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Fahrstuhlmord - Zeugen berichten von immer mehr blutigen Details

Prozess in Leipzig Fahrstuhlmord - Zeugen berichten von immer mehr blutigen Details

Im Fall des Leipziger Fahrstuhl-Mords versuchte das Landgericht Leipzig am Dienstag, Licht in die Vorgänge zu bringen, die sich am frühen Morgen des 11. September 2013 an der Bahnstrecke zwischen Rückmarsdorf und Markranstädt zutrugen.

Der Ort des Verbrechens in der Stuttgarter Allee 30 in Leipzig-Grünau nach der Tat.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Am Dienstag versuchte das Landgericht Leipzig, Licht in die Vorgänge zu bringen, die sich am frühen Morgen des 11. September 2013 an der Bahnstrecke zwischen Rückmarsdorf und Markranstädt zutrugen. Dort soll der Grünauer Sebastian T. seinen Bekannten Brian R. (20) auf die Bahngleise gelegt haben, nachdem er ihn in einem Drink Beruhigungsmittel verabreicht hatte, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Der 30-jährige arbeitslose Koch soll auch seinen Kumpel Adriano H. (22) in einem Grünauer Hochhaus in einen Fahrstuhlschacht gestoßen haben (die LVZ berichtete). Die Ermittler gehen davon aus, dass der wegen mehrfacher Eigentumsdelikte vorbestrafte Sebastian T. seine beiden Bekannten aus dem Weg räumen wollte, weil er Angst davor hatte, dass sie ihn anzeigen.

Auf der Bahnstrecke zwischen Rückmarsdorf und Markranstädt war gegen 2 Uhr früh ein Güterzug unterwegs. Er habe plötzlich „deutlich gehört“, wie „ein Gegenstand auf die Lok aufgeschlagen ist“, berichtete gestern der in den Zeugenstand geladene Lokführer. Sein Zug sei etwa 100 Stundenkilometer schnell gewesen und er habe nur „einen relativ kleinen Gegenstand“ neben dem Bahnkörper gesehen.

Ein Polizeibeamter, der gegen 2.30 Uhr vor Ort eintraf und das Gleis abging, fand eine Person, die am Rande des Gleises hockte. „Der Mann muss sich nach dem Unfall noch bewegt haben“, so der Beamte gestern. Der Verletzte habe auch kurz gewunken. Ermittler glauben, dass Brian R. kurz vor dem Zusammenprall aus der Betäubung erwacht ist und sich an den Gleisrand gerollt hat. Deshalb sei er nicht vom eintreffenden Zug überrollt, sondern nur von dessen Sog erfasst und gestreift worden, so die These.

Der Polizeibeamte entdeckte beim Opfer auch Anzeichen starker innerer Verletzungen. Das Körpervolumen von Brian R. habe „drastisch zugenommen“ und an seinem Oberschenkel habe „eine stark blutende Wunde“ geklafft, berichtete der Polizist gestern. Außerdem habe Brian R. am ganzen Körper gezittert.
Weil ein Selbstmordversuch als Ursache dieser Verletzungen nicht völlig ausgeschlossen werden kann, wollte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf von dem Lokführer wissen, ob sich schon einmal ein Mensch absichtlich vor seinen Zug geworfen habe. Dies sei vor längerer Zeit vorgekommen, aber ganz anders abgelaufen, gab der 57-Jährige zu Protokoll. Damals habe sich die Person aufrecht auf den Zug zubewegt, nicht am Gleisrand gehockt.

Der am Einsatz beteiligte  Notarzt schilderte, dass nach dem Aufspüren von Brian R. eine dramatische Rettungsaktion ablief. Die Feuerwehr habe eine Draisine auf die Schienen gebracht, um den Schwerverletzten bis zum nächsten Gleisübergang zu bringen, wo ihn ein Rettungswagen übernahm. Brian R. sei in ein künstliches Koma versetzt worden, damit er den Transport in die Uni-Klink übersteht. Das Opfer habe auch eine blutverschmierte Mundhöhle sowie Gesichtsverletzungen gehabt, so der Mediziner. Richter Jagenlauf wollte daraufhin wissen, ob diese Verletzungen auch Folge einer körperlichen Auseinandersetzung gewesen sein könnten. Solche Wunden seien ihm nicht aufgefallen, sagte der Notarzt.

Der Beschuldigte Sebastian T. hörte sich die Schilderungen mit regungsloser Miene an. Als Fotos vom Unfallort vorgelegt wurden, ging er zum Richtertisch und sah sie sich an. Nach der Verhandlung wurde er wieder in Handschellen in Untersuchungshaft gebracht. Der Prozess wird morgen fortgesetzt. Bis Anfang Januar sind weitere Verhandlungstage im Landgericht angesetzt.

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