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Flucht-Trick unmöglich: Gefängnis scannt Fingerabdrücke

Flucht-Trick unmöglich: Gefängnis scannt Fingerabdrücke

Zwar ist in Leipzig mit diesem Flucht-Trick noch kein Gefangener entwischt. Ein Fall aus Dresden führte jedoch zur Anschaffung von Fingerabdruck-Scannern in der hiesigen Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Leinestraße wie in allen anderen neun sächsischen JVA auch.

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In dem unscheinbaren schwarzen Kasten (rechts) werden die Fingerabdrücke gescannt. Andreas Lewick überprüft in der JVA Leipzig die Daten-Abgabe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Damit betritt die Justiz des Freistaats bundesweit Neuland.

Der Auslöser? Ein eher peinlicher Fall vom 15. Mai 2013. Ein ungarischer Untersuchungshäftling hatte die Ähnlichkeit zu seinem Zellennachbarn genutzt, um aus der JVA Dresden zu entkommen. Der 32-Jährige täuschte mehrere Vollzugsbeamte, in dem er vorgab, der Mithäftling zu sein, der an diesem Tag regulär entlassen wird. Die Bediensteten besaßen damals zur Identitätsprüfung nur einen Fotoausdruck aus dem Computer.

Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP) entschied daraufhin, zukünftig auch technische Hilfsmittel zur Identifikation von Gefangenen einzusetzen. Nach einer Testphase des Fingerprint-Systems ging es jetzt offiziell in Betrieb. "Wir halten Abdrücke von vier Fingern fest", erklärt Andreas Lewick, Abteilungsleiter Funktionsdienst in der JVA Leipzig. Die digitalen Abbilder ergänzen den bisherigen Standard von Porträtfoto, Name, Geburtsdatum, Körpergröße, Gewicht, medizinischen Besonderheiten, Tätowierungen, einem Hausausweis und einer internen Nummer. "Wird ein Gefangener entlassen, begleitet ihn auch immer ein Bediensteter, der ihn persönlich kennt", fügt der 43-Jährige hinzu.

Ein Fall wie in Dresden sei hier deshalb noch nie passiert. Sowohl beim Betreten als wiederum auch beim Verlassen müssen sich die Gefangenen mit dem Fingerabdruck identifizieren, der vorhandene Datensatz wird technisch abgeglichen. "Das ist wie ein zweites Passbild." Nach der Entlassung würden die Finger-Daten sofort automatisch gelöscht. "Die Polizei hat keinen Zugriff darauf. Andere JVA auch nicht", so Andreas Lewick. Bislang habe noch kein Häftling das Scannen verweigert, problematisch sei es höchstens geworden, wenn ein Neuzugang aufgrund hoher Alkoholisierung unfähig dazu war.

Laut Justizministerium wurde das Fingerprint-System bundesweit erstmals in Sachsen eingeführt. Übrigens konnte der mit Hilfe des Tricks entwischte Dresdener Häftling bereits drei Wochen später wieder gefasst werden - und zwar in Budapest. Nach ihm war mit europäischem Haftbefehl gefahndet worden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.09.2014

Sabine Kreuz

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