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Polizeiticker Leipzig 10 Monate auf Bewährung: Enrico Böhm wegen Körperverletzung verurteilt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig 10 Monate auf Bewährung: Enrico Böhm wegen Körperverletzung verurteilt
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17:37 28.11.2018
Prozess im Amtsgericht Leipzig wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die Angeklagten Enrico Böhm und Annemarie K. Quelle: Kempner
Leipzig

Zum Ende der Hauptverhandlung am Mittwoch holte Enrico Böhm (36) zum Rundumschlag aus. Gegen Polizei und Justiz, auch gegen die berichtenden Zeitungen. „Das war von Anfang an ein Show-Prozess“, sagte der frühere NPD-Kreischef, „wir sind die Opfer.“ Wenig später wurden der fraktionslose Leipziger Stadtrat und dessen Lebensgefährtin Annemarie K. (32) zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Amtsrichterin Julia Weidelhofer war überzeugt, dass sich die Anklagevorwürfe im Wesentlichen bestätigt haben. Demnach sollen die beiden Beschuldigten am 2. August 2015 auf dem Weg zu einer Demo einen Radfahrer in der Sommerfelder Straße verprügelt haben. Aufgrund einer unübersichtlichen Verkehrssituation gerieten Böhm und seine Begleiterin mit Lastenradfahrer Steffen B. aneinander. In der Anklage hieß es zunächst, dass Böhm den Radfahrer abgedrängt habe, doch dafür sah das Gericht keine Nachweise. Beim Ampel-Stopp an der Zweinaundorfer Straße habe Steffen B. das Nummernschild von Böhms Wagen fotografieren wollen, worauf Böhm mit dem Pkw einen Ruck nach vorn gemacht und den Widersacher an den Schienbeinen getroffen habe.

Steffen B. schlug dann der Anklage zufolge auf die Motorhaube des Autos und die Lage eskalierte. „Die Aggressionen gingen von den Angeklagten aus“, so die Richterin. Laut Zeugen hätten beide gleichzeitig auf den Radfahrer eingeprügelt und -getreten. Am schwersten verletzt wurde indes Annemarie K., Steffen B. soll ihr massiv ins Gesicht geschlagen haben. Erwiesen sei laut Gericht auch, dass Böhm per Handy Verstärkung geordert habe, wie es die Verlobte des Radfahrers gehört haben will: „Hier ist eine Schlägerei, wir machen eine Exekution und begraben sie an Ort und Stelle.“

Sowohl Böhm als auch seine Mitangeklagte hatten dieser Darstellung zum Prozessauftakt widersprochen. Während die Staatsanwaltschaft 16 Monate Haft für Böhm und elf Monate für K. jeweils auf Bewährung gefordert hatte, plädierten beide Verteidiger auf Freispruch. „Es spricht viel dafür, dass die Angeklagten von einem sehr aggressiven Radfahrer angegriffen wurden“, so Anwältin Ines Große. Immerhin seien Polizei und Rettungsdienst ja auf Veranlassung von Annemarie K. gerufen worden. Böhms Rechtsbeistand Arndt Hohnstädter warf der Justiz überdies vor, seinen Mandanten „ohne Haftgrund rechtswidrig festgehalten“ zu haben. Der vorbestrafte Böhm saß zwei Monate in Untersuchungshaft.

Verurteilt wurden beide zu Bewährungsstrafen unter anderem wegen Körperverletzung: Böhm zu zehn Monaten, K. zu sechs Monaten und zwei Wochen. Noch im Gerichtssaal erklärte Hohnstädter auf LVZ-Anfrage, Rechtsmittel einlegen zu wollen.

Von Frank Döring

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