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Polizeiticker Leipzig Falsche Diagnosen, damit Patient nicht in Haft muss?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Falsche Diagnosen, damit Patient nicht in Haft muss?
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18:46 11.07.2018
Ein Fall für das Amtsgericht Leipzig: Ein Arzt soll „unrichtige Gesundheitszeugnisse“ ausgestellt haben. Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Für einen Mediziner aus Thüringen steht viel auf dem Spiel. Womöglich könnte der Arzt aus Jena seinen Beruf nicht mehr ausüben, sollte sich der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Leipzig in vollem Umfang bewahrheiten. Am Mittwoch begann am Amtsgericht der Prozess.

Staatsanwalt Wolfgang Klose lastete dem 39 Jahre alten Psychiater an, „wider besseres Wissen falsche Gesundheitszeugnisse ausgestellt“ und sich somit auch der Strafvereitelung schuldig gemacht zu haben.

Anklage stützt sich auf vier Arztbriefe

Der Arzt soll für den Mitangeklagten, einen mehrfach vorbestraften Autohändler aus Leipzig, zwischen September 2016 und März 2017 vier Schreiben unter dem Briefkopf des Universitätsklinikums Jena verfasst haben. Darin sei es um die Krankengeschichte und die Therapie für den 32-Jährigen gegangen.

Im ersten Schreiben vom Herbst 2016 habe der Arzt zunächst eine mittelgradige Depression diagnostiziert; der Patient leide unter suizidalen Gedanken. In der Folge-Epikrise vom November 2016 wird laut Staatsanwalt zudem von einer ambulanten Therapie berichtet.

Schreiben Nummer drei vom 7. Februar 2017 hält eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes fest. Laut Staatsanwalt sei nunmehr von „Angststörungen“ und „posttraumatischen Belastungsstörungen“ die Rede. Der Patient werde bereits seit November 2016 stationär behandelt. „Er ist nicht in der Lage, eine Haftstrafe anzutreten“, zitiert Klose weiter. Im vierten Arztbrief vom März 2017 heißt es: „Eine stationäre Behandlung ist weiterhin nötig. Der Patient ist nicht vollzugstauglich.“

„Tatsächlich ist der Patient aber weder stationär noch ambulant behandelt worden“, so Klose. Die jeweils über die Verteidigung des Autohändlers eingereichten Schreiben erzielten seinerzeit tatsächlich Wirkung: „Die Staatsanwaltschaft stellte die Vollstreckung der Haftstrafe mehrfach zurück.“

Prozess-Neustart im September

Der 32-Jährige war in Leipzig wegen Betäubungsmittelhandels zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden. Inzwischen sitzt er seit April 2017 hinter Gittern. Ihm wird angelastet, die Behörden getäuscht und unrichtige Gesundheitszeugnisse gebraucht zu haben.

Amtsrichter Hardy Bittner vertagte den Prozess nach einem nicht öffentlichen Rechtsgespräch der Beteiligten. Einer vom Verteidiger des Psychiaters ins Spiel gebrachten Verfahrenseinstellung stimmte der Staatsanwalt nicht zu. Prozess-Neustart mit vielen Zeugen am 19. September.

Von Sabine Kreuz

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