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Polizeiticker Leipzig Feuer-Drama in der Wurzner Straße: Was wurde aus dem Fall?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Feuer-Drama in der Wurzner Straße: Was wurde aus dem Fall?
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08:07 06.07.2018
Flammen schlagen am 29. März 2018 aus dem Dachstuhl des Mehrfamilienhauses in der Wurzner Straße 111 in Leipzig. Eine Bewohnerin kam ums Leben, 16 weitere wurden teils schwer verletzt. Quelle: TNN
Leipzig

Es waren dramatische Szenen, die sich vor gut drei Monaten in der Wurzner Straße 111 im Leipziger Osten abspielten. Ein sechsstöckiges Mehrfamilienhaus stand am Abend des 29. März komplett in Flammen. 16 Menschen wurden bei dem verheerenden Brand verletzt. Eine 40-jährige Bewohnerin konnte nur noch tot aus ihrer Wohnung geborgen werden. Ihr 32-jähriger Lebensgefährte liegt nach Behördenangaben bis heute im kritischen Zustand in einer Klinik.

Ermittlungen wegen Mordes

Ein Vierteljahr später versuchen Ermittler noch immer zu rekonstruieren, was in den späten Abendstunden des Gründonnerstags geschah. Ein 32-jähriger Bewohner des Hauses in Volkmarsdorf soll im Treppenhaus ein Feuer gelegt haben, das sich rasend schnell bis unter das Dach ausbreitete. Der Syrer wurde am Tag nach der Tat festgenommen. Er sitze weiterhin in Untersuchungshaft, teilte die Staatsanwaltschaft Leipzig nun auf Nachfrage von LVZ.de mit.

Mehrfamilienhaus in Volkmarsdorf in Flammen

Ein 32-jähriger Hausbewohner wurde offenbar festgenommen. + Die Feuerwehr hat eine Leiche gefunden. + Ein Mann liegt mit schwersten Verbrennungen in einer Leipziger Klinik. + 34 Menschen haben ihre Wohnungen verloren. + Ein Teil des Gebäudes ist eingestürzt. + Die Chronologie des verheerenden Brandes in der Wurzner Straße http://go.lvz.de/4c4

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Freitag, 30. März 2018

Rätselhaft ist noch immer, aus welchem Grund der 32-Jährige den Brand legte. „Verlässliche Angaben zum Motiv und den Hintergründen der Tat sind erst nach Abschluss sämtlicher Ermittlungen möglich“, erklärte die Behördensprecherin Jana Friedrich dazu. Dem 32-Jährigen werden unter anderem Mord, versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen. Wann Anklage erhoben wird, ist bislang ebenfalls noch offen. Man sei bestrebt, „die Ermittlungen zügig abzuschließen“, sagte Friedrich. Der Verdächtige habe sich zur Sache geäußert. Inwiefern er die Vorwürfe eingeräumt hat, gaben die Ermittler bisher nicht bekannt.

Woran starb die 40-jährige Mieterin?

Berichten zufolge sollen die Ausgänge des Hauses verbarrikadiert gewesen sein, als das Feuer ausbrach. Für die Bewohner war es dadurch nahezu unmöglich das brennende Haus zu verlassen. Sie mussten über Drehleitern der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Der Eingangsbereich des Hauses sei voller Sperrmüll gewesen, den ausgezogene Familien hinterlassen hatten, heißt es. Zwei Bewohner retteten sich auf das Dach und ließen sich in ein Sprungpolster fallen. Beide hatte die Kripo später als Zeugen gesucht, um nähere Angaben zur Brandnacht zu bekommen. „Sie haben sich gemeldet und wurden inzwischen befragt“, berichtet Polizeisprecher Uwe Voigt.

Ein Großfeuer wütete in einem Mehrfamilienhaus in der Nacht zu Karfreitag in der Wurzener Straße in Leipzig.

Ungeklärt ist bislang auch noch die Todesursache der 40-jährigen Mieterin: Starb sie an den Folgen des Brandes? Oder war sie bereits tot, als das Feuer ausbrach? Zu diesen Fragen wollen sich die Ermittler bislang nicht äußern. Auch drei Monate nach der Tat liege noch immer kein endgültiges rechtsmedizinisches Gutachten vor, erklärte Staatsanwältin Friedrich. Zu vorläufigen Obduktionsergebnissen halten sich die Behörden bedeckt.

Haus soll saniert werden

34 Menschen in dem hauptsächlich von Ausländern bewohnten Haus an der Ecke zur Annenstraße hatten durch das Feuer ihre Wohnungen verloren. Betroffene, die nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkommen konnten, wurden in Notunterkünften der Stadt untergebracht, wie Evelin Renner, die stellvertretende Leiterin des Sozialamtes, erläutert. Die Betroffenen wurden anschließend bei der Wohnungssuche unterstützt oder ihnen eine andere Unterkunft vermittelt. Groß war auch die Hilfsbereitschaft des Bürgervereins Schönefeld. Dieser organisierte laut Renner Spenden und stellte Kleidung, Spielzeug und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs zur Verfügung.

Das Brandhaus in der Wurzner Straße 111 in Leipzig ist eingerüstet. Derzeit finden Sicherungsmaßnahmen statt. Quelle: Andre Kempner

Das Gebäude ist inzwischen eingerüstet worden. Derzeit werden nach Angaben der Stadt Sicherungsmaßnahmen an dem Gebäude vom Eigentümer durchgeführt. Ein Notdach wurde bereits errichtet. In Kürze soll das Haus saniert werden. Laut Kathrin Rödiger, der Leiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, wurde bereits Anfang Juni ein Bauantrag zum Wiederaufbau eingereicht.

Von Robert Nößler

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