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Fast 1000 Polizisten, Betonsperren und Demoverbot zu Silvester in Leipzig

Behörden in Alarmbereitschaft Fast 1000 Polizisten, Betonsperren und Demoverbot zu Silvester in Leipzig

Ein Verbot von Spontandemos in Connewitz, Betonblöcke am Augustusplatz und Aufenthaltsverbote für 44 Antänzer sollen in der Silvesternacht in Leipzig für Sicherheit sorgen. Knapp 1000 Polizisten sind im Einsatz – etwa doppelt so viele wie im Vorjahr.

Die Betonblöcke, mit denen der Augustustplatz in der Silvesternacht abgesperrt werden soll, wurden am Freitag angeliefert.

Quelle: Alexander Prautzsch / André Kempner

Leipzig. Nach den Übergriffen von Köln und dem Terroranschlag in Berlin werden die Sicherheitsvorkehrungen zu Silvester in Leipzig deutlich verschärft. Unter anderem sollen tonnenschwere Betonsperren am Augustusplatz und ein Verbot von Spontandemos am Connewitzer Kreuz für einen friedlichen Verlauf der Neujahrsnacht sorgen. Die Polizei rüstet sich für einen Großeinsatz: Nach Informationen von LVZ.de aus Behördenkreisen werden in der Messestadt knapp 1000 Beamte im Einsatz sein – etwa doppelt so viele wie im Vorjahr.

„Gerade Köln und Berlin haben zu einer Neubewertung des Sicherheitskonzepts geführt“, sagte Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) am Freitag. Der Fokus liege neben Connewitz und der Südvorstadt vor allem auf der Innenstadt rund um den Augustusplatz, wo in jedem Jahr Tausende Menschen ins neue Jahr feiern. Um einen Anschlag mit einem Lkw wie auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche zu verhindern, werden die Zufahrten vom Ring und der Goethestraße mit Betonbarrieren blockiert. Es handelt sich dabei nicht um die bekannten Nizza-Sperren, sondern um Blöcke zur Befestigung von Ampeln oder großen Straßenschildern. Mit einem Feuerwehrkran sollen die "physischen Sperren" ab Samstagnachmittag platziert werden. Ab 19 Uhr ist der Augustusplatz dicht, Straßenbahnen und Autos werden umgeleitet.

Am Freitag wurden die ersten Betonsperren am Augustusplatz angeliefert. Sie sollen zu Silvester einen Anschlag wie in Berlin verhindern. Auch in Leipzig-Connewitz laufen die Vorbereitungen auf die Neujahrsnacht. Fotos: André Kempner

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Aufenthaltsverbote für 44 Antänzer

Auf dem Augustusplatz will die Polizei auch sexuelle Übergriffe und Raubzüge von Antänzern um jeden Preis verhindern. Sie hält dafür vor Ort eine Hundertschaft bereit. „Die Präsenz wird spürbar sein“, so Rosenthal. Polizeisprecher Uwe Voigt kündigte an: „Wir haben parallel auch den Hauptbahnhof verstärkt im Auge. Es sind mobile Einheiten im Einsatz, die jederzeit schnell handeln können.“ Die Polizeidirektion erhält Unterstützung von vier Hundertschaften der sächsischen Bereitschaftspolizei. Zum Vergleich: In Dresden ist nur eine Hundertschaft im Einsatz, in Chemnitz und Zwickau ist es jeweils ein Bereitschaftspolizeizug.

Das Ordnungsamt hat bereits in den vergangenen Tagen schriftliche Aufenthaltsverbote an 44 polizeibekannte Antänzer ausgesprochen. Sie dürfen sich laut Rosenthal in der Silvesternacht nicht in der Innenstadt aufhalten. „Die Beamten werden mit Nachdruck darauf achten und Verstöße umgehend verfolgen“, kündigte die Polizei Kontrollen an. Die Veranstaltungsorte seien keine „rechtsfreien Räume, auf denen man sich in der Anonymität tummeln kann“, so die klare Ansage der Beamten an Kriminelle. Die Polizei will in der Silvesternacht auch mehrsprachige Dolmetscher einsetzen. Sie sollen bei der Kommunikation mit Opfern und Tätern helfen.

