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Polizeiticker Leipzig Freispruch nach Mordversuch vor Hauptbahnhof?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Freispruch nach Mordversuch vor Hauptbahnhof?
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15:58 06.06.2018
Angeklagter Hisham B. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Endet der Prozess um einen versuchten Mord am helllichten Tag direkt vor dem Leipziger Hauptbahnhof mit einem Freispruch? Verteidigerin Aline Luderer forderte am Mittwoch im Landgericht Leipzig, den Angeklagten freizulassen und ihm eine Entschädigung für die mehr als sieben Monate dauernde Untersuchungshaft zu zahlen. Dabei gilt Hisham B. (21) für die Behörden als krimineller Integrationsverweigerer.

Verletzungen potenziell lebensbedrohlich

Angeklagt ist der Libyer, weil er am 7. September 2017 gegen 17 Uhr seinen Landsmann Mohamed A. (34) am Fußgängerüberweg vor der Westhalle des Hauptbahnhofs vor ein fahrendes Auto gestoßen haben soll. Vorausgegangen war der Staatsanwaltschaft zufolge ein Streit um Drogen im Bürgermeister-Müller-Park, bei dem sich beide Asylbewerber beschimpften und mit Pfefferspray besprühten. Dann soll Hisham B., der nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden im berüchtigten Bahnhofsumfeld unter dem Spitznamen „Tam-Tam“ mit Rauschgift dealte, ein Klappmesser gezogen haben. Mohamed A. rannte daraufhin weg. Als er an einer roten Ampel stoppen musste, soll ihn Hisham B. mit beiden Händen auf die Fahrbahn in den fließenden Verkehr gestoßen haben. Das Opfer wurde vom Kotflügel eines Citroën erfasst, rollte über die Motorhaube. „Seine Verletzungen hätten potenziell lebensbedrohlich sein können“, so Staatsanwältin Vanessa Fink.

Staatsanwaltschaft will fünf Jahre Haft

Die Anklagevertreterin wich in ihrem Plädoyer von den ursprünglichen Tatvorwürfen ab, erkannte nicht mehr auf Mordversuch, sondern lediglich auf versuchten Totschlag. „Er nahm in Kauf, dass sein Opfer tödliche Verletzungen erleiden kann“, sagte sie und beantragte fünf Jahre Jugendstrafe – der Libyer soll zur Tatzeit noch Heranwachsender gewesen sein. Fink war sich sicher, dass Hisham B. die Taten begangen hat, auch wenn das Opfer im Prozess erklärte, den Mann auf der Anklagebank nicht wiederzuerkennen. „Das war schlicht gelogen“, so die Staatsanwältin, „vielleicht hat er selbst Dreck am Stecken.“ Immerhin habe ihn Mohamed A. zuvor bei der Kripo auf Lichtbildvorlagen identifiziert.

Für die Verteidigerin reichte das nicht. „Wir haben ja auch keine DNA und keine Daten aus der Handyortung“, so Luderer. „Es kann keine Verurteilung auf die Beweisaufnahme gestützt werden.“ Daher sei ihr Mandant freizusprechen.

Libyer war untergetaucht und bezog Sozialleistungen

Aber was dann? Die Sozial- und Kriminalprognose des Libyers ist nach Angaben der Jugendgerichtshilfe „äußerst kritisch“, so Sachgebietsleiterin Karin Würden. Hisham B. habe in Libyen nur zwei Jahre die Schule besucht und dann Schafe gehütet. Er könne kaum lesen und schreiben. Vor zwei Jahren sei er für 300 Euro mit einem Schiff nach Italien gelangt, kam im November 2016 über Belgien nach Deutschland, beantragte hier Asyl und bezog fortan 320 Euro Sozialleistungen. Weil er die ihm zugewiesene Gemeinschaftseinrichtung im Erzgebirge verschmähte und lieber mit arabischen Freunden in Leipzigs Innenstadt unterwegs war, galt er als untergetaucht, sodass im Mai 2017 sein Aufenthaltsstatus erlosch. Die monatlichen Schecks vom Amt soll er dennoch bekommen haben – bis zu seiner Inhaftierung im November 2017. Karin Würden von der Jugendgerichtshilfe: „Er zeigt keine Integrationsbestrebungen, nur die finanzielle Absicherung scheint ihm wichtig.“

Das Urteil soll am 12. Juni verkündet werden.

Von Frank Döring

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