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Polizeiticker Leipzig Drei Monate altes Baby fast getötet: Vater gesteht schwere Misshandlung
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Drei Monate altes Baby fast getötet: Vater gesteht schwere Misshandlung
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15:47 14.03.2018
Der Angeklagte Sascha S. bei der Neuauflage des Prozesses am Mittwoch im Landgericht. Er soll sein Baby fast getötet haben. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Überraschendes Geständnis zur Neuauflage des Prozesses um die schwere Misshandlung eines drei Monate alten Babys: Gleich zu Beginn der Hauptverhandlung am Mittwochmorgen ließ der Angeklagte Sascha S. (28) über seinen Verteidiger eine Erklärung abgeben. „Mein Mandant kann sich an das Tatgeschehen nicht erinnern, aber aufgrund der Gesamtkonstellation kann nur er es gewesen sein“, sagte Rechtsanwalt Christian Avenarius. „Er muss dem Kind die Dinge angetan haben, wie sie in der Anklageschrift beschrieben werden. Er übernimmt die Verantwortung dafür.“ Noch im Januar, als der Fall am Amtsgericht verhandelt worden war, hatte Sascha S. die Vorwürfe abgestritten und sogar versucht, den Tatverdacht auf seine frühere Lebensgefährtin und Kindesmutter zu lenken (die LVZ berichtete).

Schädel-Hirn-Trauma durch stumpfe Gewalt

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seinen Sohn Benjamin* am 8. August 2016 zwischen 7 und 9.45 Uhr in der Wohnung der Familie in der Grünauer Ringstraße heftig geschüttelt und zudem seinen Kopf mit stumpfer Gewalt schwer verletzt zu haben. Der Säugling erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, massive Hirnblutungen, Schädel- und Rippenfrakturen, Einblutungen an den Augen. „Er befand sich in einem lebensbedrohlichen Zustand“, so Staatsanwalt Michael Höhle. Auch die irreparablen Folgen für den Jungen sind erschütternd. Aufgrund der Misshandlungen befindet er sich in einer Art Wachkoma, wird durch eine Magensonde ernährt, leidet an epileptischen An-fällen, ist blind und womöglich auch taub, muss 24 Stunden am Tag überwacht werden. Zum ersten Prozess am Amtsgericht war von einem „Komplettausfall der Sinnesorgane und der neurologischen Funktionen“ die Rede.

Höhere Strafe – Amtsgericht gibt Verfahren ab

Diese extremen Auswirkungen auf das weitere Leben des Kindes sollten sich auch im Strafmaß widerspiegeln, befand das Amtsgericht und gab das Verfahren deshalb am 24. Januar an das Landgericht ab. Denn Sascha S. hat wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen und schwerer Körperverletzung eine Haftstrafe von mehr als vier Jahren zu erwarten – bei derart höheren Strafen sind Amtsgerichte nicht mehr zuständig.

Angeklagter berichtet von Streitereien

Bis Ende April will die 5. Strafkammer des Landgerichtes unter Vorsitz von Richter Berthold Pfuhl herausfinden, wie es zu der furchtbaren Tragödie in der kleinen Grü-nauer Plattenbauwohnung kommen konnte. Auf 37 Quadratmetern Wohnfläche lebte Sascha S. dort mit seiner damaligen Lebensgefährtin Linda A. (21) und ihrem Sohn. Kochnische, Bad, Schlafcouch, Fernseher, Anbauwand, Wickeltisch – viel mehr Platz gab es nicht. „Die familiäre Situation war schwierig“, so Sascha S., „wir hatten Streitereien wegen ständiger Geldsorgen.“ Aber es gab behördliche Unterstützung wie etwa eine Familienbetreuerin und eine Hebamme, welche dreimal pro Woche nach dem Kind sah. Sascha S. hatte nach eigenem Bekunden anfangs Bedenken, dass es sein leibliches Kind ist, da seine Lebensgefährtin damals noch mit einem anderen Mann zusammen gewesen sei. Die Zweifel zerstreuten sich, „als ich ihn das erste Mal auf dem Arm hatte“, so der Angeklagte. Kurz vorher saß er noch wegen Betruges im Knast, doch seine Eltern zahlten die fällige Geldstrafe, damit er zur Geburt seines Sohnes auf freien Fuß kam.

Zum Tatzeitpunkt waren Vater und Sohn allein

War er an jenem 8. August 2016 überfordert? Schon zur Verhandlung am Amtsgericht klang dies an. Linda A. hatte an diesem Morgen Termine, er war mit Benjamin allein. Niemand sonst kommt in dem fraglichen Zeitraum für die massiven Übergriffe in Frage. Doch Sascha S., der seit seiner Festnahme im Juni 2017 in Untersuchungshaft sitzt, weiß über diese Momentaufnahme seines Lebens nach eigenem Bekunden nichts mehr. „Seine Erinnerung setzt erst wieder ein, als er seinen Sohn im Arm hält, der ganz schlaff ist, und er deshalb den Notarzt ruft“, so Verteidiger Avenarius. Was er jetzt für seinen Sohn empfindet, wollte der Richter wissen. „Ich liebe ihn“, so Sascha S. weinend.

*Name des Kindes geändert

Von Frank Döring

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