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Polizeiticker Leipzig Frau legt in Häusern Feuer: „Ich wurde gesteuert“
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Frau legt in Häusern Feuer: „Ich wurde gesteuert“
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18:50 04.04.2018
Den Fall gegen eine Konditorin verhandelt das Leipziger Landgericht öffentlich. Quelle: dpa
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Leipzig

„Die Anne von früher bin ich nicht mehr“, schreibt die 32-jährige Frau. Den Brief richtet sie an Freunde, die sie bereits seit der Kindheit kennt und denen sie nun sehr großen materiellen Schaden zugefügt hat. Denn sie hat ihr kleines Gästehaus angezündet.

Es ist ein Entschuldigungsbrief an die Freunde, der am Mittwoch im Landgericht Leipzig verlesen wird. Anne H. werden mehrere Straftaten vorgeworfen: 2017 soll sie drei Brände in Wohnhäusern gelegt, zudem eine Frau geschlagen und einen Polizisten gebissen haben.

Laut Staatsanwalt Wolfgang Klose steckte Anne H. die besagte Gäste-Unterkunft in Großpösna, in der Ludwig-Jahn-Straße, am 14. Juli 2017 in Brand. Schaden: 10 000 Euro. Am selben Tag wollte sie zudem mit Grillanzünder und Spiritus in der Großpösnaer Rudolf-Breitscheid-Straße offenbar Holztreppen in einem Mehrfamilienhaus in Flammen aufgehen lassen. Sie erloschen. Es gab nur einen geringfügigen Schaden. Anne H. kannte das Haus, denn in dieser Straße war sie aufgewachsen.

Geständnis – bis auf einen Punkt

Zum dritten Mal zündelte sie dann am 2. November in der Wohnung eines Freundes in Leipzig, in der Gabelsbergerstraße (5000 Euro Schaden). Er ist auch der Vater ihrer kleinen Tochter. Die Fünfjährige lebt jetzt bei dessen Eltern. Bereits im Mai 2017 soll Anne H. die Pflegemutter geschlagen und sie verletzt haben. „Ich habe sie an der Schulter gestreift, da ist sie umgekippt“, sagt die Beschuldigte nun vor Gericht. Bis auf diesen einen Punkt gibt die 32-Jährige alles zu.

Bestraft werden kann die Konditorin für diese Taten aber nicht. Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass Anne H. die schweren Brandstiftungen sowie die anderen Straftaten im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat. Grund ist eine schizoaffektive Psychose, die durch den langjährigen Drogenkonsum (Heroin und Crystal) bedingt beziehungsweise noch verstärkt wurde.

Ihren eigenen Angaben zufolge wurden ihr Befehle gegeben. „Ich hörte den ganzen Tag Stimmen. Ich wurde gesteuert.“ Auch zu ihrer Tochter habe sie rennen sollen. „Es war ein Auftrag.“ In Bezug auf die Brandstiftungen meint sie außerdem: „Keiner braucht etwas. Wir können alle frei von Besitz und materiellen Dingen sein.“

Sicherungsverfahren bis 18. April

Weil die Staatsanwaltschaft der Ansicht ist, dass die Beschuldigte krankheitsbedingt nicht in der Lage war, das Unrecht einzusehen, läuft vor der 8. Strafkammer des Landgerichts voraussichtlich bis 18. April nun ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Dabei geht es nicht um eine Verurteilung zu einem bestimmten Strafmaß, sondern um die Frage, ob Anne H. für längere Zeit in der geschlossenen Psychiatrie behandelt werden muss. Inzwischen gehe es ihr „von Tag zu Tag besser“.

Sie wurde am 2. November festgenommen und in die Untersuchungshaft nach Chemnitz gebracht. „Ich habe die ganze Zelle zerschlagen“, berichtet sie. Deshalb sei sie für zwei Tage in einem besonders gesicherten Haftraum und ab Mitte November dann zunächst – vorläufig – in der Psychiatrie untergebracht worden. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass von der 32-Jährigen weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind. Sie sei für die Allgemeinheit gefährlich.

Von Sabine Kreuz

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