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Polizeiticker Leipzig Drogen, Raub, Gewalt: Neuer Brennpunkt im Leipziger Osten
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Drogen, Raub, Gewalt: Neuer Brennpunkt im Leipziger Osten
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06:02 09.05.2018
Diese Shisha-Bar bietet nach Erkenntnissen der Polizei Straftätern einen Rückzugsort. Zahlreiche Delikte sind unter dieser Adresse registriert. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wird das die zweite Eisenbahnstraße? Im Leipziger Osten ist nach Erkenntnissen der Polizei ein neuer Kriminalitätsbrennpunkt entstanden. Vor allem im vorderen Bereich der Zweinaundorfer Straße haben sich die Fallzahlen bei Diebstahl, Raub, Körperverletzung und Drogendelikten 2017 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt, berichtet Behördensprecher Andreas Loepki auf Anfrage der LVZ.

Bekannte Dealer-Treffs sind überlaufen

Ein mutmaßlicher Grund dafür: Die bekannten Dealer-Treffs in der Eisenbahnstraße und im Umfeld des Hauptbahnhofs sind mittlerweile derart überfüllt, dass Kriminelle ihre Geschäfte auf andere Stadtgebiete ausdehnen – und sich somit auch dort Rauschgift- und Beschaffungskriminalität massiv ausbreiten. „Es ist zu vermuten, dass der Straftatenanstieg mit Verdrängungsfaktoren im Zusammenhang steht, die sich einerseits aus einer an der Eisenbahnstraße und im Bereich des Hauptbahnhofs bereits sehr verdichteten Anbieterszene und andererseits aus der dort bereits zuvor verstärkten Kontrolltätigkeit der Polizei ergeben“, so Loepki. Zumal es personelle Überschneidungen gibt: So seien einzelne Tatverdächtige, die jetzt in der Zweinaundorfer Straße aktiv sind, bereits an Straftaten an Hauptbahnhof und Eisenbahnstraße beteiligt gewesen.

Allein auf dem gut 200 Meter langen Abschnitt zwischen Täubchenweg und Ungerstraße ereigneten sich nach Angaben der Polizei im zweiten Halbjahr 2017 insgesamt 81 Straftaten, darunter 23 Körperverletzungsdelikte und 21 Diebstahl- und Raubstraftaten.

Shisha-Bar im Fokus der Ermittler

Mittendrin, an der Kreuzung zur Cichoriusstraße, befindet sich eine Shisha-Bar, die die Ermittler besonders im Blick haben. „Unter der Adresse dieses Gewerbeobjektes sind für den Zeitraum 2016/2017 insgesamt 25 Körperverletzungsdelikte, 19 Diebstähle, fünf Raubdelikte und elf Betäubungsmittelverstöße aktenkundig“, zählt Loepki auf. Hinzu kommen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (2), Sachbeschädigungen (2) sowie Verstoß gegen das Waffengesetz (1) und Inverkehrbringen von Falschgeld (1). Im laufenden Jahr registrierte die Polizei im Bereich der Shisha-Bar bereits neun Straftaten, darunter gefährliche Körperverletzung, Diebstahl und Rauschgiftdelikte.

Laut Polizei hatten die Täter bei einem merklichen Teil der erfassten illegalen Aktivitäten verbotene Waffen bei sich – Messer, Schlagringe, Schusswaffen. So traktierten am 17. Dezember 2017 sechs Unbekannte zwei Kontrahenten mit Schlägen und Tritten, setzten auch einen Holzstock, ein Messer sowie Pfefferspray ein. Am 13. Januar dieses Jahres rannte ein bislang unbekannter Tatverdächtiger im unmittelbaren Umfeld der Bar einem Mann mit einer Axt in der Hand hinterher und versuchte ihn damit zu schlagen. Dann warf er die Axt nach dem Opfer, verfehlte es aber knapp.

Szene von Nordafrikanern dominiert

Wie auch an der Drogen-Meile am Schwanenteich wird die kriminelle Szene in der Zweinaundorfer Straße von Nordafrikanern dominiert. Unter den 37 bislang ermittelten Tatverdächtigen waren sieben Deutsche, überwiegend jedoch Tunesier, Algerier und Libyer, vereinzelt auch Rumänen, Aserbaidschaner, Türken, Iraker, Libanesen, Ukrainer und Syrer. Im Zusammenhang mit den aktuellen Fällen aus diesem Jahr wird gegen vier Tatverdächtige aus dem Irak, aus Syrien und der Ukraine im Alter zwischen 21 und 39 Jahren ermittelt.

Dass immer wieder die Shisha-Bar ins Visier rückt, betrachtet die Polizei nicht als Zufall. „Es spricht mindestens für einen als sicher empfundenen Rückzugsort der Tatverdächtigen“, erläutert Loepki. „Dies ist ohne eine ihnen geltende Willkommenskultur seitens der Bar kaum denkbar.“ Nicht nur das: Die Ermittler nehmen an, dass die Täter nach ihren Aktionen aktiv durch den in der Shisha-Bar tätigen Personenkreis unterstützt werden.

Polizei kündigt intensive Razzien an

Auch wenn bisherige Komplexkontrollen in der Eisenbahnstraße, am Hauptbahnhof und in der Stuttgarter Allee in Grünau nach Angaben der Polizei keinen nachhaltigen Effekt zeigten: Im Bereich der Zweinaundorfer Straße sowie in den in der Nähe liegenden Parkanlagen an Lilien-, Koehler-, Dresdner Straße und Breite Straße, wo sich ebenfalls Dealer breitmachen, soll die Szene zunächst mit intensiveren Razzien unter Druck gesetzt werden. Wie berichtet, sind allein für diesen Monat an allen Kriminalitätsschwerpunkten im Stadtgebiet 14 Kontrollen geplant.

Zudem stehe der für den Stadtteil zuständige Bürgerpolizist des Reviers Südost mit Gewerbetreibenden im Umfeld der Zweinaundorfer Straße in Kontakt, sagt Polizeisprecher Loepki: „Sie weisen aufgrund ihrer steten Anwesenheit ein entsprechendes Problembewusstsein auf und übermitteln gelegentlich Hinweise und Beobachtungen.“

Von Frank Döring

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