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Familienvater wegen Mordversuchs in Leipzig verurteilt

Prozess am Landgericht Familienvater wegen Mordversuchs in Leipzig verurteilt

Nach einem blutigen Trennungsdrama im August 2015 in Anger-Crottendorf ist ein Familienvater (50) am Dienstag vom Landgericht wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Der nicht vorbestrafte Matthias H. hatte in dem seit Anfang Februar laufenden Prozess ein Geständnis abgelegt.

Am Landgericht Leipzig ist jetzt das Urteil gegen einen Bäcker gefallen, der laut Anklage aus Eifersucht seine Partnerin töten wollte.
 

Quelle: LVZ

Leipzig.  Für das Gericht war es ein Mordversuch: Nach einem blutigen Trennungsdrama im August 2015 in Anger-Crottendorf ist ein Familienvater (50) am Dienstag vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Der nicht vorbestrafte Matthias H. hatte in dem seit Anfang Februar laufenden Prozess ein Geständnis abgelegt, so der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf, „das von Schuldeinsicht und ehrlicher Reue getragen war“.

Für die 1. Strafkammer stand nach der Beweisaufnahme fest, was sich am 11. August 2015 in der Wohnung der Familie in der Friedrich-Dittes-Straße ereignet hatte. Als Kerstin R. (44) an jenem Abend von der Arbeit nach Hause kam, wollte Matthias H. sie zur Rede stellen. Sie hatte vor, ihren Lebensgefährten nach 20 gemeinsamen Jahren wegen eines Arbeitskollegen zu verlassen. Bei der Aussprache nach Mitternacht gelang es dem Angeklagten jedoch nicht, sie umzustimmen. Daraufhin ging Matthias H. in die Küche, um ein Messer zu holen. Er steckte sich die Tatwaffe mit etwa 15 Zentimeter langer Klinge in den Hosenbund und ging zurück ins Wohnzimmer. Mit den Worten „Ich will nicht mehr leben, und dich nehme ich mit“, soll sich der Bäcker auf seine bisherige Lebensgefährtin gestürzt haben. Die 44-Jährige wurde durch drei Messerstiche in die Brust schwer verletzt. Dennoch wehrte sie sich heftig, entwand dem Angreifer kurzzeitig sogar das Messer. Doch Matthias H. schlug ihr laut Anklage mit der Faust an die Schläfe und würgte sie, bevor er ihr erneut das Messer in den Rücken rammte, wo es steckenblieb.

Angeklagt wegen versuchten Mordes: Matthias H.

Angeklagt wegen versuchten Mordes: Matthias H.

Quelle: André Kempner

In diesem Moment kam der gemeinsame Sohn (14) des Paares ins Zimmer, wollte mit seinem Handy Hilfe holen. Doch Matthias H. nahm ihm das Telefon ab, während es Kerstin R. gelang, sich das tief im Rücken steckende Messer selbst herauszuziehen. Sie floh mit ihrem Sohn in dessen Zimmer, verbarrikadierte sich dort, konnte schließlich zu einer Nachbarin flüchten.

Sie überlebte mit sehr viel Glück und weil sie sich nach Leibeskräften wehrte, schilderte Jagenlauf. Der Beschuldigte habe der Frau mit dem Messer „einen Denkzettel verpassen“ wollen. Doch nach Angaben der Rechtsmedizin entschieden bei einem der Stiche nur Zentimeter zwischen Leben und Tod. Die Handlungsweise des Angeklagten sei von einem „erheblichen Gewaltpotenzial geprägt“, so der Richter.

Dabei sei Matthias H. eigentlich „ein grundehrlicher Typ, der stets seine Arbeit gemacht hat und dem die Familie viel bedeutete“. Seine Probleme mit dem Alkohol hätten aber dazu beigetragen, dass die Beziehung in die Brüche ging. Dabei habe er die letzten Wochen vor der Tat keinen Tropfen mehr angerührt, so Jagenlauf. Auch zur Tatzeit war er nicht betrunken.

Jagenlauf sagte bei der Urteilsbegründung zu dem Angeklagten: „Sie sind nicht der typische Mörder, aber Sie haben Ihre Familie zerstört.“ Das Gericht habe den Eindruck, dass sich Matthias H. seiner Schuld und seiner Verantwortung bewusst sei. Seine langjährige Partnerin und auch der gemeinsame Sohn, der das blutige Drama in der Wohnung miterleben musste, leiden noch immer unter den Erlebnissen. Ihnen wünschte Jagenlauf viel Kraft, die Ereignisse jener Nacht zu verarbeiten.

Das Urteil gegen Matthias H. ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Ingo Stolzenburg erklärte auf Nachfrage der LVZ, dass er erwäge gegen das Urteil Revision einzulegen. Er hatte in seinem Plädoyer nicht auf einen Mordversuch erkannt, sondern eine Verurteilung wegen eines Körperverletzungsdeliktes gefordert.

Von Frank Döring

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