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„Du bist meine Schlampe“

Mordprozess in Leipzig „Du bist meine Schlampe“

Die 17-Jährige Santa A. aus Syrien zieht offenbar leicht Männer in ihren Bann. Den ermordeten afghanischen Dolmetscher Farhad S. ebenso wie dessen Mörder Mohammad A. Staatsanwälte werfen ihr und ihrer Mutter Habgier vor; im Landgericht Leipzig stellte sie sich gestern als Opfer dar.

Das Leipziger Landgericht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Erst gab es keine Leiche, dann gab es ein Mordgeständnis, das wegen eines Beweisverwertungsverbot nicht verwendet werden sollte. Und gestern hieß es am Landgericht, das Mordopfer habe eine der Beschuldigten mehrfach vergewaltigt – der Prozess gegen die drei Syrer, die den afghanischen Dolmetscher Farhad S. (30) aus Habgier getötet haben sollen, ist voller Überraschungen. Wie berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft einer syrischen Mutter, deren Tochter und ihrem Freund vor, den Afghanen mit 25 Messerstichen getötet zu haben. Tochter Santa A. (17) soll den Dolmetscher, der für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge tätig war, im August 2013 als 14-Jährige in einem Asylbewerberheim in Chemnitz kennengelernt und später unter einem Vorwand nach Leipzig gelockt haben, um ihn mit den beiden Mitangeklagten zu ermorden. Anschließend räumten die Angeklagten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft das Konto des Opfers leer, plünderten dessen Chemnitzer Wohnung und verkauften seinen Audi A 3. Einen weiteren BMW 6er des Mordopfers nutzten sie selber.

Tochter Santa A. zeichnete gestern – erstmals seit Prozessauftakt im August 2016 – ein bizarres Bild von ihrer Flucht nach Deutschland und den sächsischen Asylbewerberheimen. Sie sei mit ihren Eltern und ihrem Bruder im April 2012 über die Türkei und das Mittelmeer nach Italien und dann nach Holland gelangt, schilderte sie. „Als wir dort abgelehnt wurden, haben wir beschlossen, wieder unser Glück zu versuchen und sind nach Deutschland gegangen.“ Der Vater sei in Holland geblieben und die Mutter habe sich von dem inzwischen psychisch Kranken getrennt. In Deutschland sei das Asthma des Bruders aufwendig in Krankenhäusern behandelt worden, was die Mutter stark beschäftigte.

Im Asylbewerberheim in Chemnitz sei in dieser Zeit der afghanische Dolmetscher Farhad S. auf sie aufmerksam geworden, so Santa A. „Er hat mich ständig genervt und bedrängt“, aber schließlich sei die damals 14-Jährige doch in sein Auto gestiegen und in seine Ein-Raum-Wohnung mitgegangen. Dort sei sie vergewaltigt worden, habe aber anschließend doch beschlossen, ihrem Peiniger „eine Chance“ zu geben. Daraus sei eine richtige Beziehung geworden; der Afghane habe sie sogar seiner Familie und seinen Freunden vorgestellt, berichtete Santa A. Dennoch habe er sie ohne Essen und Trinken eingesperrt und sie geschlagen. „Du bist meine Schlampe, meine Hure“, soll er gesagt haben. „Du machst alles, was ich dir sage.“ Als sie bei ihm kochte und seine Wohnung sauber machte, entdeckte sie auf seinem Handy, dass er noch mit vielen anderen Frauen Verhältnisse hatte. Sie müsse dies akzeptieren, soll er gefordert und sie dann wieder vergewaltigt haben.

Ihre Mutter Entessar A. (39) lernte zu dieser Zeit den Syrer Mohammad A. (22) kennen. Er soll eingeschritten sein, als die Auseinandersetzung mit dem Dolmetscher in der Leipziger Wohnung der beiden Frauen eskalierte: Mohammad habe den Afghanen umgebracht, während sie in einem Nebenzimmer gewesen seien, erklärten gestern Mutter und Tochter übereinstimmend. Mit Geld habe dies nichts zu tun gehabt. Santa A. habe Mohammad lediglich einen fingierten Kaufantrag für den BMW X 6 geschrieben und die Familie des Mordopfers belogen. Die Mutter gab an, die Leiche in einem Wald mitvergraben zu haben, weil Mohammad A. sich bei dem Mord die Hand verletzte und nicht mehr richtig graben konnte.

Mohammad A. bestätigt dies, hat den Mord inzwischen auch vor Gericht gestanden und so die beiden Frauen entlastet. Bei ihm ist jetzt eine Liebe für Santa A. entbrannt. Die 17-Jährige gab gestern vor Gericht an, dass sie jetzt seine Gefühle erwidert. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Andreas Tappert

Leipzig, Harkortstraße 9 51.3335738 12.3714558
Leipzig, Harkortstraße 9
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