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Polizeiticker Leipzig „Eine Sprengung im Stadtgebiet ist immer ein Problem“
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig „Eine Sprengung im Stadtgebiet ist immer ein Problem“
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17:16 22.07.2016
Hier ging die Bombe hoch: Am Krater sind Reste der Wassertanks zu sehen, mit denen der Sprengkörper bedeckt war. Am Rand stürzte eine Mauer aufgrund der Druckwelle ein (links im Bild). Quelle: Foto: Dirk Knofe
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Leipzig.

Es war Zufall, dass Thomas Lange (65) gerade in der Nähe war. Als am Donnerstag um 10.55 Uhr ein verrostetes Teil auf einer Baggerschaufel in der Eutritzscher Haferkornstraße landete, saß der Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Sachsen gerade bei einer Besprechung in der Leipziger Zentrale der DB Netz AG in der etwa vier Kilometer entfernten Salomonstraße. „Ich bekam einen Anruf: Kannste mal gucken gehen, ob das wirklich eine Bombe oder nur eine Gasflasche ist“, so der mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte Sprengmeister. Es wurde für ihn einer dieser ganz langen Tage, die zeigen, dass das Entschärfen jahrzehntealter Weltkriegsbomben bei aller Erfahrung nie Routine ist. Kurz nach der Sprengung sprach die LVZ mit ihm.

Bis zum späten Nachmittag hatten Sie vor, die 75 Kilogramm schwere Fliegerbombe zu entschärfen. Warum dann doch die Entscheidung, sie um 20 Uhr vor Ort zu sprengen?

Die Bombe sah eigentlich relativ gut aus, aber eine Seite war eingedrückt. Da der Zünder so lang ist, steht in solchen Fällen diese Eindellung auf dem Zünder und er lässt sich nicht drehen. Ich hatte keine Chance, das Teil zu bewegen. Deshalb haben wir uns für eine Sprengung entschieden. Das hat mich, wie immer, ein bisschen geärgert.

Weil eine Sprengung trotz aller Erfahrung immer etwas heikel ist?

Das Ganze lässt sich schon soweit sehr gut kontrollieren. Aber eine Sprengung im Stadtgebiet ist immer ein Problem. Die letzte Bombe, die ich sprengen musste, war in Plauen. Dort war freies Gelände, eine Koppel, ein Bauernhof, Wald. Hier in der Stadt habe ich sehr viel Straßen, hinter dem Bahngelände ist fast nur Gewerbegebiet, die Bahnstrecke selbst ist wegen des Zeitfaktors eine zusätzliche Schwierigkeit.

Der Bahnverkehr musste in diesem Abschnitt über Stunden hinweg umgeleitet werden, 350 Anwohner waren von Evakuierung betroffen, ein Autohaus musste in kurzer Zeit sämtliche Neuwagen aus der Gefahrenzone umparken – aber es ist nichts Unvorhergesehenes passiert...

Eine alte Mauer ist durch die Druckwelle eingestürzt, außerdem sind Fensterscheiben in einem Gebäude gegenüber zersprungen, aber damit muss man in einer solchen Situation leben.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Welchen Schwierigkeitsgrad hatte diese Bombe für Sie?

Sechs bis sieben, mindestens. Deshalb kommt gerade bei solchen Einsätzen auch der Kontrolle eine große Bedeutung zu. Dickes Lob an die eingesetzten Polizisten und Feuerwehrleute, die wie immer gut mitgemacht haben. Vor einer solchen Sprengung muss gründlichst überprüft werden, dass am Ende nicht doch hinter einer Hausecke einer steht und guckt, den es dann unglücklicherweise treffen kann.

Über dem Einsatzgebiet flog ein Hubschrauber, die Polizei machte Durchsagen an Anwohner, Beamte durchkämmten alle Nebenstraßen. Einige Eutritzscher fanden den Aufwand etwas übertrieben.

Das war keinesfalls übertrieben. Man sieht ja, welche Wucht eine solche Bombe entfalten kann, das können sich viele nicht vorstellen. Deshalb lieber zweimal kontrollieren, als einmal zu wenig.

Von Frank Döring

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