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Polizeiticker Leipzig Friedhofsschänder stehlen in Leipzig Spielzeug von Kindergräbern
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Friedhofsschänder stehlen in Leipzig Spielzeug von Kindergräbern
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18:25 30.11.2016
Mit diesem Brief haben betroffene Eltern sich an den unbekannten Grabschänder gewandt.  Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

 Sie schänden den heiligsten Ort, der Eltern von verstorbenen Kindern noch bleibt: Immer wieder vergreifen sich Diebe an den Gräbern toter Mädchen und Jungen auf dem Südfriedhof, stehlen und zerstören Dekoration und kleine Mitbringsel. Angehörige reagieren schockiert und zum Teil wütend. Eine Familie hat jetzt sogar einen Brief an den unbekannten Grabschänder geschrieben. Er steht an der Grabstätte ihres zehnjährigen Sohnes, geschützt in einer Klarsichthülle.

„Das Grab unseres Sohnes ist der wichtigste Platz, an dem wir mit ihm gemeinsam unseren Erinnerungen an eine wunderbare Zeit einen Raum geben. Die vielen Dinge, die wir hier aufstellen, hinhängen und aufbauen, sind kleine Geschenke für einen Zehnjährigen, der hier jetzt seinen Spielplatz hat“, heißt es da. „Wenn bunte Vogelhäuschen, kleine Laternen und tönerne Herzen, Windspiele, eine Sonne und Engel von Ihnen gestohlen werden, nehmen Sie Menschen, die gern an diesen Platz kommen, nicht nur ein Stück Freude. Sie machen eine Mutter, einen Vater und eine Schwester mächtig wütend.“

Kein Einzelfall. Bei Facebook meldeten sich daraufhin andere betroffene Eltern. „Das haben wir bei unserem Kindergrab leider auch immer wieder erlebt“, schreibt ein Mann, „Diebstahl oder sinnlose Zerstörung von Dekoration und Spielzeug.“ Gegenüber der LVZ sagt ein betroffener Vater: „Wir machen solche Erfahrungen am Grab unseres Kindes leider immer wieder. Es ist weniger der Ärger über die gestohlenen Dinge, als vielmehr das Entsetzen darüber, dass selbst ein Friedhof ins Beuteschema von Kleinkriminellen zu passen scheint.“

Der materielle Schaden ist in diesen Fällen eher gering. Wohl deshalb erstattet kaum einer der Betroffenen Anzeige. „Der Abteilung Friedhöfe des Amts für Stadtgrün und Gewässer sind keine Vorfälle aus diesem Bereich bekannt geworden“, teilt die Stadt auf LVZ-Anfrage mit. Massiven Ärger mit Grabschändungen gibt es freilich seit etlichen Jahren (siehe Hintergrund).

Die Dunkelziffer dürfte nach Ansicht der Ermittler noch deutlich höher liegen. „Wir denken, dass viele Diebstähle unerkannt bleiben, weil manche Gräber durch die Hinterbliebenen nur selten aufgesucht werden“, so Polizeisprecher Alexander Bertram. „Rund und um die Friedhöfe gab es weitere Straftaten, etwa Graffiti-Schmierereien an Mauern und Einbrüche in parkende Fahrzeuge.“

 Auch die Stadt räumt ein: „Leider kommt es auf allen Friedhöfen in Leipzig zu Diebstählen von Grabdekoration und Blumen. Diese Straftaten werden erfahrungsgemäß tagsüber durchgeführt. Hier kann jeder Friedhofsbesucher durch Aufmerksamkeit zur Sicherheit beitragen.“ Wer derartige Straftaten bemerke, sollte sich umgehend der Polizei oder Friedhofsverwaltung melden. Um das Problem einzudämmen, verschließt die Verwaltung aus Sicherheitsgründen die Tore ihrer Friedhöfe nach Ende der Öffnungszeiten. „Alle Friedhöfe sind durch Mauern oder Zäune vollständig umfriedet, auf die ständige Bauunterhaltung wird geachtet“, teilt das Rathaus mit. „Die Polizeidirektion Leipzig und der Stadtordnungsdienst führen Kontrollen im Rahmen der Möglichkeiten durch. Die Friedhofsverwaltung beauftragt Kontrollen durch Wachdienste.“ Gleichwohl finden sich für Diebe auf den 40 kirchlichen und sieben städtischen Friedhöfen offenbar noch jede Menge Gelegenheiten.

Betroffenen Eltern bleibt da vorläufig wohl nur der Appell ans Gewissen der Täter. „Sie sind herzlich eingeladen, immer wieder hierher zu kommen, zu schauen und nachzudenken“, heißt es in dem Brief an den unbekannten Grabschänder. „Vielleicht am besten mal darüber, was Menschen ein Ort wie dieser bedeuten kann. Und ob die Dinge, die hier zu sehen sind, nicht auch aus einem bestimmten Grund hier stehen. Nehmen Sie sich alle Zeit, die Sie dafür brauchen. Und lassen Sie dabei bitte einfach die Hände in den Hosentaschen.“

Von Frank Döring

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