vier, im März drei. Somit haben die Umarmer und Antänzer seit Anfang vorigen Jahres insgesamt 25 Mal zugeschlagen, 15 Mal allein seit Januar 2014.

Möglicherweise sind die Fallzahlen sogar noch höher. Denn eine vollumfängliche Auskunft zur Statistik in diesem speziellen Straftatenbereich könne nicht gegeben werden, räumte Polizeisprecher Andreas Loepki ein, da die verfügbaren Recherchemöglichkeiten und Vorgaben des Datenschutzes zu Speicherfristen dies nicht ermöglichten. Aber ein deutlicher Trend ist aus seiner Sicht erkennbar. "Die vorhandenen Fallzahlen belegen, dass es eine offenbar beliebter werdende Methode ist", sagte Loepki. "Als Jagdrevier dienen neben Fußgängerpassagen vorrangig Warteschlangen vor Tanzlokalen oder die Bereiche am Ausgang." Offenbar deshalb, weil die sehr spezielle Methode, bei der die Täter wie übermütige, aber harmlose Partygäste wirken, dort den geringsten Argwohn erwecke, so der Polizeisprecher. Beuteobjekt sei zumeist das Smartphone.

Das Phänomen ist übrigens auch aus anderen Städten bekannt. In Dresden etwa suchen die Umarmer vor allem im Kneipenviertel der Neustadt nach alkoholisierten Opfern. In Bremen tauchen die Täter vermehrt im Gedränge von Konzerten und Partys auf. So verschwanden Ende des Jahres auf ei- nem Konzert innerhalb von 90 Minuten sieben hochwertige Smartphones.

In Leipzig kann es auch schon mal auf offener Straße passieren - wie am 19. März gegen 1.10 Uhr in der Jahnallee: Da tanzte ein etwa 1,65 Meter großer Mann ekstatisch vor einem Gaststudenten aus Taiwan herum, schmiegte sich an ihn. Als der Tänzer verschwunden war, fehlte auch das Geld des Studenten. "Häufig bemerken die Geschädigten den Diebstahl derart zeitlich versetzt, dass der Täter bereits das Weite gesucht hat", erklärte Loepki. Doch wer den Taschendieben sofort auf die Schliche kommt, muss mit einem Gewaltausbruch rechnen. So wurde ein Mann Ende vorigen Jahres in der Rosa-Luxemburg-Straße von Dieben verprügelt, als er sich aus deren Umarmung befreien wollte. Ein anderer wurde am Friedrich-List-Platz in den Schwitzkasten genommen und ausgeraubt.

Gefasst wurde noch keiner der diebischen Umarmer und Antänzer. "Die Verfahren laufen gegen unbekannt", so Loepki. "Es gibt bisher keine ermittelten Täter." Nach Aussagen der Betroffenen agieren die Diebe einzeln oder zu zweit. Übereinstimmend werden sie als Männer südländischen Typs beschrieben, berichtet die Polizei. Um die Beutezüge der tanzenden Diebe einzudämmen, seien verstärkt Polizeistreifen im Einsatz, besonders vom Revier Zentrum, in dessen Zuständigkeitsbereich sich 24 der 25 Fälle ereigneten. Da die Polizei die Umarmer nicht nur verjagen, sondern fassen will, tauchen nun auch zunehmend zivile Beamte ins Leipziger Nachtleben ein. Polizisten in Dresden wurden im Disko- und Party-Einsatz bereits von Kriminellen angetanzt - und umarmten zurück. Der Abend endete mit vier Festnahmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.04.2014

Frank Döring

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