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Enkelsohn missbraucht: Haftstrafe für 70-jährigen Rentner aus Leipzig

Urteil am Landgericht Enkelsohn missbraucht: Haftstrafe für 70-jährigen Rentner aus Leipzig

Auf dem Sterbebett soll ein Mann offenbart haben, als Kind vom Stiefvater sexuell missbraucht worden zu sein. Die Familie konfrontierte daraufhin den inzwischen 70-jährigen Rentner mit den schweren Vorwürfen. Er gab daraufhin zu, sich auch an seinem Enkel vergriffen zu haben. Am Montag wurde der Fall bereits zum dritten Mal verhandelt.

Der sexuelle Missbrauch eines Jungen durch seinen Großvater – ein Fall für das Landgericht Leipzig.

Quelle: dpa

Leipzig. Die Familie hat alle Kontakte abgebrochen. Einzig seine Ehefrau hält noch zu ihm. Sie saß am Montag auch als Zuschauerin im Landgericht, als dem inzwischen 70-jährigen Leipziger Axel W. bereits zum dritten Mal der Prozess gemacht wurde. Vorwurf: sexueller Missbrauch des Enkelsohnes in den Jahren 2008 bis 2011 – da war der Junge zwischen 10 und 13 Jahren alt. Weil der Schuldspruch bereits in der Vorinstanz rechtskräftig geworden war, ging es am Montag um die entscheidende Frage: Muss der angeklagte frühere Hausmeister tatsächlich hinter Gitter?

„Ich möchte positiv in die Zukunft blicken und gern weiter mit meiner Frau zusammenleben wollen“, sagte der Senior in seinem sogenannten letzten Wort vor der Urteilsverkündung. Axel W. hatte sich im Januar 2014 selbst bei der Polizei angezeigt. Damals handelte es sich um ein nach Ansicht der Staatsanwaltschaft allerdings „erzwungenes Geständnis“, nachdem die Familie den Rentner mit schweren Tatvorwürfen konfrontiert hatte. Denn erstmals auf seinem Sterbebett hatte einer der Stiefsöhne offenbart, als Kind vom Stiefvater sexuell missbraucht worden zu sein. Auch seinen Bruder habe es betroffen – sowie nun wiederum dessen Sohn, den Enkel des Angeklagten.

Zehn Fälle des teils schweren sexuellen Missbrauchs – Manipulationen am Geschlechtsteil des Kindes – hatte der Angeklagte bereits in der Erstverhandlung vor dem Amtsgericht Leipzig im Januar 2016 eingeräumt. Die Strafe: drei Jahre Haft. Der Staatsanwaltschaft war die Sanktion zu niedrig, der Verteidigung zu hoch. Die daraufhin folgende Berufungsverhandlung am Landgericht Leipzig (LGL) endete im August 2016 mit einer niedrigeren Strafe von zwei Jahren und acht Monaten Haft. Doch auch diese hätte den Rentner hinter Gitter gebracht. Nur Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren können zur Bewährung ausgesetzt werden. Während der Schuldspruch rechtskräftig geworden war, kreidete die Verteidigung erneut die Strafhöhe an – und hatte mit ihrer Revision Erfolg. Das Oberlandesgericht (OLG) Dresden hob das LGL-Urteil wegen Rechtsfehlern auf, verwies es an eine andere, die 2. Strafkammer. Sie hörte nun am Montag den Geschädigten an. Der mittlerweile 19-Jährige leidet unter einem schweren Trauma, nahm die Entschuldigung seines Peinigers – „zwei formale Sätze in einem Brief“ – nicht an. Am Montag wiederholte Axel W. bedauernde Worte. Doch es entstand der Eindruck: „Der Angeklagte tut sich vor allem selbst leid“, sagte Opferanwältin Ina Alexandra Tust.

Verteidiger Mario Thomas warf den Täter-Opfer-Ausgleich in die Waagschale; 2000 Euro Schmerzensgeld seien bereits übergeben worden, weitere 8000 Euro würden in Raten gezahlt. Zudem sei der Angeklagte nicht vorbestraft, schon frühzeitig zum Arzt gegangen. Sexualtherapeut Kurt Seikowski vor Gericht: „Ich sehe keine Rückfallgefahr.“ Nach Abwägen aller Umstände blieb die 2. Strafkammer bei der alten Strafhöhe: zwei Jahre und acht Monate. Der Verteidiger will erneut in Revision gehen.

Von Sabine Kreuz

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