Demoverbot am Kreuz – nur eine Kundgebung erlaubt

Rund um das Connewitzer Kreuz gilt in der Neujahrsnacht von 23 bis 6 Uhr ein Verbot von Spontan- und Eilversammlungen unter freiem Himmel. Zur Begründung erklärte Rosenthal, dass es – mit Ausnahme der vergangenen Silvesternacht – in den letzten fünf Jahren immer Spontandemos am Kreuz gegeben habe, die nicht friedlich blieben. So seien meist Böller auf Polizeibeamte geworfen worden. Zudem seien die Versammlungen häufig bereits im Vorfeld geplant gewesen. „Solche Demos wollen wir in diesem Jahr unterbinden“, so Stadtsprecher Matthias Hasberg. Bei den letztjährigen Silvesterfeierlichkeiten hatte die Stadt ebenfalls ein Verbot am Kreuz erlassen, Ausschreitungen gab es damals nicht.

In diesem Bereich rund um das Connewitzer Kreuz gilt das Verbot von Spontan- und Eilversammlungen.

Quelle: Stadt Leipzig

Das Demoverbot umfasst das Gebiet zwischen Richard-Lehmann-Straße, Arthur-Hoffmann-Straße, Zwenkauer Straße, Meusdorfer Straße, Wolfgang-Heinze-Straße, Brandstraße und Windscheidstraße. Eine Versammlung, die bereits vor dem Erlass der Allgemeinverfügung angezeigt wurde, dürfe stattfinden, so Hasberg. Es handelt sich um die Kundgebung „Bier statt Böller“ von der Leipziger Partei „Die Partei“. Laut Facebook-Ankündigung ist die Kundgebung lediglich für eine halbe Stunde von 23 Uhr bis 23.30 Uhr geplant. Sie soll auf die Gefahren im Umgang mit Böllern, insbesondere auch auf schädliche Folgen für Haustiere hinweisen.

Rechter Aufmarsch am Hauptbahnhof angekündigt

Rosenthal betonte gegenüber LVZ.de, die Sicherheitslage werde unter intensiver Zusammenarbeit der Behörden, auch mit dem sächsischen Verfassungsschutz, ständig aktuell beobachtet. Auch Internetquellen wie Facebook würden dabei „permanent ausgewertet“. Konkrete Hinweise auf eine akute Gefährdung in der Silvesternacht gebe es derzeit nicht.

Registriert haben die Behörden jedoch eine auf verschiedenen Online-Seiten verbreitete Ankündigung von Rechtsextremen, um 23 Uhr vom Hauptbahnhof aus „mit Kameraden durch die Stadt marschieren“ zu wollen. Die Polizei werde sich darauf einstellen, ebenso wie auf mögliche Reaktionen der linken Szene, versprach Rosenthal. Zusammen mit Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz will er sich in der Silversternacht auf der Straße selbst ein Bild von der Lage machen. „Die Bürger haben die Erwartung uns gegenüber, dass wir ihre Sicherheit garantieren“, so der Ordnungsbürgermeister. „Technisch gesehen“ seien alle Voraussetzungen dafür getroffen.

Robert Nößler / lyn / luc

Verkehrseinschränkungen in der Silvesternacht

Die Zufahrt zum Augustusplatz über die Goethestraße und die Mittelfahrbahn von der Ostseite des Platzes wird am 31. Dezember ab 19 Uhr nicht möglich sein. Die Tiefgarage Augustusplatz ist jedoch jeder Zeit über die Einfahrt Georgiring und die Ausfahrt Goethestraße nutzbar. Eine Aufhebung der Sperrungen erfolgt am 1. Januar bis 10 Uhr.

Im Bereich des Connewitzer Kreuzes werden ab 19 Uhr die Zufahrtsstraßen gesperrt. Betroffen sind die Kochstraße, die Selneckerstraße, die Scheffelstraße, die Wolfgang-Heinze-Straße, die Bornaische Straße und die Karl-Liebknecht-Straße. Es werden auch Halteverbote, zum Beispiel zur Einrichtung von Ersatzhaltestellen oder für Aufstellflächen der Polizei angeordnet.

Der Straßenbahnverkehr am Kreuz wird von 22.45 bis circa 3 Uhr nach gesondertem Fahrplan erfolgen. Über Einzelheiten wollen die Leipziger Verkehrsbetriebe aktuell informieren.

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Leipzig, Augustusplatz 51.339473 12.382235
Leipzig, Augustusplatz
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