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Erste Spur im Leipziger Drogenkrieg: Trio nach Mord am Bahnhof Leutzsch vor Gericht

Erste Spur im Leipziger Drogenkrieg: Trio nach Mord am Bahnhof Leutzsch vor Gericht

Musste Diego M. wegen eines geplatzten Drogendeals im Wert von mehr als 100.000 Euro sterben? Nach dem mysteriösen Mord am S-Bahnhof Leutzsch im Mai 2013 hat am Freitag der Prozess gegen drei Bekannte des Opfers vor dem Leipziger Landgericht begonnen.

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Die drei Angeklagten Jan S., Frank S. und Mario B. (von links): Sie müssen sich wegen Verabredung zum Mord vor dem Leipziger Landgericht verantworten.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Erstmals wurden dabei Hintergründe zu dem brutalen Verbrechen an dem Deutsch-Bolivianer bekannt. Im Mittelpunkt steht jedoch nicht der Mord selbst – es geht um die geplante Tötung eines Dresdner Geschäftsmanns.

Es war am Abend des 19. Mai 2013, als ein Zugführer Diego M. tot zwischen den Gleisen in Leutzsch entdeckte. Der 23-jährige Leipziger soll laut Anklage zwischen 19 und 19.30 Uhr durch einen gezielten Kopfschuss regelrecht hingerichtet worden sein. Vom Täter oder möglichen Hintermännern fehlte bislang jede Spur, auch zu Hintergründen der Tat hielten sich die Ermittler äußerst bedeckt. Der Prozess, der am Freitag mit der Verlesung der Anklageschrift begann, könnte nun jedoch Licht ins Dunkel bringen.

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Leipzig. Der Prozess um ein Mordkomplott im Drogenmilieu gegen einen Dresdner Geschäftsmann ist mit Freisprüchen zu Ende gegangen. Das Landgericht Leipzig sprach am Donnerstag zwei 33 und 26 Jahre alte Brüder sowie einen 33 Jahre alten Kompagnon vom Vorwurf der Verabredung zum Mord frei - und zwar aus Mangel an Beweisen.

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„Sie wollten ihn mit einem Kopfschuss umbringen“

Auf der Anklagebank sitzen drei junge Männer, Bekannte von Diego M., die offenbar in dessen Drogengeschäfte eingeweiht waren. Die Leipziger wollten laut Anklageschrift den Dresdner Geschäftsmann Vincenzo G. umbringen. Nach einem geplatzten Drogengeschäft, das M. im Mai mit seinem Leben bezahlte, soll er ihnen gedroht haben. Nach Angaben des Landgerichts ging es bei dem missglückten Deal in Leutzsch um Betäubungsmittel im Wert von 105.000 Euro. Das verlorene Geld wollte der Dresdner laut Anklage von Diegos Freunden eintreiben.

Da die Männer – zwei Brüder im Alter von 32 und 25 Jahren sowie ein 33-Jähriger –  offenbar nicht bezahlen wollten, sollen sie im August 2013 einen Mordplan geschmiedet haben. „Sie wollten sich eine Waffe besorgen, den Mann in Dresden aufsuchen und ihn mit einem Kopfschuss umbringen“, so ein Sprecher des Landgerichts gegenüber LVZ-Online. Die Polizei hörte jedoch Telefonate und SMS der Verdächtigen ab und nahm das Trio am 28. August fest. Der geplante „Gegenschlag“, so der Gerichtssprecher, wurde damit verhindert. Seitdem sitzen die Männer in Untersuchungshaft, sie streiten jedoch alle Vorwürfe als „Missverständnis“ ab.

Drogen und Geld bislang verschwunden

Die Polizei konnte bislang weder das Geld noch Drogen oder eine Waffe finden. Auch wer für den Mord an Diego M. in Leutzsch verantwortlich war, ist bislang unbekannt. Eine im Herbst gegründete Soko „Connect“ der Polizei sucht noch immer nach Zusammenhängen zu anderen Straftaten im Drogenmilieu, wie den beiden Schießereien in der Eisenbahnstraße sowie den Schüssen auf einen 26-Jährigen im April in Reudnitz – bislang offenbar erfolglos.  „Die Ermittlungen dauern weiter an“, sagte Ricardo Schulz, Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, auf Anfrage von LVZ-Online. „Im Rahmen des Falls Leutzsch gab es jedoch neue Erkenntnisse, die zu dem aktuellen Verfahren geführt haben“, erklärte der Oberstaatsanwalt.

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Am Bahnhof Leipzig-Leutzsch war Diego M. am 19. Mai 2013 tot im Gleisbett gefunden worden. Er wurde durch einen Kopfschuss regelrecht hingerichtet.

Quelle: Dirk Knofe

Ob auch der Mordschütze im Gerichtssaal sitzen könnte – dazu wollten weder das Landgericht noch die Staatsanwaltschaft einen Kommentar abgeben. Der mutmaßliche Drahtzieher des Drogengeschäfts Vincenzo G. war zum Prozessauftakt jedenfalls nicht geladen. Der Dresdner, der bislang ebenfalls alle Vorwürfe bestreitet, soll erst zu einem späteren Zeitpunkt als Zeuge verhört werden. Die drei Angeklagten wollen sich zum nächsten Verhandlungstag am 13. Febuar über ihre Anwälte zu den Vorwürfen äußern. Das Landgericht hat insgesamt noch sechs weitere Termine bis Ende März angesetzt.

Robert Nößler

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