Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° Gewitter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Erneut Attacke auf Leipziger Moschee-Bau – „Lassen uns nicht einschüchtern“

"Mutti Merkel" Erneut Attacke auf Leipziger Moschee-Bau – „Lassen uns nicht einschüchtern“

Unbekannte haben auf dem Baugelände der neuen Moschee in Leipzig-Gohlis ein totes Schwein abgelegt. Auf dem Tier stand mit roter Farbe „Mutti Merkel“ geschrieben. Die Polizei vermutet einen politisch motivierten Hintergrund.

Blick auf den Bauplatz im Stadtteil Gohlis. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Das Baugelände für die neue Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in Leipzig-Gohlis ist am Mittwoch erneut verschandelt worden. Wie Polizeisprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ.de erklärte, fand ein Passant gegen 13 Uhr ein totes Ferkel in einem Busch, auf dem mit roter Farbe „Mutti Merkel“ geschrieben stand. Die Täter wurden nicht gesehen, es sei aber davon auszugehen, dass das Tier am Tag auf dem Gelände an der Ecke Georg-Schumann-/Bleichertstraße abgelegt wurde.

Inzwischen sei auch der Staatsschutz eingeschaltet worden. Die Ermittler gehen von einer politisch motivierten Tat aus, unter anderem gehe es auch um eine Beleidigung der Bundeskanzlerin, so Voigt weiter.

Baubeginn Anfang September mit Religionsoberhaupt

Die Ahmadiyya-Gemeinde selbst reagierte am Donnerstag mit Gelassenheit auf die Tat. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Was die Täter sich erhoffen, wird nicht passieren: Das hat keine Auswirkungen auf den Bauprozess unserer Moschee“, sagte Sprecher Rashid Nawaz gegenüber LVZ.de. Für Diskussionen stehe die Gemeinde immer bereit, Gewalt und Anschläge seien aber nicht zu tolerieren.

Die Ahmadiyya plant, Anfang September mit dem Bau ihrer neuen Moschee zu beginnen. Etwa 700.000 Euro Investitionen sind für das Projekt angedacht. „Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die jetzt geregelt werden. Dann hoffen wir auf die endgültige Baugenehmigung“, sagte Nawaz. Zur feierlichen Grundsteinlegung werde dann auch das in London lebende spirituelle Oberhaupt der Religionsgemeinschaft, Mirza Masrur Ahmad, in der Messestadt erwartet, so der Sprecher.

OBM Jung verurteilt Tat – Mann: „weiterer Tiefpunkt“

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) reagierte am Donnerstag bestürzt auf die Attacke: „Eine ganze Religionsgemeinschaft zu beleidigen, zu verunglimpfen und zu schmähen ist kleingeistig und verabscheuenswürdig. Die allermeisten Muslime sind, wie die allermeisten Angehörigen anderer Religionen auch, friedliche Gläubige, die in ihrer Konfession Halt und Orientierung finden“, so der Sozialdemokrat.

Für den Landtagsabgeordneten Holger Mann entlarven sich die Täter immer deutlicher als Demokratiefeinde. „Ein totes Schwein mit roter Beschriftung ‚Mutti Merkel’ abzulegen, ist nicht nur geschmacklos, sondern offenbart prinzipiellen Mangel an demokratischer Bildung wie Überzeugung. Symbolisch einen Menschen mit Schweinen zu vergleichen und die Kanzlerin mit dem Tod zu bedrohen ist ein weiterer Tiefpunkt und Beleg für die Verrohung des politischen Klimas“, erklärte der SPD-Politiker.

Der Anschlag am Donnerstag war nicht die erste Attacke auf die geplante Ahmadiyya-Moschee in Leipzig. Im November 2013 spießten Unbekannte blutige Schweinsköpfe auf Pfähle, platzierten diese entlang eines Trampelpfades, der über das Baugelände führt und zündeten eine Mülltonne an. Dieser Angriff löste bereits bundesweit Entsetzen aus.

Zudem gab es monatelang Hetze und Proteste im Stadtteil gegen die geplante Moschee, die von der rechtsextremen NPD angeführt wurden. Im April 2014 versuchte der damalige NPD-Politiker Alexander Kurth auch eine Petition gegen den Moscheeneubau im Stadtrat zu übergeben. Oberbürgermeister Jung verweigerte die Annahme. Befürworter des Sakralbaus hatten zuvor bereits mehr als 6000 Unterschriften gesammelt.

Matthias Puppe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr