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Drohne stürzt in Leipziger Rosenthal ab – und trifft beinahe Rollstuhlfahrerin

Drohne stürzt in Leipziger Rosenthal ab – und trifft beinahe Rollstuhlfahrerin

Der Schreck steckt Jürgen M. (*) und seiner Mutter Johanna noch immer in den Gliedern.  Beiden ist etwas passiert, was man vor ein paar Jahren noch für völlig unmöglich gehalten hätte: Sie wurden beim Spaziergang um ein Haar von einer Drohne getroffen.

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Beinahe hätte die Drohne die Rollstuhlfahrerin getroffen.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand (Symbolfoto)

Leipzig. Es war an einem Sonntag Mitte Januar kurz vor Mittag, als beide ins Rosental aufbrachen. Die 94-Jährige saß im Rollstuhl, ihr Sohn schob sie.

Am Zooschaufenster kam es dann zur unliebsamen Begegnung mit dem ferngesteuerten Flugobjekt: „Ich hörte noch ein Zischen wie von einem Schrapnell“, erinnert sich der 71-jährige M. „Haarscharf flog die Drohne an uns vorbei und krachte knapp einen Meter neben dem Rollstuhl meiner Mutter zu Boden.“ Für die hochbetagte Dame ein schockierendes Erlebnis.

Wenig später kam der Pilot des abgestürzten Fliegers: ein kleiner Junge mit dem Steuerungsteil vor dem Bauch. Ganz so klein war sein Spielzeug allerdings nicht. Die Drohne habe einen Durchmesser von etwa 40 Zentimetern gehabt, so M. „Doch was das Besorgniserregende war: Die Rotoren drehten völlig frei, boten außen herum keinerlei Schutz. Die Verletzungsgefahr war daher sehr hoch.“

Obwohl niemand Schaden nahm, wollte M. die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Zumal die Eltern des Jungen sich nicht einmal entschuldigt hätten, wie er sagt. M. erstattete Strafanzeige beim zuständigen Polizeirevier. Zu einem Ermittlungsverfahren kam es jedoch nicht, teilt Polizeisprecher Andreas Loepki mit. „Wenn tatsächlich jemand von einer Drohne getroffen würde, stünde der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Raum. Da dies nicht der Fall war, wurde das Vorkommnis als Sonstiger Vorgang erfasst, weil kein Straftatverdacht gegeben ist.“

Vergleichbare Fälle seien der Polizei in jüngster Zeit nicht bekannt geworden, so Loepki. Zumindest nicht in Leipzig. Bei Norderstedt (Schleswig-Holstein) stürzte voriges Jahr die Kamera-Drohne eines Ingenieurbüros über einer vielbefahrenen Kreuzung ab und knallte auf das Dach eines VW Polo. Das prominenteste Beinahe-Opfer eines Drohnenabsturzes war Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei einer Wahlkampfveranstaltung 2013 in Dresden krachte zwei Meter von ihr entfernt eine Foto-Drohne – ebenso groß wie jene im Rosental – auf die Bühne.

Aufgrund des unbestreitbaren Restrisikos sollten Drohnenpiloten eine Haftpflichtversicherung haben, bevor es in die Luft geht. Besondere Genehmigungen sind indes nicht nötig – sofern die Drohne als Hobby betrieben wird und höchstens fünf Kilogramm schwer ist. Gewerbliche Flieger brauchen eine sogenannte Aufstiegsgenehmigung vom Luftfahrtbundesamt.

Loepki empfiehlt, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen, ebenso Vorsicht und Rücksichtnahme. Anfänger sollten extreme Manöver und Reichweitentests meiden, Kinder unter Aufsicht Erwachsener Drohnen starten. M. und seine Mutter gehen noch immer gern im Rosental spazieren. Seit Kurzem jedoch mit einem bangen Blick nach oben.

(*Namen geändert)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.02.2015.

Frank Döring

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