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Ein Fall für das Leipziger Landgericht: Räuber geben sich als Kriminalisten aus

Dümmer als die Polizei erlaubt Ein Fall für das Leipziger Landgericht: Räuber geben sich als Kriminalisten aus

Zwar gaben sich drei Räuber gegenüber einem Opfer in Leipzig-Liebertwolkwitz großspurig als bewaffnete Kripo-Beamte aus, ihr Einsatz im Frühjahr 2016 war jedoch alles andere als professionell. Jetzt befasst sich das Landgericht mit dem Fall.

Gauner geben sich als Kripo-Beamte aus – ein Fall für das Leipziger Landgericht.

Quelle: dpa

Leipzig. Dümmer als die Polizei erlaubt: Zwar gaben sich drei Räuber gegenüber einem Opfer in Liebertwolkwitz großspurig als Kripo-Beamte aus, ihr Einsatz war jedoch alles andere als professionell. Nicht nur, dass sie am 14. März 2016 am Tatort das Magazin aus ihrer Waffe vergaßen, sie hinterließen auch jede Menge Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Einer der Beteiligten, der seit Donnerstag wegen schweren Raubes vor dem Landgericht steht, legte ein Geständnis ab. Die 6. Strafkammer wird voraussichtlich am nächsten Donnerstag urteilen.

Roger P. (33) spielte seinen Worten zufolge mit, weil er sich Geld für Drogen erhoffte. Am Ende aber habe er „gar nichts“ bekommen. In der Wohnung an der Seitenstraße erhielten die vermeintlichen Polizisten nur Zutritt, weil sie angeblich den Wohnungsinhaber wegen eines Einbruchs und Betäubungsmittel-Delikten suchen würden. Der Gesuchte war allerdings nicht vor Ort, nur sein Gast, sein guter Kumpel Stefan H. (37). Dieser war sofort misstrauisch geworden. „Ich hab gefragt, ob ich die Ausweise sehen könnte.“ Die hätten ihm aber die Lüge aufgetischt, dass die Kripo über keine Dienstausweise verfüge. Auch der Angeklagte konnte mit seiner Rolle – er sollte eine Dienstmarke vorzeigen – nicht überzeugen. Es handelte sich um etwas silbern Glitzerndes an einem Schlüsselanhänger. Stefan H., der offenbar selbst über Erfahrungen mit der echten Polizei verfügt, meinte jedoch: Die Dienstmarken der Kripo müssten aus Messing sein. Daraufhin sei ihm lautstark erklärt worden, die „Wumme“ sei Ausweis genug. „Ich war überfordert.“ Er habe die Männer schließlich einfach gewähren lassen. Sie schraubten den Flachbildfernseher von der Wand – und ließen den Schraubendreher am Tatort zurück. Einer hatte Durst und trank Cola – auch über diese Flasche freuten sich später die richtigen Beamten. Als Beute nahm das Trio außerdem noch zwei Laptops, zwei Handys und einen Rucksack mit wichtigen Dokumenten (Schwerbehinderten- und Herzschrittmacherausweis) des Wohnungsinhabers mit. Angeblich hatte man noch eine Rechnung offen. Die Beute behielt schließlich der Trio-Wortführer mit der (Spielzeug-)Wumme – Jürgen E. (46) – ganz allein für sich. Auf die Spur der falschen Beamten kam die Leipziger Kripo ziemlich schnell: Das Opfer in der Wohnung war sich sicher, den dritten Ganoven, Daniel B. (29), aufgrund früherer Kontakte zu kennen. Über dessen Facebook-Profil kamen ihm die Ermittler näher. Und schließlich auch seinen beiden Mittätern.

Wortführer Jürgen E. ist bereits rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, Komplize Daniel B. kam mit einem Jahr auf Bewährung davon. „Mein Gehirn war damals abgeschaltet“, gab er gestern zu. Zudem hätten sie alle drei unter erheblichem Einfluss von Drogen – Crystal – gestanden.

Auch Roger P. war bereits im Frühjahr 2016 als Mittäter bekannt – jedoch untergetaucht. Am 13. September klickten auch für ihn die Handschellen.

Von Sabine Kreuz

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